Lammburse („Bursa Agni“)

1447–1623

Hueber/Perger 1985: HNr. 1121

Teil des Areals der Universitätskirche (1010 Wien, Ignaz Seipel-Platz, Schönlaterngasse)

Die Lammburse entstand in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts als privatwirtschaftlich geführtes Studentenhaus im Haus des Wiener Bürgers Kristan Pfanzagl (gest. 1429). Für 1447 ist erstmals ein Konventor (von der Artistenfakultät bestellter Leiter der Burse) bezeugt. Die Burse wurde zunächst nach dem früheren Hausbesitzer "domus Phanczagel" und ab 1472 nach dem Konventor Johannes Sprenger (Konventor 1457-1460) als "Bursa Sprenger" bezeichnet. Der Name "Lammburse" (Bursa Agni) ist erstmals 1489 belegt.
Die ersten Jahre der Burse gestalteten sich äußerst wechselhaft: So erhielt Mag. Bernhard Schleicher, der seit 1476 der Besitzer des Hauses war, erst nach einer langwierigen Auseinandersetzung mit der Artistenfakultät die Leitung des Hauses übertragen, da ihn die Fakultät für diese Aufgabe als nicht geeignet erachtete. Schleicher führte die Burse als reines Wirtschaftsunternehmen: U. a. betrieb er dort eine Weinausschank, die auch für Stadtbewohner zugänglich war. Wegen dieser und anderer Verstösse gegen die von der Fakultät erteilten Auflagen wurde die Burse 1481 geschlossen; 1487 verkaufte Schleicher das Haus an die Stiftung des Kristof Ötzesdorfer. Damit wurde aus der vorwiegend privatwirtschaftlich finanzierten Burse eine "Stiftungsburse", die sich aus den Erträgen einer Stipendienstiftung finanzierte, wenngleich weiterhin Plätze an zahlende Studenten vergeben wurden. Im Laufe der Zeit wurden weitere Stiftungen der Burse inkorporiert, wie beispielsweise die Stiftung des Wiener Bürgers Hans Sarger (auch Sorger). Für die Stipendiaten dieser Stiftung verfassten die Superintendenten 1511 Statuten nach dem Vorbild der Statuten der Rosenburse. Die Statuten, die ursprünglich nur für die Sarger-Stiftung konzipiert waren, wurden allmählich auch für die übrigen Bursenbewohner verpflichtend. Weitere in der Lammburse angesiedelte Stiftungen waren die Bricci-Ramungsche Stiftung, die Perlachische, die Kilber[-Villinische], die Mayzenische Stiftung sowie die Fabristiftung. Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert wurde die Burse mit der benachbarten Bruckburse (Bursa Pontis) zusammengelegt, so dass sich vielfach die Bezeichnung "Bursa Agni et Pontis" findet. Das Bursengebäude in der "hinteren Bäckerstraße", das bis zum "Gäßlein, das zum Heiligenkreuzerhof geht" reichte, wurde 1623 mit anderen Universitätsgebäuden an die Jesuiten übergeben und für den Bau der Jesuitenkirche am heutigen Dr. Ignaz Seipel-Platz abgerissen. Die Lammburse wurde als Geldstipendium weitergeführt.

Hueber/Perger 1985: HNr. 1121

Teil des Areals der Universitätskirche (1010 Wien, Ignaz Seipel-Platz, Schönlaterngasse)

Die Lammburse entstand in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts als privatwirtschaftlich geführtes Studentenhaus im Haus des Wiener Bürgers Kristan Pfanzagl (gest. 1429). Für 1447 ist erstmals ein Konventor (von der Artistenfakultät bestellter Leiter der Burse) bezeugt. Die Burse wurde zunächst nach dem früheren Hausbesitzer "domus Phanczagel" und ab 1472 nach dem Konventor Johannes Sprenger (Konventor 1457-1460) als "Bursa Sprenger" bezeichnet. Der Name "Lammburse" (Bursa Agni) ist erstmals 1489 belegt.
Die ersten Jahre der Burse gestalteten sich äußerst wechselhaft: So erhielt Mag. Bernhard Schleicher, der seit 1476 der Besitzer des Hauses war, erst nach einer langwierigen Auseinandersetzung mit der Artistenfakultät die Leitung des Hauses übertragen, da ihn die Fakultät für diese Aufgabe als nicht geeignet erachtete. Schleicher führte die Burse als reines Wirtschaftsunternehmen: U. a. betrieb er dort eine Weinausschank, die auch für Stadtbewohner zugänglich war. Wegen dieser und anderer Verstösse gegen die von der Fakultät erteilten Auflagen wurde die Burse 1481 geschlossen; 1487 verkaufte Schleicher das Haus an die Stiftung des Kristof Ötzesdorfer. Damit wurde aus der vorwiegend privatwirtschaftlich finanzierten Burse eine "Stiftungsburse", die sich aus den Erträgen einer Stipendienstiftung finanzierte, wenngleich weiterhin Plätze an zahlende Studenten vergeben wurden. Im Laufe der Zeit wurden weitere Stiftungen der Burse inkorporiert, wie beispielsweise die Stiftung des Wiener Bürgers Hans Sarger (auch Sorger). Für die Stipendiaten dieser Stiftung verfassten die Superintendenten 1511 Statuten nach dem Vorbild der Statuten der Rosenburse. Die Statuten, die ursprünglich nur für die Sarger-Stiftung konzipiert waren, wurden allmählich auch für die übrigen Bursenbewohner verpflichtend. Weitere in der Lammburse angesiedelte Stiftungen waren die Bricci-Ramungsche Stiftung, die Perlachische, die Kilber[-Villinische], die Mayzenische Stiftung sowie die Fabristiftung. Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert wurde die Burse mit der benachbarten Bruckburse (Bursa Pontis) zusammengelegt, so dass sich vielfach die Bezeichnung "Bursa Agni et Pontis" findet. Das Bursengebäude in der "hinteren Bäckerstraße", das bis zum "Gäßlein, das zum Heiligenkreuzerhof geht" reichte, wurde 1623 mit anderen Universitätsgebäuden an die Jesuiten übergeben und für den Bau der Jesuitenkirche am heutigen Dr. Ignaz Seipel-Platz abgerissen. Die Lammburse wurde als Geldstipendium weitergeführt.

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    Originalplan Nr. AUA 8549 von Richard Perger Friedmund Hueber im Archiv der Universität Wien. Der Plan zeigt das Stadtviertel beim Stubentor mit der...

    BestandgeberIn: Archiv der Universität Wien UrheberIn: Friedmund Hueber, Richard Perger Signatur: 109.3.2

48.2087917, 16.3774295

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