Franz Xaver Zippe, Prof. Dr. phil., Dr. med.

15.1.1791 – 22.2.1863
geb. in Falkenau bei Böhmisch-Leipa gest. in Wien

k. k. Universitätsprofessor für Mineralogie

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1852/53

Franz Xaver Maximilian Zippe entstammte bäuerlich-kleinbürgerlichen Verhältnissen. Nach dem Besuch der Dorfschule in Kittlitz begab sich Zippe 1804 nach Dresden, wo er in den Knabenchor des Kurrfürsten aufgenommen wurde und das Gymnasium besuchte. Danach übersiedelte Zippe nach Prag, wo er in diversen Orchestern als Cellist versuchte, sich sein Studium selbst zu finanzieren, das er ab 1807 an der Prager Karlsuniversität begann, wo er die philosophischen Jahrgänge absolvierte. Hier studierte er vorerst Medizin und Naturwissenschaften, um sich ab 1814 am Prager Polytechnikum bei den Chemikern Karl August Neumann (1771-1866) und Josef Johann Steinmann (1779-1833) weiterzubilden. 1819 erhielt er bei Steinmann die Stelle eines Adjunkten (Assistent) an der Lehrkanzel für Chemie und hielt darüber hinaus Lehrveranstaltungen über Mineralogie und Geognosie. 1824 wechselte er als Kustos der Mineralien- und Petrefaktensammlung (Fossiliensammlung) in das 1821 gegründete Vaterländische Museum. 1835 bestellte man Zippe zum ordentlichen Universitästsprofessor für Naturgeschichte und Warenkunde am Prager Polytechnikum. 1849 zum Direktor der neu gegründeten Montan-Lehranstalt in  Příbram ernannt, erfolgte noch im gleichen Jahr seine Berufung zum ordentlichen Professor auf den neu errichteten Lehrstuhl für Mineralogie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, welche Stelle er allerdings wegen seiner Verpflichtung in Příbram erst 1850 antreten konnte. Hier bemühte er sich vor allem, die Mineralogie in Lehre und Forschung nach der naturhistorischen Methode von Friedrich Mohs (1773-1839) fortzuführen. Dem System Mohs’ folgend, veröffentlichte Zippe zahlreiche Lehrbücher der Mineralogie und Naturgeschichte und verschiedene Monographien über Gesteins- und Bodenkunde, Geschichte der Metalle und die Charakteristik des naturhistorischen Mineralsystems. Darüber hinaus verdankt ihm die böhmische Industrie durch seine Kenntnisse über Kohlenlagerstätten einen enormen Produktionsaufschwung.

Zippes wissenschaftliche Leistungen brachten ihm zahlreiche Anerkennungen. 1848 verlieh ihm die Universität Prag das Ehrendoktorat der Philosophie und der Medizin. Seit 1847 war Zippe wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Im Studienjahr 1852/53 fungierte er als Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Zudem wurde Zippe durch mehrere erdwissenschaftliche Ehrungen ausgezeichnet. So benannte  Wilhelm Haidinger (1795-1871) die erstmals von Zippe beschriebene Joachimsthaler Uranblüte mit Zippeit . August Emanuel Reuss (1811-1873) benannte  eine von ihm aufgefundene, fossile Schneckenart Helix Zippei.

Während Zippe große Verdienste um die mineralogische und geognostische Erforschung Böhmens zukommen, ist seine Tätigkeit an der Universität Wien zwiespältig zu bewerten. Obwohl er die Mineralogie durch Vorlesungen und den Ausbau einer Sammlung förderte, wirkte sich sein zähes Festhalten an der Mohs’schen naturhistorischen Methode, die chemische Analysen in der Mineralogie ausschloss, für den Wissenschaftsfortschritt eher hemmend aus. Zudem führte seine negative Haltung gegenüber der Geologie, die er als spekulative Wissenschaft ansah, zu Kontroversen mit seinen jüngeren Kollegen Carl Ferdinand Peters und Eduard Suess.

Johannes Seidl