NIG | Das Neue Institutsgebäude

1951–2015

Militärische Vorgeschichte des Bauplatzes: Korpskommando

Bei der Verbauung des ehemaligen Exerzier- und Paradeplatzes (Josefstädter Glacis) wurde das Grundstück Universitätsstraße, Ebendorferstraße, Liebiggasse und Rathausstraße vom Militär für die Errichtung des Korpskommandogebäudes reserviert. 1871–1874 wurde es nach Plänen von Carl Wilhelm Christian Ritter von Doderer errichtet und beherbergte Verwaltungsdienststellen, das Platzkommando, das Büro des Generalartillerieinspektors, das Militär-Appellationsgericht und die Wohnung des Generalstabschefs des Korps der k.u.k. Armee. Am 12. November 1918 besetzte die kommunistische „Rote Garde“ das Gebäude, das Bundesheer siedelte hier das Heeresinspektorat sowie die Brigadekommanden I und II mit dem Wiener Stadtkommandanten an.
In der NS-Zeit befand sich hier ab 1938 weiters das Stadtkommando und das Wehrkreiskommando XVII der deutschen Wehrmacht, zugleich das Festungskommando Wien und von 1938 bis1945 auch das Gericht der Wehrmachtskommandantur Wien – als Gerichts- und Kommandostandort war der Standort damit sowohl strukturell als auch geografisch ein wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk der NS-Militärjustiz. Hier wurde Major Karl Biedermann verhaftet, wegen Vorbereitung von Widerstandsaktionen zum Tode verurteilt und kurz darauf von der SS in Wien-Floridsdorf am Spitz öffentlich gehängt.
1945 war das Korpskommandogebäude zwar nur geringfügig kriegszerstört, trotzdem wurde es Ende der 1950er Jahre demoliert.

Vorgeschichte geplanten Bibliotheksneubau mit Universitätsforum

Beim Abriss dürften mehrere Begehrlichkeiten nach der ideal gelegenen Immobilie mitgespielt haben: Die Universität gewann das Rennen um das Grundstück gegen die Konkurrenten Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB)  und das Heeresamt, um hier das lange geplante zentrale Universitätsbibliotheksgebäude zu errichten und mit dem Auszug der Universitätsbibliothek aus dem Hauptgebäude die eklatanten Platzprobleme in den Büchermagazinen wie auch die drückenden Raumprobleme der einzelnen Institute im Universitätsbau zu entschärfen. 1950 folgte der Zusage und ein Architekturwettbewerb für den Bibliotheksneubau in der Universitätsstraße 7, ein Entwurf der Architekten Alfred Dreier (1920–1987) und Otto Nobis (1914–2000) prämiert: Der Eingang in den Bibliotheksbau war in der Liebiggasse vorgesehen, vis a vis dem Eingang zum Alten Institutsgebäude. Die Liebiggasse wäre bis zur Rückseite der Universität eine Fußgängerzone geworden – ein kleines "Universitätsforum" sollte hinter der Universität entstehen. Doch der geplante Baubeginn zog sich über Jahre hin, bis schließlich 1955 die ebenso platzgeplagte Philosophische Fakultät beim Bundesministerium eine Umwidmung des Bauplatzes zu ihren Gunsten durchsetzen konnte (August 1955) und schließlich 1956–1962 der Bau des Institutsgebäudes anstelle der Universitätsbibliothek (UB)  dort errichtet wurde (und für die ebenfalls stets wachsende UB wurden 1964–1969 die teilweise frei werdenden Räume im Hauptgebäude umgebaut, u.a. die prunkvolle Bibliotheksstiege – Stiege XII – als Magazinraum verbaut)..

Das Neue Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7 – erster Universitätsbau der II. Republik

Das 1962 eröffnete und noch heute so genannte „Neue Institutsgebäude“ (NIG) der Universität Wien wurde von den selben Architekten errichtet, die ursprünglich den Wettbewerb für den Bibliotheksbau an dieser Stelle gewonnen hatten. Es war der erste große Universitätsneubau nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich. Auf neun Stockwerken mit insg. 21.500 m² sind die 16 (vornehmlich) geisteswissenschaftlichen Institute der damaligen großen Philosophischen Fakultät um einen zentralen Lichthof gruppiert und boten mit 14 Hörsälen – die drei größten im Kellergeschoß (Hörsaal I mit 333 m² für 396 Personen, Hörsaal II und III mit je 120 m² für 120 Personen) – eine merklich verbesserte Lehrsituation für die rasch anwachsende Zahl von Studierenden, wie auch für die WissenschafterInnen. Die Fassadengestaltung entwarf der damalige Bundesminister für Handel und Wiederaufbau Fritz Bock, der sich für die zügige Realisierung dieses Bauvorhabens sehr einsetzte.

