Clemens Peter Pirquet, Freiherr von Cesenatico, Prof. Dr.

12.5.1874 – 28.2.1929
geb. in Hirschstetten bei Wien gest. in Wien

Kinderarzt, Bakteriologe und Immunologe, Pionier der Allergieforschung

„Clemens von Pirquet prägte den Begriff der Allergie. Darüber hinaus waren seine Forschungsergebnisse bahnbrechend für die Immunologie, Stoffwechsellehre, Ernährungsmedizin, Präventivmedizin, Psychologie, Infektiologie und die Entwicklung von Impfungen.“
Rudolf Valenta, Professor für Allergologie an der Medizinischen Universität Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal 1931/32 Medizinische Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1962 Medizinische Fakultät

Klemens Freiherr Pirquet von Cesenatico studierte zunächst Theologie in Innsbruck (abgebrochen) und Philosophie in Löwen, schließlich Medizin in Wien, Königsberg und Graz, mit der Absicht, Psychiater zu ·werden. Er promovierte 1900 in Wien und wurde danach Volontär, Sekundararzt und Assistent am St. Anna-Kinderspital (zu dieser Zeit Kinderklinik). Er wurde 1908 für Kinderheilkunde habilitiert und danach als erster Professor für Kinderheilkunde an die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore/USA berufen. 1910 wechselte er als ordentlicher Professor an die Universität Breslau und übernahm 1911 den Lehrstuhl für Kinderheilkunde an der Wiener Universitäts-Kinderklinik, wo er bis zu seinem Tode wirkte.

Pirquet gab den Anstoß für die Einrichtung einer heilpädagogischen Station an seiner Klinik und die Etablierung der Kinderneuropsychiatrie als Spezialfach. Durch seine Verbindungen in die USA konnte er nach dem Ersten Weltkrieg die Ernährung hungernder Kinder in Wien durch öffentliche Ausspeisungen organisieren. Er war Präsident der Union Internationale au Secours des Enfants und des Komitees für Kinderschutz im Völkerbund.

In seinen Forschungen widmete er sich vor allem den Infektionskrankheiten. Im Zusammenhang mit Diphtherieimpfungen hatte er allergische Reaktionen des Organismus nach der Immunisierung durch Krankheit oder Impfung beobachtet (Serumkrankheit). Verschiedene ungefährliche Immuntests, z.B. der cutane TBC-Test (P.-Probe), gehen auf Pirquet zurück. Für seine Methode zur Frühdiagnose der Tuberkulose wurde Klemens von Pirquet mehrmals für den Nobelpreis nominiert.

Gemeinsam mit seiner Frau verübte Pirquet aus ungeklärten Gründen Selbstmord. Sein Nachfolger als Vorstand der Universitätskinderklinik wurde Franz Hamburger.

In der Klinik für Kinderkrankheiten, Wien 9., Lazarettgasse 14, befindet sich ein Denkmal für Klemens von Pirquet.
 

Werke:·

Klinische Studien zur Vakzination und vakzinalen Allergie, 1907.

Allergie, 1910.

System der Ernährung, 1917-1920.

Lexikon der Ernährungskunde (mit E. Mayerhofer), 1923-1925

Kinderheilkunde und Pflege des gesunden Kindes für Schwestern und Fürsorgerinnen (mit E. Nobel), 1925 (2. Auflage 1928).

Allergie des Lebensalters, 1930.

Sonia Horn

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