Von der Serologie zur Bluttransfusion

1901–21.Jhdt

„Endlich sei noch erwähnt, dass die angeführten Beobachtungen die wechselnden Folgen therapeutischer Menschenbluttransfusionen zu erklären gestatten.“
Letzter Satz aus Karl Landsteiners bahnbrechender Arbeit über Blutgruppen, für die er 1930 den Nobelpreis erhielt.

Karl Landsteiner entdeckte 1901 die Blutgruppen. Die Bluttransfusion wurde dadurch zu einer gängigen therapeutischen Maßnahme. Die Bluttransfusion reduzierte massiv die Sterberate bei chirurgischen Operationen und rettet jährlich das Leben von Millionen Menschen.

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Karl Landsteiner, Mediziner

Karl Landsteiner (1868–1943) war ein österreichischer Pathologe und Serologe, der 1901 an der Universität Wien das AB0-System der Blutgruppen entdeckte. Dafür erhielt er 1930 den Nobelpreis für Medizin. Von 1922 bis zu seinem Tode arbeitete der begnadete Experimentator und leidenschaftliche Forscher am Rockefeller-Institut in New York.

Karl Landsteiner wurde in Baden bei Wien geboren. Nach seiner Matura begann er 1885 an der Universität Wien ein Studium der Medizin, dass er 1891 mit seiner Promotion abschloss. Nach einigen Jahren in Deutschland und der Schweiz kehrte er 1896 als Assistent an die Universität Wien zurück und arbeitete ab 1898 am Pathologisch-Anatomischen Institut der Universität. In einer berühmten Fußnote aus dem Jahr 1900 deutete Landsteiner die Ursache der Blutagglutination an. Ein Jahr später erklärte er diese dann durch unterschiedliche Blutgruppen. Diese Entdeckung der Blutgruppen, sowie seine Forschungen zu Antigenen und Antikörpern revolutionierten die Medizin seiner Zeit. 1911 wurde Landsteiner zum außerordentlichen Professor der Medizin an der Universität Wien ernannt.

Nach dem Ersten Weltkrieg, 1919, verließ er Österreich und nahm eine Stelle an einem katholischen Spital in Den Haag an. 1922 ging er an das Rockefeller Institute for Medical Research in New York. Dort erhielt er 1930 für seine Entdeckung der Blutgruppen den Nobelpreis. Nach seiner Pensionierung und nach über 300 wissenschaftlichen Publikationen entdeckte Landsteiner noch 1941 den Rhesusfaktor. Seine letzten Arbeiten widmete er der Onkologie, da er das Leben seiner krebskranken Frau retten wollte.

1901

In der fünfseitigen Arbeit, für die er den Nobelpreis erhielt, bewies Landsteiner, dass bestimmte Mischungen des Blutes verschiedener Personen eine Verklumpung bewirken. Er schloss daraus, dass das Blut in verschiedene Blutgruppen eingeteilt werden muss. Landsteiner nahm drei Blutgruppen an und entdeckte somit das AB0-System der Blutgruppen:

„In einer Anzahl von Fällen (Gruppe A) reagiert das Serum auf die Körperchen einer anderen Gruppe (B), nicht aber auf die der Gruppe A, während wieder die Körperchen A vom Serum B in gleicher Weise beeinflusst werden. In der dritten Gruppe (C) agglutinirt das Serum die Körperchen von A und B, während die Körperchen C durch die Sera von A und B nicht beeinflusst werden“, so Landsteiner in seiner Arbeit.

Ein Jahr nach dieser Entdeckung wurde eine vierte Blutgruppe gefunden (AB). Wenig später konnte Landsteiner auch einen Test entwickeln, um die verschiedenen Blutgruppen zu unterscheiden. Landsteiner wies auch nach, dass die Antigene der Blutzellen erklären, warum Bluttransfusionen sehr unterschiedliche Auswirkungen hatten.

Der Wert und die Wirkung seiner Entdeckung

Jahrhundertelang glaubte man Menschen durch Aderlass heilen zu können, mit kläglichen Ergebnissen. Sogar der österreichische Kaiser Leopold II. wurde 1792 durch diese Technik frühzeitiger ins Grab gebracht. 1829 hatte ein britischer Mediziner erstmals eine Bluttransfusion zwischen zwei Menschen unternommen, um dadurch einen Blutverlust zu kompensieren. Aber auch diese therapeutische Maßnahme zeigte teils dramatische Auswirkungen. Durch die Unverträglichkeit unterschiedlicher Blutgruppen entstanden nach der Transfusion oft heftige Abwehrreaktionen, die bis zum Tode führen konnten.

Erst durch Landsteiners Entdeckung konnte man diese Gefahr bändigen. Die Bluttransfusion wurde zu einem Mittel, um dem Blutverlust, zum Beispiel bei Operationen, entgegenzuwirken. Nach der Entdeckung Landsteiners dauerte es aber noch einige Jahre, bis man das menschliche Blut konservieren konnte. Um den Ersten Weltkrieg wurden dann lebensrettende Bluttransfusionen gängig. Lange Operationen mit einem hohen Blutverlust wurden durch die Transfusion viel weniger riskant. Heute werden jährlich 108 Millionen Blutspenden empfangen und die Transfusion gehört zu den häufigsten Eingriffen in Spitälern. Millionen Leben werden jährlich dadurch gerettet.

„Der Ausnahme-Immunologe Karl Landsteiner hat Medizingeschichte geschrieben. Sein Forscherdrang hat ihn bis zu seinem Tod angetrieben. Wir verdanken ihm die Entdeckung der Blutgruppen und des Rhesusfaktors, sowie die Benennung der Haptene. Sein Werk hat unzählige Leben gerettet. Aus heutiger Sicht war er ein Wegbereiter der Molekularmedizin.“
Giulio Superti-Furga, wissenschaftlicher Direktor des CeMM, Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Christoph Limbeck-Lilienau, Dieter Schweizer

Zuletzt aktualisiert am : 19.03.2017 - 11:38

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