Der Arkadenhof im Hauptgebäude der Universität Wien

1884–2005

Der Arkadenhof bildet den architektonischen Mittelpunkt des Hauptgebäudes der Universität Wien. Die Planung des Architekten Heinrich von Ferstel machte ihn zum Zentrum der Kommunikationswege, welche die ihn umschließenden vier mächtigen Baugruppen verbinden: den Festsaaltrakt an der Ringstraße, den diesem gegenüberliegenden Bibliothekstrakt, und die beiden Lehrgebäude mit Hörsälen und Institutsräumen an den Längsseiten.

Ferstel und sein Berater Rudolf von Eitelberger planten nicht nur ein räumliches, sondern auch ein ideelles Herzstück für die Universität. Ihren Vorstellungen entsprechend sollte der Hof auch einen Memorialraum darstellen, der, mit Plastiken und Ehrentafeln bedeutender Mitglieder des Lehrkörpers ausgestattet, zur Ruhmeshalle der Alma Mater Rudolphina werden sollte. Durch die Verwirklichung dieses Planes in den darauf folgenden Jahrzehnten entstand ein einzigartiges Ensemble plastischer Professorenporträts.

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Vorbild der italienischen Renaissancearchitektur

Der Arkadenhof besitzt mit einer Längsausdehnung von 70 Metern und einer Breite von 45 Metern Dimensionen, die seinem intendierten monumentalen Charakter entsprechen. Über den in toskanischer Ordnung gegliederten Arkaden befinden sich im ersten Stock Rundbogenfenster mit ionischen Halbsäulen und im zweiten Stock rechteckige Fenster, die von korinthischen Halbsäulen gegliedert werden. Nach eigener Aussage orientierte sich der Architekt dabei am Vorbild des Palazzo Farnese des Antonio da Sangallo d.J. in Rom; eine detaillierte kunstgeschichtliche Analyse erkannte jedoch auch im vom berühmten Renaissance-Architekten Andrea Palladio begonnenen Konvent der Bruderschaft Santa Maria della Carità in Venedig eine stilprägende Zitatvorlage.

Der Hof sollte als Ersatz für den alten Universitätsplatz im Stubenviertel als Ort der Begegnung und der Kommunikation dienen, als Forum für Veranstaltungen und Kundgebungen. Deshalb plante Ferstel eine mit Ornamenten belebte Bepflasterung des gesamten Hofbereiches, die jedoch nicht realisiert wurde. Bei der Inbetriebnahme des Hauptgebäudes begnügte man sich zunächst mit grobem Schotter; 1888 wurde die Begrünung des Hofes im Charakter einer Parkanlage beschlossen und 1890 umgesetzt. Eine Umgestaltung des Grünraumes erfolgte im Jubiläumsjahr 1965.

Neugestaltung des Arkadenhofes

Die Planung der Neugestaltung und Renovierung des Arkadenhofes in den Jahren 2005-2006 sah zunächst vor, die ursprüngliche Idee Ferstels aufzugreifen und den ganzen Hof mit einer Pflasterung zu versehen. Dies sollte die Möglichkeit zu Veranstaltungen und Empfängen schaffen. Die Entfernung des Rasens erregte jedoch Widerstand, sodass man zu einem Kompromiss fand. Alle Hecken und der Rasen im vorderen Bereich zwischen Aula (Vestibül) und Kastalia-Brunnen wurden entfernt und mit Steinplatten ausgelegt; der hintere Bereich erhielt einen neuen Rasenteppich. Im Zuge dieser Neugestaltung wurde auch das Gefallenendenkmal („Siegfriedskopf“) aus der Aula entfernt und im Arkadenhof neu inszeniert. Die Arkadengänge wurden im Sinne Ferstels farbig gestaltet, die Deckenwölbung renoviert und alle Denkmäler gereinigt.

„Walhalla der Universität“

Zum Gestaltungskonzept Ferstels zählte nicht nur die Ausstattung der Arkadengänge mit Denkmälern berühmter Gelehrter, sondern auch die Errichtung eines monumentalen Reiterstandbildes für den Universitätsgründer Rudolf IV. im Zentrum des Hofes. Dazu kam es jedoch nicht, stattdessen wurde 1910 die Brunnenfigur der Kastalia aufgestellt. Die Ausstattung mit Denkmälern wurde hingegen schon bald nach Inbetriebnahme des Hauptgebäudes 1884 vom Akademischen Senat zum Beschluss erhoben. Das erste Denkmal, jenes für den Strafrechtsprofessor Julius Glaser, wurde bereits 1888 enthüllt. Dem folgte die Übertragung älterer Porträtskulpturen aus der Alten Universität sowie dem Allgemeinen Krankenhaus und eine regelrechte „Denkmalflut“ bis zum Ersten Weltkrieg. Bis 2002 wurden in den Arkadengängen über 150 Denkmäler errichtet.

„Der Muse reicht’s“

Die plastische Repräsentation der universitären Wissenschaft ist jedoch eine rein männliche; nur eine Inschriftentafel erinnert an die Dichterin und Ehrendoktorin Marie von Ebner-Eschenbach. Keine einzige Frau wurde für wissenschaftliche Leistungen geehrt. Mit Kunstaktionen und Interventionen im Arkadenhof wurde dieser Umstand in den letzten Jahren thematisiert: 2005 wurde vorübergehend das Denkmal für anonymisierte Wissenschaftlerinnen 1700-2005 (Elise Richter) der Künslerin Elisabeth Penker aufgestellt, und 2009 die Installation „Der Muse reicht’s“ von Iris Andraschek zur Würdigung wissenschaftlicher Leistung von Frauen an der Universität Wien realisiert. Im Jubiläumsjahr 2015 werden in der Ausstellung „Radical Busts“ 33 goldene Büsten der Künstlerin Marianne Maderna die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen von Frauen würdigen und die Geschlechterrepräsentation im Arkadenhof kritisch kontrapunktieren.

Am 30. Juni 2016 wurden erstmals sieben Denkmäler für Wissenschafterinnen im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt: für die Psychologin Charlotte Bühler, die Sozialwissenschafterin Marie Jahoda, die Physikerinnen Berta Karlik und Lise Meitner, die Archäologin Grete Mostny, die Sprachwissenschafterin Elise Richter und die Mathematikerin Olga Taussky-Todd.

Denkmalübersicht

Ausführliche Informationen zu allen Denkmälern im Arkadenhof bietet die Wiki-Plattform u:monuments.