Heinrich von Ferstel

7.7.1828 – 14.7.1883
geb. in Wien gest. in Wien

Architekt des Hauptgebäudes der Universität Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal 1886

Der Erbauer des Hauptgebäudes der Universität wurde am 7. Juli 1828 in Wien als Sohn des Bankbeamten Ignaz Ferstel und der Antonia Anna Stache geboren. Er studierte am Polytechnikum (heute Technische Universität) und an der Akademie der bildenden Künste bei dem Architekten und Stadtbaumeister Carl Roesner (1804-69), dem Wegbereiter des romantischen Historismus in Wien, sowie bei Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg. Während der Revolution von 1848 diente er bei der 4. Kompanie der Akademischen Legion. Nach seinem Studium arbeitete er 1851-53 im Architekturbüro seines Onkels Fritz Stache (1814-1895).

Schon 1855 gewann er die Konkurrenzausschreibung um die Votivkirche. Dieses prestigeträchtige Projekt brachte er bis zum Jahr 1879 zu Ende und rückte damit schon in jungen Jahren in die vorderste Reihe der Ringstraßenarchitekten auf. Die Erhebung in den Adelsstand
(1869 Ritter-, 1879 Freiherrnstand) war damals die logische Folge. Daher zählt man ihn zu den vier "Baubaronen der Ringstraße". Gemeinsam mit seinem Schwager Karl Koechlin (1828-1894) schuf er zahlreiche markante Objekte. Nach spätromantischen Anfängen (Bank- und Börsengebäude, 1860)  dominierten die Formensprachen des Historismus und der Neo-Renaissance bei seinen Arbeiten. In Wien schuf er neben Wohnhäusern, Palais und der Votivkirche noch mehrere Monumentalbauten, wie das Museum für Kunst und Industrie (Museum für Angewandte Kunst, 1871), das Chemische Institut der Universität Wien (1872), die Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus (1873), das "Wasagymnasium" (1873), die Kunstgewerbeschule (Hochschule für Angewandte Kunst, 1877) und schließlich die Universität. Seit 1866 lehrte er auch als Professor für Hochbau am Polytechnikum.

In das Universitäts-Baukomitee wurde er 1868 berufen und ohne weitere Konkurrenz mit dem Neubau beauftragt. Die ursprüngliche Vorgabe, das Universitätsgebäude in mehreren Baublöcken in einem Halbkreis hinter der Votivkirche zu versammeln, lehnte er vehement ab. Nach der Freigabe
des Militärparadeplatzes konnte er die von ihm favorisierte Idee, die Universität direkt an der Ringstraße zu errichten, verwirklichen.

Die Vollendung seines letzten Großprojektes im Jahr 1884 erlebte er nicht mehr. Er verstarb am 14. Juli 1883 in seiner Grinzinger Villa an Tuberkulose. Aus seiner Ehe mit Charlotte Felmayer (1856) entsprossen fünf Söhne und eine Tochter. Sein ältester Sohn Max von Ferstel (1859-1936), ebenfalls Architekt, lehrte an der Wiener Technischen Hochschule, als deren Rektor er 1921/22 fungierte.

An mehreren Wiener Orten erinnern Denkmäler an den "Ringstraßenbaron" Ferstel; so vor der Technischen Universität, im Österreichischen Museum für Angewandte Kunst, in der Votivkirche, in der Schottenkirche, im Haus Hohenstaufengasse 2 sowie schließlich in der Universität im nördlichen Atrium vor dem Großen Festsaal. Hier befindet sich die nach einem Modell des bekannten Bildhauers Viktor Tilgner (1844-1894) hergestellte Bronzebüste in einem repräsentativen, mit Symbolen der Baukunst verzierten Epitaph, das von Ferstels Schüler Julian Niedzielski (1849-1901) entworfen und von Josef Pokorny (Bildhauerarbeit) und Eduard Hauser (Steinmetzarbeit) ausgeführt worden ist. Als Bekrönung trägt es das von Hugo Härdtl hergestellte Wappen Ferstels mit
der Freiherrnkrone. Unten befindet sich die Gedenkinschrift:

IHREM UNVERGESSLICHEN MEISTER /
HEINRICH V. FERSTEL / 1828-1883 /
DEM ERBAUER DIESES HAUSES /
DIE DANKBAREN ARBEITSGENOSSEN.

Es wurde im Jahre 1886 feierlich enthüllt. Der reiche Freskoschmuck dieses Raumes gibt eine Vorstellung von der malerischen Ausschmückung des Hauses, wie sie Ferstel ursprünglich auch für die Gewölbe in den Hofarkaden, den Festsaal und die großen Stiegenhäuser gedacht hatte.

Kurt Mühlberger, Palast der Wissenschaft. Ein historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina Vindobonensis. Wien: Böhlau; 2007. S. 45-47.
Kurt Mühlberger

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