Alfred Robert Bader, Dr.

28.4.1924
geb. in Wien

Chemiker, Kunstsammler und Mäzen

Chemiker, Kunstsammler und Mäzen

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
EhrenbürgerIn civ.h.c. 1994/95
Ehrendoktorat Dr. phil. h.c. 2012/13 Fakultät für Chemie

Alfred Robert Bader wurde am 28. April 1924 in Wien geboren. Der Vaters, der einer jüdischen Familie aus Tschechien entstammte, starb und Alfred Bader wurde von seiner Tante Gisela adoptiert und wuchs bei ihr in Wien auf. In Wien besuchte er ab 1934 das Gymnasium. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 emigrierte er am 10. Dezember desselben Jahres mithilfe eines Kinder­transports nach Groß­britannien. Seine Tante Gisela wurde in Theresienstadt ermordet, seine Mutter, die einer ka­tho­lischen Adelsfamilie aus Ungarn entstammte, starb 1948 an den Folgen eines Schlaganfalls. Alfred Bader lebte in Brighton bei einer Gastfamilie und besuchte bald das Brighton Technical College. Im Mai 1940 wurde er wie alle anderen männlichen Deutschen und Österreicher als „enemy alien“ interniert und wenig später in ein kanadisches Internierungslager transportiert, wo er eine intern organisierte Schule besuchte. 1941 nahm er an der Queen’s University in Kingston, Ontario, ein Studium der Technischen Chemie auf, das er 1945 mit dem akademischen Grad eines B.Sc. abschloss. 1946 erhielt er den B.A. in Geschichte und im Folgejahr den M.Sc. in Chemie. Während seines Studiums in Kanada arbeitete er von 1943 bis 1947 als Chemiker in der Murphy Paint Company (Lacke, Beschichtungen und Farben) in Montreal. Mithilfe eines Stipendiums setzte Alfred Bader sein Studium ab 1947 in den USA fort und erhielt den Ph.D. in organischer Chemie 1950 an der Harvard Uni­versity bei Prof. Louis Fieser. Anschließend arbeitete Bader in der chemischen Industrie, war bis 1954 bei der Pittsburgh Plate Glass Co., Milwaukee, als Forschungs­chemiker bzw. Forschungsleiter für or­ga­nische Chemie angestellt. Mit Baders Hilfe spezialisierte sich das Labor auf neue Monomere, die aus billigen Ausgangsstoffen hergestellt wurden. Er patentierte 1954 eine Methode, Bisphenolsäure her­zu­stellen und die Firma Johnson Wax kaufte das Patent für eine Million Dollar.

Um Forschungschemikalien für wissenschaftliche Forschung in der Gentechnik, der Biotechnologie und in der pharmazeutischen Entwicklung auch in kleinen Mengen zu produzieren und zu verkaufen – der damals einzige Lieferant von Forschungschemikalien, Kodak, erschien ihm nicht effizient und schnell genug –, gründete Alfred Bader 1951 gemeinsam mit Jack Eisendrath das Unternehmen Aldrich Chemical Company, in dem er zunächst die Stelle eines Chief Chemists übernahm und später, nachdem er 1954 Alleinbesitzer der Firma wurde, als Präsident bzw. Vorsitzender fungierte. Bereits während der 1950er Jahre unternahm er Ge­schäftsreisen nach Europa und knüpfte hier Kontakte zu anderen chemischen Betrieben. Durch den Zusammenschluss mit der Bio­chemikalien­firma Sigma 1975 steigerte Bader die Produktpalette der Firma Aldrich, die 1952 noch 12 Produkte im Angebot hatte, auf 30.000 Chemikalien.

