Berta Karlik, o. Prof. Dr.

24.1.1904 – 4.2.1990
geb. in Wien gest. in Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Tor der Erinnerung 1998/99
Stipendien/Preise/Stiftungen Berta-Karlik-Programm 2011
Denkmal Arkadenhof 2015/16 Fakultät für Physik

Berta Karlik hat ihr Studium aus Mathematik und Physik an der Universität Wien 1928 mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen (Dissertation: "Über die Abhängigkeit der Szintillationen von der Beschaffenheit des Zinksulfides und das Wesen des Szintillationsvorganges"). Sie absolvierte ein Probejahr als Lehrerin an einem Realgymnasium und begann mit wissenschaftlichen Arbeiten am Institut für Radiumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Auf Grund dieser Arbeiten wurde Karlik vom Internationalen Verband der akademischen Frauen ein Crosby-Hall-Stipendium für das akademische Jahr 1930/31 verliehen. Sie nützte das Stipendium, um an der Royal Institution of Great Britain in London bei Sir William Bragg wissenschaftlich zu arbeiten, wo sie mit röntgenographischen Untersuchungen von Kristallstrukturen vertraut wurde. Karlik verbrachte auch längere Zeit am Cavendish Laboratorium in Cambridge, das unter der Leitung von Lord Rutherford stand. Weiters besuchte sie Forschungstätten in Frankreich, so z. B. das Institut Curie in Paris. Nach ihrer Rückkehr an das Radiuminstitut wurde sie 1933 als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt. 1933 erhielt sie auch gemeinsam mit ihrer Kollegin Elizabeth Rona den Haitinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1937 habilitierte sich Berta Karlik an der Universität Wien für Physik mit der Schrift „Die Grenzen der Nachweisbarkeit der schweren Edelgase in Helium“ und lehrte fortan als Privatdozentin.

Im Gegensatz zu vielen anderen Pionierinnen an der Universität Wien wurde Berta Karliks Laufbahn durch den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 nicht unterbrochen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs proftierte sie zudem indirekt von den zunehmenden Einberufungen der männlichen Kollegen zum Kriegsdienst und wurde am Institut für Radiumforschung 1940 zur Assistentin, 1942 zur Diätendozentin ernannt. In dieser Zeit, 1943, verzeichnete Karlik ihren größten wissenschaftlichen Erfolg, als ihr gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Traude Bernert der Nachweis von drei Isotopen des Elementes 85, Astat, in den natürlichen radioaktiven Zerfallsreihen gelang.

Nach Kriegsende 1945 übernahm Berta Karlik die provisorische Leitung des teils kriegszerstörten Radiuminstitutes, 1947 die definitive Leitung. Eine weitere Station ihrer akademischen Karriere war die Verleihung des Titels einer außerordentlichen Professorin (1946). Nachdem sie 1950 zur Extraordinaria befördert worden war, wurde sie 1956 als erste Frau auf eine ordentliche Professur an der Universität Wien berufen. 1974 wurde sie emeritiert, war jedoch auch danach bis zu ihrem Tod am Institut tätig.

Sie hat etwa siebzig wissenschaftliche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Arbeiten über Luminiszenz in Zusammenhang mit Radioaktivität, über Uranbestimmung im Meerwasser und Untersuchungen von Edelgasen. Nach ihrer Emeritierung hat sie sich auch mit der Geschichte ihres Faches beschäftigt und eine Arbeit über den bedeutenden österreichischen Physiker Franz Exner mitverfasst.

Berta Karliks wissenschaftliche Tätigkeit wurde mit zahlreichen Ehrungen im In- und Ausland gewürdigt.  So erhielt sie 1951 den Preis der Stadt Wien für Naturwissenschaften und wurde 1973 als erste Frau zum vollwertigen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Die Universität Wien schuf 2011 mit dem Berta-Karlik-Programm drei Professur-Stellen zur Förderung von exzellenten Wissenschafterinnen. Im selben Jahr wurde die Berta-Karlik-Gasse in Wien 13 nach ihr benannt.

Sie wurde 1998 auch durch die Benennung eines der „Tore der Erinnerung“ am Campus der Universität Wien geehrt (Karlik- Tor, Durchgang zur Thavonatgasse). 2016 wurde für Berta Karlik ein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt (Künstler: Thomas Baumann).

Katharina Kniefacz, Thomas Maisel
Ja