Fritz (Friedrich) Knoll, Prof. Dr.

21.10.1883 – 24.2.1981
geb. in Gleisdorf gest. in Wien

Funktionen

Rektor Philosophische Fakultät 1938-1943
Senator 1943-1945

Wissenschaftlicher Werdegang bis 1938

Fritz Knoll legte die Reifeprüfung 1902 am humanistischen Staatsgymnasium in Graz ab und begann ein naturwissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt auf Botanik und Zoologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Graz. 1903 wurde er dort Demonstrator am Botanischen Laboratorium und promovierte 1906 mit einer vergleichend-anatomischen Studie über die Brennhaare von Wolfsmilchgewächsen.
1906 und – nach Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger – 1908/09 war er als Assistent am Botanischen Institut der Universität Wien tätig und arbeitete über Bau, Entwicklung und Wasserhaushalt von Hutpilzen. 1912 erfolgte seine Habilitation für Anatomie und Physiologie der Pflanzen an der Universität Graz.
1913 wurde er erneut Assistent am Botanischen Institut der Universität Wien und habilitierte sich hier 1914 für Systematik und Ökologie der Pflanzen. Nach Kriegsdienst im Kriegshafen Kotor [heute: Montenegro] als Reserveoffizier, zuletzt als Oberleutnant, von 1914 bis 1918 kehrte er als Assistent an das Botanische Institut der Universität Wien zurück und erhielt vier Jahre später den Titel des außerordentlichen Professors. 1922 wurde er als außerordentlicher Professor und Direktor des Botanischen Instituts und Gartens der Deutschen Universität nach Prag berufen, wo er 1926 eine ordentliche Professur und 1930 das Amt des Dekans der Naturwissenschaftlichen Fakultät übernahm. 1933 wurde er ordentlicher Professor für systematische Biologie an der Universität Wien sowie Direktor des hiesigen Botanischen Instituts und des Botanischen Gartens.
Zu seinen zentralen Forschungsschwerpunkten zählten neben der Blütenökologie auch die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Tieren bei der Bestäubung der Angiospermenblüten.

Politisches Engagement und Rektorat im NS

Fritz Knoll hatte sich schon früh deutschnational engagiert (Mitglied der akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz und Vorstandsmitglied Deutschen Klubs), gehörte ab 1933 dem NS-Lehrerbund an verweigerte sich 1934 der verpflichtenden Mitgliedschaft bei der Vaterländischen Front. 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.235.774). Von ihm wird berichtet, dass er bereits vor dem „Anschluss“ 1938 in SS-Hose Vorlesungen gehalten habe.
Nach dem „Anschluss“ am 12. März 1938 erfolgte die (Selbst )Gleichschaltung der Universität Wien rasch und in enger Kooperation von Wissenschaft und Politik. Zahlreiche Professoren der Universität Wien beteiligten sich an der Umstrukturierung nach dem „Führerprinzip“ und besetzten zentrale Positionen. Am 15. März wurde Fritz Knoll von der Landesleitung der NSDAP mit sofortiger Wirksamkeit beauftragt, „die Interessen der Landesleitung an der Wiener Universität wahrzunehmen“. Tags darauf übernahm er vom bisherigen Rektor Ernst Späth die Amtsgeschäfte und wurde somit zum „kommissarischen Rektor“ bestellt, der nun auch einen eindeutig politisch-ideologischen Auftrag zu erfüllen hatte. Knoll war damit der einzige Rektor in der Geschichte der Universität Wien, der unter Missachtung der universitären Selbstverwaltung von den politischen Machthabern kommissarisch eingesetzt wurde. Nach der Ernennung neuer Dekane widmete sich Knoll besonders der personellen „Säuberung“ der Universität: Binnen weniger Monate wurden über 300 Lehrende aus „rassischen“ und politischen Gründen von der Universität Wien entlassen, darüber hinaus über 2.000 Studierende vom Studium ausgeschlossen. Im Jahr 1939 erfolgte die Bestellung zum wirklichen Rektor der Universität Wien. Für den Kriegseinsatz der Universität Wien erhielt er 1942 das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse. Am 15. Mai 1943 übergab er das Amt des Rektors an den Anatomen Eduard Pernkopf, bisher Dekan der Medizinischen Fakultät.
Noch Ende März 1938 wurde Fritz Knoll zusätzlich beauftragt, vorübergehend die „Interessen der Landesleitung der NSDAP in Oesterreich für den Bereich der Akademie der Wissenschaften“ zu wahren. Auch in dieser Funktion, die er ein Jahr lang inne hatte, sorgte er für die Entlassung jüdischer MitarbeiterInnen der Akademie-Institute.

Nach Kriegsende

Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP wurde Knoll im Zuge der Entnazifizierung im Juni 1945 durch Erlass des Staatsamtes für Volksaufklärung, Unterricht, Erziehung und Kultusangelegenheiten entlassen. Auch die Akademie stellte seine Mitgliedschaft zunächst ruhend. Eine behördliche Prüfung seines Falles ergab jedoch im Dezember 1947, das er als „minderbelastete“ Person gemäß dem „Verbotsgesetz“ galt, infolgedessen seine Entlassung an der Universität Wien in eine Pensionierung umgewandelt wurde.
Nach Inkrafttreten des Amnestiegesetzes wurde er wieder wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wo er weiter wissenschaftlich tätig war. In deren Auftrag gab er 1951 den Band „Österreichische Naturforscher und Techniker“ und 1957 „Österreichische Naturforscher, Ärzte und Techniker“ heraus. Neben ihm selbst lieferten dafür auch sein Nachfolger als Rektor, Eduard Pernkopf, sowie weitere ehemalige Nationalsozialisten Beiträge. Mehrere herausragende jüdische Forscher, die teils 1938 unter seinem Rektorat vertrieben wurden, blieben in diesem Nachschlagewerk unerwähnt, u. a. der Physiker Stefan Meyer oder der Zoologe Hans Przibram. Knoll wurde 1957 zum Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse und 1959 zum Generalsekretär der Akademie gewählt (bis 1964). 1967 erhielt er die Medaille „Bene Merito“ in Silber für besondere Verdienste um die Akademie.
Jedoch nicht nur die Akademie der Wissenschaften ließ dem ehemaligen Nationalsozialisten in exponierter Funktion Ehre zuteil werden: 1961 verlieh ihm der akademische Senat der Universität Wien das Rektorserinnerungszeichen „in Anerkennung [der] ehrenvollen und mutigen Amtsführung in schwerer Zeit“ und 1965 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Katharina Kniefacz
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