Friedrich Engel-Jánosi

18.2.1893 – 7.3.1978
geb. in Oberdöbling gest. in Wien

Engel-Jánosi, Sohn eines ungarischen Industriellen, studierte vorerst Jus und war während seines Studiums u. a. als Assistent von Hans Kelsen tätig. 1919 schloss er – nach dem Einsatz im Ersten Weltkrieg – sein Studium ab, um daraufhin Geschichte zu studieren (Promotion: 1921). Vorerst in einer Bank tätig, übernahm er 1924 die Holzfabrik seines Vaters. Fünf Jahre später habilitierte er sich an der Universität Wien für allgemeine Neuere Geschichte und erhielt 1935 den Titel eines ao. Prof. In den Jahren 1936 bis 1938 arbeitete er als Austauschprofessor in Rom und trat in diesem Zeitraum vom Judentum zum Katholizismus über. Schenkt man einem Schreiben des Wilhelm-Braumüller-Verlages an die Reichsschrifttumskammer aus 1937 Glauben, gehörte Engel-Jánosi "einige Zeit […] der Österreichischen Heimwehr (während der Marxistenrevolte im Februar 1934)" an. Anlass des Briefes war der in NS-Deutschland verbotene Vertrieb des Buches "Die Jugendzeit des Grafen Prokesch von Osten" gewesen, was auf Jánosis jüdische Abstammung zurückzuführen war.

Nach dem "Anschluss" musste er seine Lehrtätigkeit in Rom beenden. Das Unterrichtsministerium widerrief aus "rassischen" Gründen per 22. April 1938 seine venia. Daraufhin flüchtete er 1939 über Frankreich und Großbritannien in die USA und fungierte dabei kurzfristig als Lektor an der Cambridge University. Ab 1940 in den USA war er vorerst, bis 1942, Research associate an der Johns Hopkins University, anschließend Visiting Professor (1942-44) und ab Anfang 1945 Professor für Europäische Geschichte an der Catholic University of America in Washington D. C.

Nach Kriegsende kehrte er vorerst nicht nach Österreich bzw. an die Universität Wien zurück, wiewohl ihn die philosophische Fakultät im Dezember 1948 primo loco für einen Lehrstuhl nominierte. Einem späteren Schreiben des Dekanats zufolge soll diese Berufung "an gewissen Schwierigkeiten, die mit persönlichen Verhältnissen familiärer Natur zusammenhingen", gescheitert sein. Wenig später, im Sommersemester 1949, fand er sich auf einer Berufungsliste der Universität Graz an zweiter Stelle, wobei er in diesem Semester auch als Gastprofessor an der Universität Wien lehrte.

Eine langfristige Rückkehr an die Universität Wien sollte schließlich 1959 als Honorarprofessor erfolgen. In Wien nahm er 1965 auch das Präsidentenamt des Internationalen Historikerkongresses ein. Engel-Jánosis Tätigkeit in Wien war aber auch gezeichnet von stetigen Konflikten um seine Pension bzw. eine Anstellung an der Universität über das 75. Lebensjahr hinaus. So stand etwa 1965 seine Abwanderung in die USA zur Debatte, die aber letztlich verhindert werden konnte. Seine Tätigkeit an der Universität Wien beendete er schließlich 1969 bzw. im Alter von 76 Jahren. Zwei Jahre zuvor hatte er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse erhalten.

Engel-Jánosi forschte v. a. zur österreichischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere zu den Beziehungen zwischen Österreich und dem Vatikan. Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen "Österreich und der Vatikan" (2 Bände, 1958-60) und "Vom Chaos zur Katastrophe" (1971).

Er war u. a. Vizepräsident sowie Präsident der Austrian American Catholic Federation, korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Ehrenmitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Präsident des Istituto per la Storia de Risorgimento und der Catholic Historical Association. Er war Präsident des Verbandes österreichischer Geschichtsvereine und Inhaber des Guggenheim Foundation Award (1955) sowie der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold.

Im Übrigen war Jánosi, der ab 1965 auch an der Diplomatischen Akademie in Wien lehrte, auch Mitunterzeichner der Proklamation an die in den USA lebenden Österreicher, sich am geplanten Österreich-Bataillon der US-Army zu beteiligen.

Archivalien: BArch, RK, MF Z 15; ÖStA/AdR, PA Engel-Jánosi; UA, PH PA 2034; UA, PHIL GZ 659-1937/38. Lit.: CZEIKE Bd. 2 1993; Gernot HEISS, Von Österreichs deutscher Vergangenheit und Aufgabe. Die Wiener Schule der Geschichtswissenschaft und der Nationalsozialismus, in: ders./Siegfried Mattl/Sebastian Meissl/Edith Saurer/Karl Stuhlpfarrer Hg., Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938 bis 1945, Wien 1989, 38-76; RÖDER Bd. 2 1983.
Andreas Huber

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