Erwin Eugen Schneider, Prof. Dr. phil., lic. theol.

25.3.1892 – 9.9.1969
geb. in Brünn, Mähren gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1949/50
DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1950/51
DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1955/56
Rektor Evangelisch-Theologische Fakultät 1958/59
DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1961/62

Erwin Eugen Schneider absolvierte die Reifeprüfung am deutschen Staatsgymnasium in Brünn und begann 1910 ein Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Wien, das er teilweise in Marburg an der Lahn sowie Halle an der Saale fortsetzte. Daneben studierte er der Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Mit einer Dissertation über Immanuel Kant („Das Subjektproblem“) promovierte er 1914 zum Doktor der Philosophie und erhielt 1917 in Halle mit der Studie „Religion als Erfahrung am Worte Gottes nach Luther“ den Titel Lic.theol.

Während des Ersten Weltkriegs war Schneider als Vikar in Karlsbad tätig und heiratete Susanne Feller, die Tochter des Liturgikers Camillo Feller. 1916 als Feldkurat an der Südfront eingesetzt, wirkte er ab 1918 als Pfarrer in Laibach (Ljubijana), 1921 kurzzeitig in Belgrad und schließlich wieder in Karlsbad. Zwischen 1923 und 1948 war er Geistlicher in Wien-Hietzing. In dieser Funktion ließ er 1931 die Kreuzkirche erbauen und gründete 1935 in Wien die Evangelische Volkshochschule, die er bis zum „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 leitete. Er leitete ab 1934 außerdem die Apologetischen Zentrale der lutherischen Kirchenkonferenz und gab zwischen 1933 und 1938 das „Mitteilungsblatt für die Amtsträger der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. in Österreich“ heraus.

Erwin Schneider wurde 1945 zum außerordentlichen Oberkirchenrat berufen und fungierte bis 1949 als Stellvertreter des evangelischen Bischofs Gerhard May.
An der Universität Wien war Schneider ab 1946 als außerordentlicher, ab 1948 als ordentlicher Professor für Systematische Theologie AB tätig. In den Studienjahren 1949/50, 1950/51, 1955/56 sowie 1961/62 übte er das Amt des Dekans der Evangelisch-Theologischen Fakultät aus. Im Studienjahr 1958/59 war der erste aus dieser Fakultät gewählte Rektor. In seiner Amtszeit beschloss der Senat der Universität Wien, die (zunächst ausgelassenen) Namen der NS-Rektoren Fritz Knoll und Eduard Pernkopf in die Rektorentafel der Universität Wien nachtragen zu lassen. Nach der Übergabe des Rektorats an Tassilo Antoine verlieh ihm die Universität Wien am 25. November 1959 das Rektorserinnerungszeichen.

Die Universität Heidelberg verlieh ihm am 15. Dezember 1958 das Ehrendoktorat der Theologie. 1960 wurde Erwin Eugen Schneider Mitbegründer und erster Präsident der Johannes-Mathesius-Gesellschaft. 1963 erfolgte seine Emeritierung an der Universität Wien. Kurz vor seinem Tod 1969 wurde er mit der Johannes-Mathesius-Medaille geehrt.
 

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Werke (Auswahl)

Religion als Erfahrung am "Worte Gottes" nach Luther. Eine religionsphilosophische Studie, 1917.
Christliche Presse und kirchliches Öffentlichkeitswirken in Österreich (in: F. Siegmund-Schultze (Hg.), Ekklesia IV/14: Die Evangelische Kirche in Österreich), 1935.
Zur Revision der theologischen Lehre von den Ordnungen (in: Zeitschrift für Theologie und Kirche 54), 1957.
Das Mysterium der Gerechtigkeit. Anläßlich der Kritik Hans Kelsens gegen Emil Brunner (in: Theologische Zeitschrift 13), 1957.
Wissenschaftlichkeit und Wahrheit in der Theologie (in: Theologische Zeitschrift 15), 1959.
Melanchthon, der erste Schulmeister des Luthertums, 1960.
Mysterium iniquitatis. Das heilige Geheimnis der Sünde (in: Theologische Zeitschrift 19), 1963.
Der Türk ist der Lutherischen Glück (in: O. Thulin (Hg.), Reformation in Europa), 1967.
Die Wahrheit als Zentralbegriff der Theologie (in: Theologische Zeitschrift 23), 1967.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 30.08.2018 - 11:10

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