AudiMax

Der größte Hörsaal der Universität Wien
1936–2015

Das AudiMax – Auditorium Maximum – ist der größte Hörsaal im Hauptgebäude der Universität Wien. Er wurde im Austrofaschismus nachträglich errichtet durch Überdachung eines Innenhofes. Nach grundlegender Renovierung 2006 ist das AudiMax bis heute der Ort für Großvorlesungen und -veranstaltungen, aber auch immer wieder für studentische Proteste ("Audimaxismus").

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Raumsituation bis zum Bau des AudiMax

Zur Planungszeit des Universitätsgebäudes 1873 hatte die Universität Wien 3.813 Studierende, im Jahr der Eröffnung des Gebäudes 1884 bereits + 50% und 50 Jahre später 11.439 (+300%). Ein großer Hörsaal fasste 240 Personen, die nächst größeren noch rd. 140 Personen, viele waren kleiner, für die zunehmenden Großlehrveranstaltungen musste man in den Kleinen Festsaal ausweichen (max. rd. 350 Personen).

Bereits beim Bezug des Hauptgebäudes war dieses zu klein, durch die steigenden Studierendenzahlen fehlten trotz einiger Neubauten für die Naturwissenschaften die entsprechenden Räume für Groß-Lehrveranstaltungen, die besonders in den frühen "Massenfächern" Psychologie, Germanistik und Romanistik, aber auch in der Medizin und den Rechtswissenschaften stattfanden. Besonders die Vorlesungen des Germanistikprofessors Josef Nadler erfreuten sich unter den Studierenden großer Beliebtheit. Der große Andrang förderte ab Anfang der 1930er Jahre wesentlich die Errichtung des Auditorium Maximum.

Errichtung im Austrofaschismus

Als das austrofaschistische Regime auch noch weltanschauliche Pflichtvorlesungen für alle Studierenden einführte kam es zur lange angestrebten Errichtung des Groß-Hörsaals 1935/36. Zuvor hatte die Universität erfolglos versucht, sich für diese Zwecke das funktionslos gewordene Parlamentsgebäude anzueignen. Nach der Abschaffung der Republik und Auflösung des Parlaments durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wären die dortigen Plenarsäle eine günstig gelegener Hörsaalbau gewesen. Auch das stattdessen errichtete AudiMax war nicht nur ein reiner Zweckbau, sondern sollte auch neuen Wind in die Universität bringen, wie die Eröffnungszeremonie erkennen ließ. Zum einen wurde erstmals seit Eröffnung des Hauptgebäudes ein Hörsaal kirchlich geweiht. Weihe und anschließende Rede von Kardinal-Erzbischof Theodor Innitzer wurden live im Radio übertragen. Die Rednertribüne war kurz vor der Eröffnung im Dezember 1936 noch entsprechend neu ausgestattet worden: zur Rechten des Vortragenden ein großes Kruzifix und zur Linken der Doppeladler mit zwei Heiligenscheinen, das neue Staatswappen des austrofaschistischen Österreich. So eingerahmt hielten die Professoren die ideologischen Pflichtvorlesungen auf geweihtem Boden. Die Studierenden rezipierten beim Zuhören neben dem Vortrag auch die zentralen Symbole des neuen Regimes.

Gleichzeitig war das AudiMax der größte und modernste Veranstaltungssaal im damaligen Wien mit Film-, Ton-, und Projektionsanlage, Großkinoleinwand und mobilem Labortisch. Da nur 15 Monate später bereits die Machtübernahme des Nationalsozialismus die politische Inszenierung wieder zum Verschwinden brachte und durch Hakenkreuze ersetzte, war dieser neuen Ausrichtung keine nachhaltige Wirkung in der universitären Erinnerungs- und Gedenkkultur beschieden.

Hier finden im Nationalsozialismus die Großveranstaltungen nach dem sogenannten "Anschluss" statt – sowohl wissenschaftliche Tagungen, Semesterbeginnveranstaltungen, aber auch Ehrungen: Die Verleihung der im NS eingeführten Ehrensenatorwürde an "die Vorkämpfer für Großdeutschland" 1941, oder des Ehrendoktorats an Josef Weinheber 1942.

Kundgebungen

Nach 1945 bleibt das AudiMax in Wien ein zentraler Ort für Großveranstaltungen (neben Konzerthaus und Musikvereinssaal). Bis zum Bau der Stadthalle und der UNO-City finden z.B. Tagungen der UNIDO und andere große Tagungen hier statt, ebenso wie Rektorsinaugurationen. Die Ton/Bildanlage wird bis in die 1980 auch als Ort für Kino- und Lichtbildvorträge genutzt, vielfach auch von der ÖH, bzw. zu Semesterbeginn für Studienberatung, samt aller Nebenräumen, hauptsächlich aber für die Großlehrveranstaltungen für Studierende der Rechtswissenschaften, Psychologie, Geschichte, Germanistik u.a. Fächern (auch nach dem Auszug der JuristInnen in das Juridicum 1984).

Renovierung

2005/06 erfolgte nach 70 Jahren Nutzung  eine dringend notwenige Generalsanierung: völlige Entkernung und Neugestaltung, Vergrößerung durch Abbruch zweier Lichthöfe, mediale und akkustiktechnische Adaptierung (nach dem Helmholtz-Prinzip konstruierten RESONATOR-Schlitze an den beiden Längswänden) unter Beibehaltung einer möglichst hohen Sitzplatzanzahl (750) zur Nutzungen als Veranstaltungssaal.

Zur Wiedereröffnung fand eine Ringvorlesung zum Thema "Vorlesung" (à Audiofiles) statt, die diese Ur-Lehrform der Universität nochmals kritisch reflektierte.

Proteste | Audmaxismus

Ab den 1980er Jahren war das AudiMax auch immer wieder Ort des Protestes: Versammlungen, Kundgebungen und Besetzungen (z.B. 1987, 1993(?), zuletzt 2009 für mehrere Monate). 2009 wurde der Raum sogar namensgebend für die "Audimaxismus" genannt Protestbewegung "uni brennt" und "Audimaxismus" wurde 2009 zum "Wort des Jahres". "Durch die anhaltenden Proteste sei erstmals seit langem wieder ernsthaft und umfassend über Bildung diskutiert worden", begründete die Fachjury unter der Leitung von Rudolf Muhr von der Universität Graz in Kooperation mit der Austria Presse Agentur (APA) damals ihr Urteil.