Die Rosenburse

Studentenhaus und Stipendienstiftung mit Vorbildcharakter
15.Jhdt–17.Jhdt

„Auf Rosen gebettet“ waren die Stipendiaten der Rosenburse sicherlich nicht, doch hatten sie im Vergleich zu Studenten in anderen Studentenhäusern ein relativ komfortables Leben – gehörte die Rosenburse mit ihren zahlreichen Teilstiftungen doch zu den am besten ausgestatteten Stipendien an der Universität Wien, was sich nicht zuletzt daran ablesen lässt, dass die Zahl der Stiftplätze im Laufe der Zeit nur wenig reduziert werden musste. Erst die nach dem 1. Weltkrieg einsetzende Inflation ließ auch das Vermögen der Rosenburse weitgehend dahin schmelzen.
Die von dem bedeutenden Theologen Thomas Ebendorfer verfassten Statuten der Stiftung, die das Bursenleben bis ins kleinste Detail regelten, hatten Vorbildwirkung für die Ordnungen anderer Wiener Bursen.

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Zu den ältesten und reichsten Bursen an der Universität Wien gehörte die in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandene Rosenburse. Nach der Etablierung der Burse entstand im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts durch diverse Zustiftungen ein Konglomerat von Einzelstiftungen, die v. a. für Studenten aus den österreichischen Landen bestimmt waren.

Entstehung und Namensgebung

Das seit dem Ende des 15. Jahrhunderts als „Burse zur Roten Rose“ oder kurz „Rosenburse“ bezeichnete Studentenhaus wurde vermutlich zu Beginn des Jahrhunderts als privatwirtschaftlich geführte Burse im Haus des Fleischhauers und Ratsherren Paul Wagendrüssel (gest. um 1420/21) in der heutigen Postgasse eingerichtet. Deshalb findet sich bei der ersten urkundlichen Erwähnung anlässlich einer Visitation 1423 noch die Bezeichnung „Burse im Wagendrüssel-Haus“.
Im selben Jahr erwarben die Testamentsvollstrecker des Mediziners Ulrich Grünwalder (gest. 1419) das Gebäude, um darin nach dem Willen des Erblassers eine Studentenstiftung einzurichten. Diese für vier Studenten gedachte Stiftung wurde 1432 durch die Dotationen des österreichischen Münzmeisters Niklas Untermhimmel (gest. 1446) und des Mag. Peter Etter (gest. 1432/38) auf acht Stiftplätze aufgestockt. Eine nochmalige Stiftung Untermhimmels aus dem Jahr 1443 sowie ein Legat des Niklas Leutgeb von Korneuburg (gest. 1433) ermöglichten die Versorgung von nunmehr zwölf Studenten.
Im Andenken an den großzügigsten dieser ersten Stifter Niklas Untermhimmel findet sich teilweise auch die Bezeichnung „Burse unterm Himmel“. Letztlich setzte sich allerdings die Bezeichnung „Rosenburse“ durch. Dieser Name findet sich erstmals in den 1432 verfassten Statuten der Stiftung.

Die Statuten der Rosenburse – Vorbild für andere Bursen 

Der Verfasser der Statuten war der bekannte Theologe Thomas Ebendorfer von Haselbach. Ebendorfer war einer der Testamentsvollstrecker Grünwalders gewesen. Nach der Aufstockung der Grünwalderischen Stiftung durch Niklas Untermhimmel beschlossen die Testamentsvollstrecker die Abfassung einer Hausordnung. Die Statuten regeln die Aufnahme in die Burse und den dabei zu leistenden Eid, die Pflichten des Hausvorstehers (Provisors), den durch Studium, gemeinsame Mahlzeiten und Gottesdienste geregelten Tagesablauf sowie das allgemeine Verhalten der Stipendiaten. Übertretungen der Hausordnung wurden u. a. mit dem Entzug der Fleischportionen oder mit Geldbußen bestraft. Mit besonderen Verboten wurde das unerlaubte nächtliche Fernbleiben oder der Besuch „verrufener Orte“ (Wirtshäuser, Bordelle) belegt.
Die von Ebendorfer konzipierten Statuten sind die ältesten überlieferten Statuten einer Wiener Burse und dienten als Vorbild für andere Statuten: Die Hausordnungen der Lilienburse (1465), der Heidenburse (1484), der Ramungschen Stiftung (1493) und der Lammburse (1511) orientierten sich im Aufbau und Stil an den Statuten der Rosenburse und wurden lediglich in einzelnen Details an die Intentionen der jeweiligen Stifter angepasst.