Mensa und Paternoster

Zwei zentrale Einrichtungen befanden sich darüber hinaus im Gebäude: im Keller das neu errichtete zentrale Rechenzentrum der Universität und im letzten Obergeschoß eine Mensa, in der man auch die Terrasse nutzen konnte. Erschlossen wurde das Haus – ein Spezifikum des NIG – durch einen "Paternoster", einen offenen Umlaufaufzug, der Hungrige gemächlich bis hinauf in die Mensa im 7. Stock transportierte.

Das vertraute Knacksen des Holzes und das Knirschen der Ketten des offenen Paternosters, der seine Runden drehte, kann man seit Juli 2007 im Foyer des Neuen Institutsgebäudes nicht mehr hören, da er demontiert und durch einen klassischen Lift ersetzt wurde (Teile des Paternosters befinden sich heute im Technischen Museum, an der TU Wien und im deutschen Aufzugsmuseum). Während man früher also die Möglichkeit hatte, jederzeit zuzusteigen – und so im Grunde schneller ans Ziel zu kommen –, muss man sich nun einige Zeit gedulden, bis der Lift wieder da ist.

Nutzung und Renovierung

Durch die dynamische Entwicklung der ehemaligen Philosophischen Fakultät und die Errichtung weiterer Universitätsareale war das NIG sehr stark von Umsiedlungen betroffen, was rasch deutliche Spuren hinterließ. Besonders nach der Eröffnung des II. Universitätszentrums (UZA  II) in der Althanstraße 1995 und der Eröffnung des Universitätscampus Wien 1997/98 im Alten AKH wurde das dadurch frei werdende NIG zum Zentrum der damaligen Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät.
Notwendige Adaptierungen waren aber damals nicht unmittelbar finanzierbar, es folgte teilweise Leerstand bis sich die BIG im März 1998 bereit erklärte, die rund 1,8 Millionen Euro teure Adaptierung zu übernehmen, die 2003 abgeschlossen wurde. Der Adaptierung lagen Pläne von Architekt Laurids Ortner zugrunde. Derzeit sind im NIG unter anderem sechs Institute (Kultur- und Sozialanthropologie; Bildungswissenschaft; Geographie und Regionalforschung; Philosophie; Politikwissenschaft; Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation) untergebracht.

Renovierung 2003 | Kunstintervention Eva Schlegel

Im Zuge der Renovierung erfolgte auch die Verglasung der bis dahin offenen Balkone und von der Eigentümerin BIG wurde eine permanente Kunstintervention von Eva Schlegel (geb. 1960) integriert (Schrift auf Glas im Innen- und Außenraum des Gebäudes). Während der Renovierung war von ihr auch im Rahmen von BIG Art eine temporäre Intervention an der Fassade zu sehen.

Militärische Vorgeschichte des Bauplatzes: Korpskommando

Bei der Verbauung des ehemaligen Exerzier- und Paradeplatzes (Josefstädter Glacis) wurde das Grundstück Universitätsstraße, Ebendorferstraße, Liebiggasse und Rathausstraße vom Militär für die Errichtung des Korpskommandogebäudes reserviert. 1871–1874 wurde es nach Plänen von Carl Wilhelm Christian Ritter von Doderer errichtet und beherbergte Verwaltungsdienststellen, das Platzkommando, das Büro des Generalartillerieinspektors, das Militär-Appellationsgericht und die Wohnung des Generalstabschefs des Korps der k.u.k. Armee. Am 12. November 1918 besetzte die kommunistische „Rote Garde“ das Gebäude, das Bundesheer siedelte hier das Heeresinspektorat sowie die Brigadekommanden I und II mit dem Wiener Stadtkommandanten an.
In der NS-Zeit befand sich hier ab 1938 weiters das Stadtkommando und das Wehrkreiskommando XVII der deutschen Wehrmacht, zugleich das Festungskommando Wien und von 1938 bis1945 auch das Gericht der Wehrmachtskommandantur Wien – als Gerichts- und Kommandostandort war der Standort damit sowohl strukturell als auch geografisch ein wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk der NS-Militärjustiz. Hier wurde Major Karl Biedermann verhaftet, wegen Vorbereitung von Widerstandsaktionen zum Tode verurteilt und kurz darauf von der SS in Wien-Floridsdorf am Spitz öffentlich gehängt.
1945 war das Korpskommandogebäude zwar nur geringfügig kriegszerstört, trotzdem wurde es Ende der 1950er Jahre demoliert.

