Fritz Zerbst, Univ.-Prof. Dr. theol.

14.1.1909 – 2.12.1994
geb. in Schubin, Posen gest. in Baden bei Wien

Funktionen

DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1958/59
DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1963/64
DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1968/69
Rektor Evangelisch-Theologische Fakultät 1969/70
DekanIn Evangelisch-Theologische Fakultät 1975/76

Fritz Wilhelm Erich Zerbst studierte an den Universitäten Berlin, Marburg und Wien Philosophie, Nationalökonomie, Tierpsychologie und Theologie, konzentrierte sich jedoch später auf lutherische Theologie. 1934 legte er die Kandidatenprüfung (examen pro candidatura) nach der 1927 erlassenen Prüfungsordnung für evangelische Theologen in Österreich ab und wurde wenig später als Vikar in Wien-Leopoldstadt eingesetzt. 1934 verzichtete Zerbst aufgrund seiner Ablehnung des Nationalsozialismus auf die deutsche Reichsbürgerschaft und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an. 1936 heiratete Zerbst 1936 die Juristin Dr. Maria Babisch. Nach seinem Vikariat konnte er im Jänner 1936 erfolgreich das zweite theologische Examen (examen pro ministerio) absolvieren und wurde im Juni desselben Jahres zum Pfarrer der Evangelischen Pfarrkirche Weißbriach in Kärnten gewählt. Daneben betätigte er sich als Vorsitzender des Kärntner Gustav-Adolf-Vereins.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Fritz Zerbst 1939 zur Wehrmacht eingezogen, konnte ab 1943 als Wehrmachtspfarrer in Lienz wirken.

Nach Kriegsende konnte Zerbst am 11. Dezember 1945 mit seiner bereits 1940 abgeschlossenen Dissertation „Amt und Frau in der Kirche“ an der Universität Wien zum Doktor der Theologie promovieren. Diese Arbeit, in der Zerbst die Nichtzulässigkeit der Ordination von Frauen postulierte, bildete eine zentrale Argumentationsstütze des konservativen Luthertums in der Frauenfrage.

1946 wurde Zerbst zum Superintendenten der Diözese Kärnten sowie zum amtsführenden Pfarrer der Villacher Gemeinde gewählt. In diesen Funktionen arbeitete er u.a. im Bereich der Betreuung und Integration der volksdeutschen Flüchtlinge mit der Kärntner Landesregierung und der britischen Besatzungsmacht zusammen, forcierte den Aufbau einer kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit und war für den Religionsunterricht in der Oberstufe des Villacher Gymnasiums zuständig.

Als Nachfolger von Gustav Entz wurde Fritz Zerbst 1955 auf den Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien berufen, wo er als mehr als 20 Jahre lang als einziger Fachvertreter alle Teildisziplinen lehrte und den geistlichen Nachwuchs wesentlich prägte. Zerbst Er wurde viermal zum Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät gewählt und gehörte acht Jahre lang dem Akademischen Senats an. Für das Studienjahr 1969/70 wurde er zum Rektor der Universität Wien und zum Vorsitzenden der österreichischen Rektorenkonferenz gewählt und fungierte zeitgleich auch als Vizepräsident der osteuropäischen Rektorenkonferenz. 1970 wurde ihm das Rektorserinnerungszeichen verliehen.

Daneben fungierte Zerbst von 1956 bis 1972 als Präsident des Diakonischen Werkes Österreich und von 1958 bis 1972 Vizepräsident des Internationalen Verbandes für Innere Mission und Diakonie.

1976 wurde Fritz Zerbst aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig emeritiert. Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde ihm 1979 die Festschrift "Theologia scientia eminens practica", (hg. von Hans-Christoph Schmidt-Lauber) gewidmet sowie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und die Goldene Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien verliehen. 1990 wurde ihm außerdem das Große Ehrenzeichen für besondere Verdienste um das Land Kärnten verliehen.

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Werke:

gem. mit Helmut Gollwitzer, Margarete Hoffer, Herbert Krimm: Evangelisches Christentum. Eine kurze Hilfe für kirchliche Unterweisung, 1935.
Amt und Frau in der Kirche (ev.-theol. Diss., Universität Wien), 1945.
Friede und Freude/Vom geistlichen Amt. Zwei Predigten, 1948.
Das Amt der Frau in der Kirche, 1950.
Konfirmandenbüchlein (hg. im Auftrag des Religionspädagogischen Ausschusses der Evang. Kirche A.u.H.B. in Österreich), 1951.
The Office of Woman in the Church, 1955.
gem. mit Gottfried Fitzer: Gottes Wort über Ehe und Familie. Öffentliche Vorträge auf der Generalsynode, 1956.
Steinzeit Heute. Gelbe Buschmänner im Süden Afrikas und die europäische Vorzeit, 1983.

Katharina Kniefacz

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