Teilstiftungen und Bursenvermögen

Außer den „Hauptstiftungen“ Grünwalder und Untermhimmel und den bereits genannten Zustiftungen von Etter und Leutgeb kam es im Laufe des 16. und 16. Jahrhunderts zu weiteren Dotationen, aufgrund derer die Anzahl der Stiftplätze auf insgesamt 17 erhöht werden konnte. Neben den Stipendienstiftungen verwaltete die Burse zusätzlich mehrere Messstiftungen.
Durch diese Zuwendungen hatte die Rosenburse im Laufe der Zeit ein ansehnliches Vermögen erworben, das v. a. aus Grundbesitz und Renten in Wien und Niederösterreich bestand. So besaß die Burse Weingärten in Heiligenstadt, Matzleinsdorf oder Brunn am Gebirge sowie Zehenteinkünfte von Gütern in Wetzleinsdorf oder Immendorf. Der Großteil dieser Güter wurde von der Burse nicht selbst bewirtschaftet, sondern zu verschiedenen Konditionen verpachtet. Die daraus gewonnenen Einkünfte, die über die eigentlichen Stiftungserfordernisse hinausgingen, wurden erneut veranlagt.
Das Bursengebäude selbst war ebenfalls großzügig ausgestattet. Nach einem Bericht aus dem Jahr 1565 standen darin dem Provisor eine Stube, eine Kammer und eine eigene Küche zur Verfügung, während die Stipendiaten über fünf Stuben, 15 Kammern, eine Küche sowie einen Keller verfügten. Weitere drei Kammern waren an Bürger vermietet, schließlich gab es noch zwei Ställe für je vier Pferde. Für ihre Studien konnten die Stipendiaten auf die hauseigene Bibliothek zurückgreifen.

Stipendiaten, Provisor und Superintendenten

Die Stipendiaten kamen hauptsächlich aus den österreichischen Ländern (Nieder- und Oberösterreich), für einzelne Teilstiftungen gab es genauere Bestimmungen zu den Herkunftsorten. Im Laufe des 16. Jahrhunderts war die Zahl der Stiftplätze von ursprünglich acht auf 17 angewachsen; diese Zahl wurde im 18. Jahrhundert auf zehn reduziert und wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder auf 15 an.
Ein Student sollte als Provisor für die Einhaltung der Hausordnung sorgen, während die Administration und die Auswahl der Stipendiaten von insgesamt vier Superintendenten besorgt wurden.  Zwei der Superintendenten waren Mitglieder des Herzogskollegs bzw. der Universität, während die anderen beiden aus der Wiener Bürgerschaft stammten.

Die Rosenburse ab dem 17. Jahrhundert

Im Zuge der Sanctio pragmatica von 1622/23 wurde das Bursenhaus – wie viele andere Universitätsgebäude – an den Jesuitenorden übergeben. 1651 wurde es abgebrochen und an seiner Stelle das Konvikt St. Barbara errichtet. Heute erinnert nur mehr die Straßenbezeichnung „Rosenbursenstraße“ an den ungefähren Standort der Burse.
Fünf der damals 17 Stipendien wurden nach 1623 in Form von Stiftplätzen in das Jesuitenseminar St. Ignatius und Pankratius transferiert, während die übrigen als Geldstipendien ausbezahlt wurden. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurden sämtliche Stipendien als Geldstipendien weitergeführt; diese bestanden bis zur endgültigen Auflösung der Stiftung 1938.