Ignaz Philipp Semmelweis, Doz. Dr.

1.7.1818 – 13.8.1865
geb. in Budapest gest. in Oberdöbling bei Wien

Mediziner, Arzt, Geburtshelfer, Entdecker der Ätiologie des Kindbettfiebers

„Semmelweis war der erste Aseptiker. Asepsis, d.h. Desinfektion und Sterilisation, ist die Grundlage der modernen Medizin. Händehygiene ist auch heute noch die einfachste und wirksamste Maßnahme gegen die Übertragung von Infektionen.“
Elisabeth Presterl, Professorin für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrentafel-Fakultät 1892/93 Medizinische Fakultät
Denkmal 1908 Medizinische Fakultät
Denkmal 1944 Medizinische Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1967 Medizinische Fakultät

Ignaz Philipp Semmelweis war der Sohn einer deutschsprachigen Kaufmannsfamilie. Er studierte zunächst in Wien Jus, dann Medizin in Pest. Ab 1841 besuchte er wieder die Universität Wien, wo er 1844 zum Dr. der Medizin promoviert wurde. Anschließend arbeitete er als Assistent an der l. Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses, der Ausbildungsstätte für Ärzte. Diese Klinik führte seit 1784 Sterblichkeitsstatistiken, die Semmelweis für seine Forschungen zur Verfügung standen. 1839 wurde die 2. Geburtshilfliche Klinik zur Ausbildung von Hebammen gegründet, an der keine Obduktionen zu Lehrzwecken durch geführt wurden.

Semmelweis fiel auf, dass die Häufigkeit von Todesfällen durch Kindbettfieber an der Hebammenklinik wesentlich geringer war. Anhand der Sterblichkeitsstatistiken konnte er mit Hilfe der bei Joseph Skoda erlernten Methode der "diagnosis per exclusionem" nachweisen, dass das Kindbettfieber als Infektion zu werten sei. Diese Annahme untermauerte er mit systematischen Obduktionen, wobei ihn der Pathologe Carl von Rokitansky unterstützte. Schließlich kam er zu der Überzeugung, dass das Kindbettfieber durch die obduzierenden Ärzte übertragen wurde. Er machte für die wesentlich höhere Krankheitshäufigkeit an der Ärzteklinik die mangelnde Hygiene der Kollegen verantwortlich. Schließlich führte er Waschungen der Hände und Instrumente mit wässriger Chlorkalklösung ein. Es gelang ihm, mit dieser Maßnahme die Sterblichkeit zu senken, was seine Theorie des Kindbettfiebers bewies. Allerdings stand er mit dieser Meinung im krassen Gegensatz zu seinem Klinikchef J. Klein.

Letztendlich geriet Semmelweis mit seiner Theorie auch in die Mühlen der Revolution von 1848. Diese wurde in Wien hauptsächlich von Studenten- bzw. Professorenschaft und Bürgertum getragen. Ein wesentliches Zugeständnis der Regierung, das unter dem Eindruck der Revolution gemacht worden war, stellte die Lehr- und Lernfreiheit der Universität dar. Diese wurde von Seiten der progressiven Professorenschaft, deren wichtigste Vertreter Skoda und Rokitansky waren, sehr begrüßt. Dieselben traten auch massiv für die Anerkennung der Entdeckung ihres Schülers Semmelweis ein. Sie forderten eine von der Universität eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Zustände an der 1. Geburtshilflichen Klinik. Diese Forderung wurde allerdings von der konservativen Professorenschaft, der Klein angehörte und die auch staatliche Unterstützung genoss, attackiert.

An der Entdeckung Semmelweis‘ entzündete sich also der Streit zwischen konservativen und progressiven Vertretern innerhalb der Medizinischen Fakultät. An eine Verlängerung der Assistentenzeit Semmelweis‘ war damit nicht zu denken. Dennoch konnte er sich 1850 habilitieren, erhielt allerdings nur eine eingeschränkte Lehrerlaubnis.

1851 nahm er die Stelle des Leiters der Geburtshilflichen Abteilung am St. Rochusspital in Pest an. Auch hier gelang es ihm, die Müttersterblichkeit zu senken. Als 1857 der Lehrstuhl für Geburtshilfe an der Medizinischen Universität Budapest frei wurde, erhielt ihn Semmelweis gegen den Widerstand seiner Kollegen. Diese Position nützte er, um seiner Lehre endgültig zum Durchbruch zu verhelfen. Im folgenden Jahr erschien sein Werk "Äthiologie des Kindbettfiebers". Semmelweis starb unter bis heute nicht gänzlich geklärten Umständen in einer Wiener Anstalt für Geisteskranke an einer Sepsis.

Werk:

Die Äthiologie des Kindbettfiebers, Budapest 1858.

Sonia Horn
Ja