Lilienburse

1465–1628

1465-1628

Hueber/Perger 1985: HNr. 1137

1010 Wien, Postgasse 11

Um 1450/57 errichtete der Passauer Domherr Burkhard Krebs eine Stipendienstiftung für zehn aus Württemberg und Schwaben stammende Studenten. Diese Stiftung erwarb 1465 ein Haus "bei den Predigern gegenüber der Hohen Schule" [heute etwa Postgasse 11]. In diesem Haus war bereits um 1458 eine Burse eingerichtet, die nach einem früheren Hauseigentümer als "Ötzesdorfer Burse" bezeichnet wurde. Nach dem Kauf des Gebäudes wurden für die Stipendiaten der Stiftung des Burkhard Krebs Statuten nach dem Vorbild der Rosenburse verfasst. In den Statuten wird die Burse "Lilienburse" oder "bursa Lilii" genannt; diese Bezeichnung geht auf das Stift Lilienfeld zurück, dem das Haus früher gehörte.
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts erfolgten noch einige kleinere Zustiftungen. Diese Kapitalien lagen meist als "Burgrecht" (Form eines Leihegeschäfts, durch das der Geldgeber das Recht auf eine regelmässige Rentenzahlung erwirbt; die Sicherstellung erfolgt durch die Liegenschaft, auf die das Burgrecht eingetragen ist) auf Wiener Häusern. Im Gegensatz dazu war das von Burkhard Krebs gewidmete Kapital bei den Städten Nördlingen und Dinkelsbühl veranlagt. 1491 kaufte Graf Eberhard von Württemberg diese Rentenzahlungen und versuchte das Kapital, auf die neugegründete Universität Tübingen umzuwidmen. Dies zog eine langwierige Auseinandersetzung zwischen den Herzögen von Württemberg (1495 wurde Württemberg zum Herzogtum erhoben) und der Universität Wien nach sich, die die Hochschule - auch dank der Unterstützung des Kaisers - letztlich für sich entscheiden konnte.
Das Haus wurde 1628 an das Kollegium des Peter Pazmany verkauft; die Stiftung selbst blieb als Geldstipendium erhalten. Die Zahl der Stiftplätze wurde allerdings im Laufe der Zeit reduziert: 1755 wurden drei Stipendien, im 19. Jahrhundert zwei Stipendien vergeben.

1465-1628

Hueber/Perger 1985: HNr. 1137

1010 Wien, Postgasse 11

Um 1450/57 errichtete der Passauer Domherr Burkhard Krebs eine Stipendienstiftung für zehn aus Württemberg und Schwaben stammende Studenten. Diese Stiftung erwarb 1465 ein Haus "bei den Predigern gegenüber der Hohen Schule" [heute etwa Postgasse 11]. In diesem Haus war bereits um 1458 eine Burse eingerichtet, die nach einem früheren Hauseigentümer als "Ötzesdorfer Burse" bezeichnet wurde. Nach dem Kauf des Gebäudes wurden für die Stipendiaten der Stiftung des Burkhard Krebs Statuten nach dem Vorbild der Rosenburse verfasst. In den Statuten wird die Burse "Lilienburse" oder "bursa Lilii" genannt; diese Bezeichnung geht auf das Stift Lilienfeld zurück, dem das Haus früher gehörte.
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts erfolgten noch einige kleinere Zustiftungen. Diese Kapitalien lagen meist als "Burgrecht" (Form eines Leihegeschäfts, durch das der Geldgeber das Recht auf eine regelmässige Rentenzahlung erwirbt; die Sicherstellung erfolgt durch die Liegenschaft, auf die das Burgrecht eingetragen ist) auf Wiener Häusern. Im Gegensatz dazu war das von Burkhard Krebs gewidmete Kapital bei den Städten Nördlingen und Dinkelsbühl veranlagt. 1491 kaufte Graf Eberhard von Württemberg diese Rentenzahlungen und versuchte das Kapital, auf die neugegründete Universität Tübingen umzuwidmen. Dies zog eine langwierige Auseinandersetzung zwischen den Herzögen von Württemberg (1495 wurde Württemberg zum Herzogtum erhoben) und der Universität Wien nach sich, die die Hochschule - auch dank der Unterstützung des Kaisers - letztlich für sich entscheiden konnte.
Das Haus wurde 1628 an das Kollegium des Peter Pazmany verkauft; die Stiftung selbst blieb als Geldstipendium erhalten. Die Zahl der Stiftplätze wurde allerdings im Laufe der Zeit reduziert: 1755 wurden drei Stipendien, im 19. Jahrhundert zwei Stipendien vergeben.

  • Die mittelalterlichen Universitätsgebäude und Bursen in Wien

    Originalplan Nr. AUA 8549 von Richard Perger Friedmund Hueber im Archiv der Universität Wien. Der Plan zeigt das Stadtviertel beim Stubentor mit der...

    BestandgeberIn: Archiv der Universität Wien UrheberIn: Friedmund Hueber, Richard Perger Signatur: 109.3.2

48.2094214, 16.3788468

Verwandte Inhalte