Arnold Durig, Prof. Dr.

12.11.1872 – 18.10.1961
geb. in Innsbruck gest. in Schruns, Vorarlberg

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1921/22

Durig, Sohn des Direktors der Innsbrucker Lehrerbildungsanstalt, besuchte das Gymnasium und die Universität in Innsbruck, um 1898 zum Dr. med. zu promovieren. Bereits im Mai 1894 hatte er als Assistent am physiologischen Institut der Universität Innsbruck begonnen. Diesen Posten sollte er bis 1900 innehaben, zumal er als Assistent an das Wiener Physiologische Institut unter Sigmund Exner wechselte. Dort habilitierte sich Durig 1902 für Physiologie, um in der Folge physiologische und klinische Arbeiten unter Engelmann und Zuntz in Berlin sowie unter Sanderson in Oxford zu unternehmen.

1904 folgte die Ernennung zum ao. Prof., ein Jahr darauf jene zum o. Prof. der Anatomie und der Physiologie der Haustiere an der Hochschule für Bodenkultur. Zugleich war Durig auch Vorstand des dortigen Physiologischen Instituts, wobei er seine Tätigkeit 1904 kurzzeitig unterbrach, um die supplierende Leitung des Physiologsichen Instituts in Innsbruck zu übernehmen. Im Rahmen von Forschungsreisen in den Jahren 1903, 1906 und 1910 stellte er Forschungen in Schweizer und anderen Hochgebirgen zur Einwirkung des Höhenklimas auf den Menschen an, während seine Hauptarbeitsgebiete in den Problemen des Stoffwechsels und der Ernährungsphysiologie lagen. Als Anerkennung für seine Arbeit "Wassergehalt und Organfunktion" erhielt er außerdem 1906 den Lieben-Preis der Akademie der Wissenschaften verliehen. Die Akademie wiederum ernannte ihn auch 1911 zum korrespondierenden, 1915 zum wirklichen Mitglied.

Weiters war Durig von Ende Juli bis Dezember 1914 Leiter der internen Infektionsabteilung des Militärspitals in Sarajevo, um von Jänner 1915 bis November 1918 als Oberstabsarzt an einem Rot-Kreuz-Spital, dessen Leitung er innehatte, sowie im Kriegsspital Wien-Grinzing tätig zu sein. Im Falle des Kriegsspitals, das 6.000 Betten fasste und damit als größtes Spital Österreichs galt, war Durig auch wesentlich an der Ausgestaltung beteiligt.

1918 kehrte er an die Universität Wien zurück. Nach dem Abgang von Siegmund Exner war die Lehrkanzel für Physiologie neu zu besetzen, wobei das Professorenkollegium Durig und Wilhelm Trendelenburg (Universität Berlin) primo loco vorschlug. Den Zuschlag erhielt Durig, auch weil eine Berufung Trendelenburgs einige "Zugeständnisse an persönlichen Bezügen" erfordert hätte. Durig sollte das Physiologische Institut über 20 Jahre hinweg leiten. 1921 folgte die Ernennung zum Hofrat, 1921/22 jene zum Dekan der Medizinischen Fakultät, während er 1926 aufgrund einer finanziellen Besserstellung eine Berufung nach Berlin ablehnte. Bereits 1907 hatten die österreichischen Stellen eine Berufung an die Tierärztliche Hochschule in Berlin abgewehrt, wobei Durig im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere auch Berufungen an die Universitäten Rostock, Prag und Breslau zuteil wurden.

Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Österreich blieb Durig – im 66. Lebensjahr stehend – eine weitere Tätigkeit an der Universität Wien verwehrt. Nach seiner Beurlaubung per 22. April 1938 wurde Richard Plattner als sein interimistischer Nachfolger eingesetzt. Die genauen Gründe für die Enthebung liegen aber im Dunkeln: In einem Schreiben des Dozentenbundführers an der Universität Wien, Arthur Marchet, ist Durig – gemeinsam mit Richard Wasicky und Heinrich Kahr – unter jenen Personen angeführt, die "von der weiteren Ausübung der Lehrtätigkeit zu beurlauben" seien, "um die Ruhe und Ordnung an der Fakultät zu gewährleisten". Mit 31. Mai 1938 wurde er schließlich "aus politischen Gründen in den dauernden Ruhestand versetzt".

