Franz E. Suess, Prof. Dr.

7.10.1867 – 25.1.1941
geb. in Wien gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1923/24

Der letzte Globalgeologe der Universität Wien

Franz Eduard Suess stand lange Zeit im Schatten seines Vaters Eduard, der die Entwicklung der erdwissenschaftlichen Forschung für Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst hatte. Von diesem zu eigenständiger geologischer Forschung angeregt, wandte sich Franz Eduard insbesondere der Erforschung des Grundgebirges, der Tektonik der Kettengebirge sowie dem Phänomen der Hebungen und Senkungen der Festländer und Meere zu. Seit 1911 korrespondierendes und seit 1915 wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien, wurde er 1939 aufgrund seiner jüdischen Großmutter als „Mischling zweiten Grades“ aus dieser Institution ausgeschlossen.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums begann Franz Eduard Suess ab 1886 mit dem Studium der Geologie und der Naturwissenschaften an der Universität Wien, das er 1891 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Noch in diesem Jahr trat er eine Stelle als Assistent an der Lehrkanzel für Mineralogie und Geologie an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag bei Victor Uhlig (1857 - 1911) an. In weiterer Folge wandte sich Suess verstärkt den Bereichen der Tektonik und der Kristallingeologie zu. Von 1893 bis 1908 arbeitete er als Volontär an der Geologischen Reichsanstalt in Wien, für die er Aufnahmearbeiten insbesondere im böhmisch-mährischen Grenzgebiet durchführte. Als Resultat dieser Studien erschienen das Spezialkartenblatt Groß-Meseritsch (1897), das Kartenblatt Trebitsch-Kromau (1898-1901) sowie die Kartenblätter Sankt Pölten (1901), Brünn (1906) und Drosendorf (1905-1908). 1898 erhielt Suess die Venia legendi für Geologie, wurde 1905 außerordentlicher Professor und 1908 besoldeter Extraordinarius an der Universität Wien. In dieser Zeit befasste er sich mit Kristallisationskraft, Vulkanismus und besonders mit dem Problem der Hebungen und Senkungen von Festländern und Meeren. Ebenso blieb die Geologie des Grundgebirges sein ständiges Forschungsfeld. Seine 1912 publizierte Studie „Die moravischen Fenster und ihre Beziehung zum Grundgebirge des Hohen Gesenkes“ (Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften [in Wien], math.-nat. Kl. 88), gilt bis heute als Markstein der tektonischen Analyse. 1911 Ordinarius für Mineralogie und Geologie an der Technischen Hochschule in Prag, wurde er nach dem unerwarteten Tod Victor Uhligs noch im gleichen Jahr ordentlicher Professor für Geologie an der Universität Wien, wo er im Studienjahr 1923/24 als Dekan der philosophischen Fakultät fungierte. Suess‘ Auffassung von der Entstehung und dem Aufbau von Kettengebirgen gipfelte in seinem Hauptwerk „Bausteine zu einem System der Tektogenese“ (3 Teile). In: Fortschritte der Geologie und Paläontologie 13/43-44. Berlin 1937-1939.

Johannes Seidl

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