Von der Geologie zur Wiener Hochquellenleitung

1883–21.Jhdt

„In menschlichen Dingen wie in der physischen Welt ist die Gegenwart nur ein Querschnitt; die Zukunft, welche jenseits des Querschnitts liegt, sehen wir nicht, aber aus der Vergangenheit mögen wir lernen. Dieses ist die Bedeutung der Erdgeschichte für die Erdbeschreibung.“
Eduard Suess

Eduard Suess, einer der wichtigsten Geologen des 19. Jahrhunderts, prägte unsere Sicht der Urgeschichte der Erde. Als Wissenschaftler und Politiker setzte sich Suess für den Bau der Wiener Hochquellenwasserleitung und für die Donauregulierung ein.

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Eduard Suess, Geologe

Suess (1831–1914) war Professor für Geologie und Rektor an der Universität Wien. In Wien gab er als Politiker wesentliche Impulse für die Wasserversorgung und Donauregulierung.

Suess wurde in London geboren, wuchs aber in Prag und Wien auf. In Wien war Suess Assistent am „Hofmuseum“, dem späteren Naturhistorischen Museum. 1857 wurde er aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen (ohne Promotion und Habilitation) vom Kaiser an der Universität Wien zum Professor für Paläontologie und 1862 zum Professor für Geologie ernannt. Er erwarb sich früh den Ruf eines weltweit führenden Experten des tektonischen Baus der Alpen und ihrer Entstehung. Suess war auch als Politiker sehr aktiv. Er war ein liberaler Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag und saß im Wiener Gemeinderat. In diesen Funktionen setzte er sich für den Bau der I. Wiener Hochquellenleitung ein, die 1873 eröffnet wurde. Suess wirkte auch an der ersten Wiener Donauregulierung mit, die zwischen 1870 und 1875 durch die Schaffung eines Überschwemmungsgebiets realisiert wurde. 1888 wurde Suess Rektor der Universität Wien. Er resignierte bereits ein Jahr später infolge antisemitischer Anfeindungen.

1883 bis 1909

In seinem umfangreichen Werk setzte sich Suess mit der geologischen Struktur der Erde auseinander und gab eine genaue Beschreibung der paläontologischen Entwicklung der Erde. Dieses Hauptwerk von Suess wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Durch sein Studium der geologischen Spuren von Pflanzen vertrat Suess die Ansicht, dass die Kontinente früher verbunden sein mussten. Den Urkontinent, der Amerika, Afrika und Indien verband, nannte Suess „Gondwana“. Dieser Name hat sich bis heute in der Fachliteratur erhalten.

Obwohl Suess damals schon die falsche Theorie des Vulkanismus als Erklärung für die Hebung und Senkung der Erdmassen ablehnte, vertrat er noch nicht die Idee einer Verschiebung der Kontinente. Man nahm zur Zeit von Suess an, dass die Kontinente durch Landbrücken verbunden waren, Suess vertrat aber die Ansicht, dass sie durch breite Landmassen verbunden waren, die später in den Ozeanen versunken sind. Die Theorie einer Verschiebung der Kontinente wurde erst durch Alfred Wegener, einen Geologen an der Universität Graz, zur Standardauffassung.

Der Wert und die Wirkung seiner Forschungsarbeit und Entdeckungen

Eduard Suess nahm an, dass die verschiedenen Kontinente ursprünglich verbunden waren. Den Urkontinent nannte er 1861 „Gondwana“ und den Urozean neben diesem Kontinent „Thetys“. Auch heute noch nennt man den Urkontinent, der vor 500 Millionen Jahren existierte, Gondwana. Suess hatte entdeckt, dass die Gattung Glossopteris, ein Samenfarn, zur Zeit des Perm auf den großen Kontinenten der südlichen Hemisphäre ubiquitär vorkam. Diese Kontinente mussten daher ursprünglich untereinander verbunden sein.

Als politisch aktiver Wissenschaftler beriet Suess die erste Regulierung der Donau in Wien, die zwischen 1870 und 1875 stattfand. Zwischen 1830 und 1862 gab es eine Reihe von verheerenden Überschwemmungen in Wien. Man plante deshalb die verstreuten Donauarme in einen großen Strom zu fassen und legte neben dem Fluss ein Überschwemmungsgebiet an. 1875 begann die Donau in ihrem regulierten Bett zu fließen. Auch zum Bau der I. Wiener Hochquellenleitung kamen von Suess wesentliche Impulse. 1862 hatte der Wiener Gemeinderat eine „Wasserversorgungskommission“ gebildet, die den Wassermangel in der stark wachsenden Großstadt beheben sollte. Als Mitglied der Kommission verfasste Suess den „Bericht über die Erhebungen der Wasserversorgungs-Commission des Gemeinderathes der Stadt Wien“. Dieser schlug vor, das Wasser aus den niederösterreichischen Orten Kaiserbrunn,
Stixenstein und Alta nach Wien zu leiten. 1873 wurde der Bau der Leitung dann abgeschlossen.

„Eduard Suess gilt mit Recht als Vater der österreichischen Geologie – er war weltweit einer der ersten, der ein globales geologisches Gesamtbild gezeichnet hat.“
Christian Köberl, Professor für Impaktforschung und planetare Geologie an der Universität Wien

Christoph Limbeck-Lilienau, Dieter Schweizer

Zuletzt aktualisiert am : 19.03.2017 - 11:38

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