Möglicherweise spielte aber auch das Alter Durigs eine Rolle, zumal er im Personalakt des Allgemeinen Verwaltungsarchivs unter jenen Personen angeführt ist, "die alle das 65. Lebensjahr überschritten" hatten und daher "in den dauernden Ruhestand versetzt" werden sollten. Durig zog sich in der Folge auf sein Landgut in Tschagguns in Vorarlberg zurück. Vom Verbot einer wissenschaftlichen Tätigkeit ist allerdings nicht auszugehen, auch weil Durig per 1. Mai 1938 Mitglied der NSDAP wurde. Seine Aufnahme beantragte er laut Mitgliedskarte in der Ortsgruppenkartei am 18. Oktober 1939 – also weit über ein Jahr nach seiner Enthebung. Der Karte in der Zentralkartei ist zusätzlich zu entnehmen, dass er am 30. März 1940 die Mitgliedskarte erhielt, die NSDAP-Mitgliedschaft also auch Rechtskraft erlangte. Von Interesse ist auch der Umstand, dass Durig eine prestigeträchtige Mitgliedsnummer erhielt (6.384.715). Das heißt, er dürfte sich – sofern in diesem Fall nach den Statuten der NSDAP verfahren wurde – bereits vor dem "Anschluss" für die NSDAP betätigt haben bzw. dieser bereits in der "illegalen Zeit" beigetreten sein. In den Akten wie auch in der Literatur findet sich allerdings kein einziger Hinweis, der auf ein NS-Nahverhältnis bzw. die Parteimitgliedschaft hindeuten würde. Die zwei Mitgliedskarten bilden dementsprechend den einzigen Anhaltspunkt.

Eine Wiedereinsetzung nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam wegen des fortgeschrittenen Alters Durigs – er stand im 73. Lebensjahr – nicht mehr in Frage. Über seine weitere Behandlung geben einzelne Schreiben aus 1956 und 1957 Auskunft: Über sein Ansuchen am 30. November 1956 wurde er unter Aufhebung der Übernahme in den Ruhestand (vom 23. Oktober 1950) mit 30. April 1945 wieder in den Dienststand aufgenommen, und zugleich mit 1. Mai 1945 in den dauernden Ruhestand versetzt. Per 1. Jänner 1956 galt er somit – aufgrund des "Bundesgesetzes über die Pensionsbehandlung von Hochschulprofessoren und über deren Emeritierung" vom November 1955 – als emeritiert.

Durig lebte bis zu seinem Tod 1961 in Tschagguns, widmete sich aber weiterhin der Wissenschaft und trat u. a. als Vortragender bei wissenschaftlichen Tagungen in Erscheinung. Er verstarb an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde am 20. Oktober in einem Ehrengrab seiner Gemeinde beigesetzt. Im Übrigen war er zum Zeitpunkt seines Ablebens rangältestes Mitglied der Akademie der Wissenschaften.

Neben den bereits angeführten Gebieten forschte Durig auch zur Sport- und Arbeitsphysiologie sowie zu Kreislauf, Ermüdung und Hypertonie. Zu seinen wichtigsten Werken zählen u. a. "Die Ermüdung" (1916), "Die physiologischen Grundlagen der Ernährung" (1923) sowie "Über physiologische Grundlagen der Atemübungen" (1931).

Er war u. a. Präsident des Landes-Sanitätsrates Wien, der Österreichischen Gesellschaft für Volksgesundheit und des Österreichischen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose wie auch der Wiener Urania. Zudem war er ordentliches Mitglied der Akademie deutscher Naturforscher (Actuar für Österreich), Referent der Hygienesektion des Bureau international de travail beim Völkerbund in Genf, Vorstand des Kuratoriums für das Forschungsinstitut Gastein Mitglied und Adjunkt der Akademie Halle, Mitglied der Morphologisch-physiologischen Gesellschaft in Wien wie auch einer Anzahl weiterer wissenschaftlicher Institutionen.

Archiv der Universität Wien, Medizinische Fakultät, Personalakt 93. |
Archiv der Universität Wien, Rektoratsakten GZ 677-1937/38. |
Bundesarchiv Berlin, NSDAP-Zentralkartei. |
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, NSDAP-Ortsgruppenkartei. |
Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Bestand Unterricht, Personalakt Durig.

Andreas Huber

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