Bader wurde Präsident der Sigma-Aldrich Corporation und war später bis 1991 Vorsitzender. Er ist Inha­ber von etwa 100 Patenten. Unter seiner Leitung stieg die Firma zu einem der weltweit größten Produ­zenten und Lieferanten von chemischen und biochemischen Produkten für die wissenschaftliche For­schung in Gentechnik, Biotechnologie und Pharmazie auf. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Arbeit von Bader bei Aldrich ist der Aufbau der sogenannten Library of Rare Chemicals. Derzeit beinhaltet diese Proben und Informationen über rund 100.000 Chemikalien und chemische Verbindungen. Außerdem begründete Bader die Firmenzeitschrift Aldrichimica Acta, für deren Cover er Reproduktionen von Ge­mälden aus der Privatsammlung zur Verfügung stellte und Artikel über Kunstobjekte beisteuerte.

Seit seiner Pensionierung 1991 engagiert sich Alfred Bader – gemeinsam mit seiner zweiten Frau Isabel Bader – als Kunst- und Wissenschaftsmäzen. Neben seinen Tätigkeiten als Chemiker und Geschäftsmann hat sich Bader stets für Kunst und Kunstgeschichte interessiert und eine der weltweit bedeutends­ten privaten Sammlungen von Arbeiten Holländischer Meister aus dem 17. Jahrhundert zusammengetra­gen. Im Jahr 1962 eröffnete er in Milwaukee die Galerie „Alfred Bader Fine Arts“. Bader ist Initiator von vielen Lehrstühlen, Preisen und Stipendien für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich Chemie und Kunstgeschichte in Europa und Nordamerika. Besonders seiner Alma mater – dem Queen’s Univer­sity in Kingston – spendete er große Summen, stiftete aber u.a. auch drei Preise der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Für die Queen's University kaufte er Schloß Herstmonceux, bis in die späten 1980er Jahre Sitz des königlichen Greenwich Observatoriums, als europäischen Sitz der kanadischen Universität. Im Rahmen eines großen mittelalterlichen Festes zur Eröffnung übergab er der Universität, die ihn seinerzeit als einzige akzeptiert hatte, das Schloss als Zeichen seiner außerordentlichen Dankbarkeit.

Er erhielt unter anderem 9 Ehrendoktorate internationaler Universitäten, ist Fellow der Royal Society of Arts und wurde 1998 von Queen Elizabeth II. zum Commander of the British Empire ernannt. Die American Chemical Society zeichnete ihn 1998 als „One of the Top 75 Distinguished Contributors to the chemical Enterprise in the Last 75 Years“ aus. Die Gesellschaft Österreichischer Chemiker verlieh ihm 2002 auf Grund seiner Verdienste um die Chemie die Ehrenmitgliedschaft, die Österreichische Akademie der Wissenschaften 2009 den Ehren­ring. Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde 2004 im Museum of Applied Arts, Brno, Tsche­chische Republik das Symposium „Alfred Bader - Chemist and Art Collector” abgehalten.

Die großzügige finanzielle Unterstützung von Isabel und Alfred Bader ermöglichte es der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, den Ignaz L. Lieben-Preis zu reaktivieren, der 1863 von der Familie Lieben gestiftet und 1937 wegen deren rassisitscher Verfolgung Lieben eingestellt worden war. Seit 2004 wird der Preis wieder für junge WissenschaftlerInnen aus Bosnien-Herzigowina, Kroatien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich für herausragende Arbeiten auf den Gebieten der Molekularbiologie, Chemie und Physik vergeben. Daneben stiftete Alfred Bader der Akademie der Wissen­schaften zwei weitere Preise gestiftet – den Bader-Preis für Kunstgeschichte (2007) und den Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften (2009).

Die Universität Wien ernannte Bader 1995 zum Ehrenbürger und 2004 war seine Geschichte auch Teil der Ausstellung der Zentralbibliothek für Physik  "Jahrgang 1924 - ein guter Jahrgang". Am 4. Dezember 2012 wurde ihm das Ehrendoktorat der Universität Wien verliehen.

Katharina Kniefacz
Ja
  • Alfred Bader

    BestandgeberIn: Zentralbibliothek für Physik, Universität Wien