Eduard Pernkopf, Prof. Dr.

24.11.1888 – 17.4.1955
geb. in Rapottenstein gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1938/39-1942/43
Rektor Medizinische Fakultät 1943/44-1944/45

Eduard Pernkopf studierte an der Universität Wien Medizin und wurde 1912 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Seine Heimstätte wurde das II. Anatomische Institut, wo er zunächst unter dessen Vorstand Ferdinand Hochstetter schon während seines Studiums als Demonstrator und nach seiner Promotion als Assistent arbeitete. Pernkopf habilitierte sich 1921 bei Hochstetter, erhielt 1927 den Titel eines außerordentlichen Professors und 1929 eine reguläre außerordentliche Professur. 1933 folgte er seinem Lehrer und Mentor als ordentlicher Professor und Vorstand des II. Anatomischen Instituts nach.

Pernkopf war schon während seines Studiums deutschnational eingestellt und Angehöriger einer schlagenden Burschenschaft. 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und ein Jahr darauf auch der SA (ab 1938 im Dienstgrad eines SA-Obersturmbannführers). Als überzeugter Nationalsozialist zählte er zu jenem Personenkreis, dem nach dem „Anschluss“ 1938 der Umbau und die „Säuberung“ der Universität im nationalsozialistischen Sinne anvertraut wurden. Nach der vorübergehenden Verhaftung und der Entlassung des Dekans Egon Ranzi wurde Pernkopf als Dekan mit der „Führung“ der Medizinischen Fakultät betraut. Seine Antrittsrede zum Thema „Nationalsozialismus und Wissenschaft“ hielt er im April 1938 in SA-Uniform. Er plädierte darin für die „Ausschaltung der Erbminderwertigen, durch Sterilisation und andere Mittel.“ 1943 wurde er als Nachfolger von Fritz Knoll zum Rektor der Universität Wien ernannt, eine Funktion, die er bis kurz vor Kriegsende ausübte. Im März 1945 setzte er sich nach Salzburg ab, wo er schließlich verhaftet und bis 1947 im Lager Glasenbach inhaftiert wurde.

Pernkopf wurde schon im April 1945 all seiner universitären Funktionen enthoben und trotz vieler Bemühungen von seiner Seite, aber auch von Teilen der Professoren- und Studentenschaft, nicht mehr an der Universität angestellt. Von der Institutsleitung wurde ihm jedoch gestattet, als „Gast“ die Arbeit an seinem anatomischen Atlas fortzusetzen. 1949 erfolgte die Versetzung in den dauernden Ruhestand.

Seinen Ruf als Anatom verdankte Pernkopf dem von ihm herausgegebenen mehrbändigen anatomischen Atlas, der weit über die Grenzen Österreichs hinaus Jahrzehnte lang als Referenzwerk für Anatomen und Chirurgen galt. In den 1990er Jahren wurde von der Gedenkorganisation Yad Vashem eine Untersuchung angestoßen, welche die Frage klären sollte, ob die Leichen von Opfern des NS-Regimes als Vorlage für Bilder im „Pernkopf-Atlas“ dienten. Eine vom Akademischen Senat der Universität Wien eingesetzte Kommission aus HistorikerInnen und MedizinerInnen legte dazu 1998 einen umfangreichen Bericht vor. Es gilt demnach als sicher, dass die Leichen Hingerichteter aus dem Landgericht Wien der Anatomie zur Verfügung gestellt wurden, darunter auch zahlreiche Opfer der NS-Justiz. In welchem Umfang deren Präparate zur Erstellung des Atlas herangezogen wurden, war im Einzelfall jedoch nicht mehr festzustellen.

 

Nein