Vorgeschichte geplanten Bibliotheksneubau mit Universitätsforum

Beim Abriss dürften mehrere Begehrlichkeiten nach der ideal gelegenen Immobilie mitgespielt haben: Die Universität gewann das Rennen um das Grundstück gegen die Konkurrenten Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB)  und das Heeresamt, um hier das lange geplante zentrale Universitätsbibliotheksgebäude zu errichten und mit dem Auszug der Universitätsbibliothek aus dem Hauptgebäude die eklatanten Platzprobleme in den Büchermagazinen wie auch die drückenden Raumprobleme der einzelnen Institute im Universitätsbau zu entschärfen. 1950 folgte der Zusage und ein Architekturwettbewerb für den Bibliotheksneubau in der Universitätsstraße 7, ein Entwurf der Architekten Alfred Dreier (1920–1987) und Otto Nobis (1914–2000) prämiert: Der Eingang in den Bibliotheksbau war in der Liebiggasse vorgesehen, vis a vis dem Eingang zum Alten Institutsgebäude. Die Liebiggasse wäre bis zur Rückseite der Universität eine Fußgängerzone geworden – ein kleines "Universitätsforum" sollte hinter der Universität entstehen. Doch der geplante Baubeginn zog sich über Jahre hin, bis schließlich 1955 die ebenso platzgeplagte Philosophische Fakultät beim Bundesministerium eine Umwidmung des Bauplatzes zu ihren Gunsten durchsetzen konnte (August 1955) und schließlich 1956–1962 der Bau des Institutsgebäudes anstelle der Universitätsbibliothek (UB)  dort errichtet wurde (und für die ebenfalls stets wachsende UB wurden 1964–1969 die teilweise frei werdenden Räume im Hauptgebäude umgebaut, u.a. die prunkvolle Bibliotheksstiege – Stiege XII – als Magazinraum verbaut)..

Das Neue Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7 – erster Universitätsbau der II. Republik

Das 1962 eröffnete und noch heute so genannte „Neue Institutsgebäude“ (NIG) der Universität Wien wurde von den selben Architekten errichtet, die ursprünglich den Wettbewerb für den Bibliotheksbau an dieser Stelle gewonnen hatten. Es war der erste große Universitätsneubau nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich. Auf neun Stockwerken mit insg. 21.500 m² sind die 16 (vornehmlich) geisteswissenschaftlichen Institute der damaligen großen Philosophischen Fakultät um einen zentralen Lichthof gruppiert und boten mit 14 Hörsälen – die drei größten im Kellergeschoß (Hörsaal I mit 333 m² für 396 Personen, Hörsaal II und III mit je 120 m² für 120 Personen) – eine merklich verbesserte Lehrsituation für die rasch anwachsende Zahl von Studierenden, wie auch für die WissenschafterInnen. Die Fassadengestaltung entwarf der damalige Bundesminister für Handel und Wiederaufbau Fritz Bock, der sich für die zügige Realisierung dieses Bauvorhabens sehr einsetzte.

Mensa und Paternoster

Zwei zentrale Einrichtungen befanden sich darüber hinaus im Gebäude: im Keller das neu errichtete zentrale Rechenzentrum der Universität und im letzten Obergeschoß eine Mensa, in der man auch die Terrasse nutzen konnte. Erschlossen wurde das Haus – ein Spezifikum des NIG – durch einen "Paternoster", einen offenen Umlaufaufzug, der Hungrige gemächlich bis hinauf in die Mensa im 7. Stock transportierte.

Das vertraute Knacksen des Holzes und das Knirschen der Ketten des offenen Paternosters, der seine Runden drehte, kann man seit Juli 2007 im Foyer des Neuen Institutsgebäudes nicht mehr hören, da er demontiert und durch einen klassischen Lift ersetzt wurde (Teile des Paternosters befinden sich heute im Technischen Museum, an der TU Wien und im deutschen Aufzugsmuseum). Während man früher also die Möglichkeit hatte, jederzeit zuzusteigen – und so im Grunde schneller ans Ziel zu kommen –, muss man sich nun einige Zeit gedulden, bis der Lift wieder da ist.

Nutzung und Renovierung

Durch die dynamische Entwicklung der ehemaligen Philosophischen Fakultät und die Errichtung weiterer Universitätsareale war das NIG sehr stark von Umsiedlungen betroffen, was rasch deutliche Spuren hinterließ. Besonders nach der Eröffnung des II. Universitätszentrums (UZA  II) in der Althanstraße 1995 und der Eröffnung des Universitätscampus Wien 1997/98 im Alten AKH wurde das dadurch frei werdende NIG zum Zentrum der damaligen Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät.
Notwendige Adaptierungen waren aber damals nicht unmittelbar finanzierbar, es folgte teilweise Leerstand bis sich die BIG im März 1998 bereit erklärte, die rund 1,8 Millionen Euro teure Adaptierung zu übernehmen, die 2003 abgeschlossen wurde. Der Adaptierung lagen Pläne von Architekt Laurids Ortner zugrunde. Derzeit sind im NIG unter anderem sechs Institute (Kultur- und Sozialanthropologie; Bildungswissenschaft; Geographie und Regionalforschung; Philosophie; Politikwissenschaft; Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation) untergebracht.

Renovierung 2003 | Kunstintervention Eva Schlegel

Im Zuge der Renovierung erfolgte auch die Verglasung der bis dahin offenen Balkone und von der Eigentümerin BIG wurde eine permanente Kunstintervention von Eva Schlegel (geb. 1960) integriert (Schrift auf Glas im Innen- und Außenraum des Gebäudes). Während der Renovierung war von ihr auch im Rahmen von BIG Art eine temporäre Intervention an der Fassade zu sehen.

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am : 19.01.2017 - 00:47

Ja