Johannes Hollnsteiner, Prof. Dr.

14.3.1895 – 1.2.1971
geb. in Linz gest. in Linz

Funktionen

DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1937/38
Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1936/37

Hollnsteiner, Sohn eines Bildhauers, besuchte von 1906 bis 1914 Staatsgymnasium in Linz und trat danach in das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ein. Sein Theologiestudium absolvierte er an der Hauslehranstalt St. Florian, wo er im Juni 1919 sein Absolutorium erlangte. Im gleichen Jahr erfolgte seine Weihe zum Priester. Im Oktober ging er zur Weiterführung seiner Studien an die Universität Wien, wo er im November 1920 mit der Dissertation "Untersuchungen zur Chronologie des Apostels Paulus" promovierte, und widmete sich in weiterer Folge dem Geschichtestudium am Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Wien sowie an der Universität Freiburg i. Br. In Freiburg promovierte er 1922 mit einer Dissertation über die Rechtsstellung des Stifts St. Florian im Mittelalter. Während seines Studiums in Wien trat er nicht nur der CV-Verbindung Norica bei, er war 1921 vorübergehend auch Mandatar des Katholisch-Deutschen Hochschulausschusses (KDHA) in der Deutschen Studentenschaft (DSt). Als zweiter Vorsitzender an der Universität Wien trat Hollnsteiner am Studententag in Erlangen im Juli 1921 für den Ausschluss von Juden aus der DSt ein.

Von 1923 an lehrte er als Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Hauslehranstalt St. Florian, wo er ebenso das Archiv und die Münzsammlung des Stifts leitete. Sein Forschungsinteresse galt v. a. den Konstanzer Konzilsakten, die er gemeinsam mit seinem Lehrer Heinrich Fin herausgab. 1925 folgte die Habilitation für Kirchengeschichte, im Jahr darauf ein Lehrauftrag für christliche Kulturgeschichte. Indes engagierte sich Hollnsteiner auch im Bereich der Kulturpolitik und fungierte u. a. von 1925 bis 1927 als Redakteur der Wiener "Reichspost", für die er auch danach – nun als freier Mitarbeiter – eine Vielzahl an Artikeln publizierte. Von 1927 bis 1928 als wissenschaftlicher Beamter an der Österreichischen Nationalbibliothek tätig, erhielt er 1930 den Titel eines ao. Prof. und war ab 1931 – nach Ausdehnung seiner venia legendi – auch für Kirchenrecht zuständig. Im Jahr davor hatte er die Katholische Akademikergemeinschaft gegründet, der er bis 1938 als geschäftsführender Vorsitzender angehörte. Weitere maßgebliche Funktionen übte Hollnsteiner ab 1932 als Mitglied des Wiener Diözesangerichts, von 1932 bis 1938 als Direktor des Thomaskollegs in Wien und von 1934 bis 1938 als Vizepräsident des Metropolitangerichtes aus.

Während der austrofaschistischen Herrschaft stieg er im Dezember 1934 zum Ordinarius auf, wie er auch allgemein als wichtiger Vertreter des Regimes fungierte. So stand er etwa in engem Kontakt zu Kurt v. Schuschnigg, ab 1934 österreichischer Bundeskanzler, aber auch zur Frau des Dichters Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel, deren geistlicher Führer Hollnsteiner war. In seiner 1935 erschienenen Broschüre "Die Kirche Österreichs. Ihre Eigenart und ihre Sendung", werte er den Ständestaat dementsprechend als durchwegs positive Erscheinung und pries den Verdienst Österreichs, "als erster moderner Staat den Aufbau eines solchen christlichen Staates durchzuführen". Diese Loyalität wussten die austrofaschistischen Machthaber auch insofern zu honorieren, als sie Hollnsteiner im Sommersemester 1936 – gemeinsam mit August Maria Knoll – mit der austrofaschistischen Pflichtvorlesung "Zur weltanschaulichen und staatsbürgerlichen Erziehung" an der Universität Wien betrauten. Im Studienjahr 1936/37 war er Senator, im Jahr darauf Dekan. Seine Haltung zum Nationalsozialismus war ambivalent und zumindest nicht von vornherein ablehnend. So plädierte er etwa am gesamtdeutschen Katholikentag 1933 – im Hinblick auf den Nationalsozialismus – für eine "Verchristlichung der säkularisierten u. erstarrten Kultur", andererseits publizierte er in den katholischen Zeitschriften "Das neue Reich" (bis 1932) und "Schönere Zukunft", in denen sich Anknüpfungspunkte zum Nationalsozialismus fanden. Nach dem "Anschluss" trat er jedenfalls mit einer Loyalitätserklärung an den neuen Unterrichtsminister, Oswald Menghin, heran. Die neuen Verhältnisse, so Hollnsteiner, erforderten von ihm "keine wesentliche Umstellung". Wie bei so vielen Exponenten des autoritären Ständestaates zeigten diese Sympathiebekundungen allerdings keinen Erfolg: Ende März verhaftete ihn die Gestapo, woraufhin er 14 Monate in Haft verbringen musste, davon 11 im KZ Dachau. An der Universität Wien wurde er mit Erlass des Unterrichtsministeriums vom 22. April 1938 "bis auf weiteres beurlaubt", dann in den zeitlichen Ruhestand versetzt, und schließlich gemäß § 4 der Berufsbeamtenverordnung – also aus politischen Gründen – entlassen.

Dass Hollnsteiner im April 1939 das Konzentrationslager verlassen konnte, war auf eine Intervention Franz Werfels zurückzuführen. Er kehrte nun in das Stift St. Florian zurück, wo er von nun als Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Hauslehranstalt tätig war. In diesem Zeitraum konnte er auch den Band II/2 der von Kirsch herausgegebenen Kirchengeschichte abschließen. Im April 1941 folgte die Beschlagnahme des Stifts durch die Gestapo, woraufhin die Chorherren das Stift verlassen mussten. Hollnsteiner konnte allerdings in St. Florian verbleiben und war weiterhin für die Betreuung der Bibliothek, des Archivs und der Kunstsammlungen verantwortlich. Einen Monat später trat er laut Buchmayr aus dem Orden aus und heiratete. Zwar hatten die NS-Machthaber über Hollnsteiner – neben den bereits genannten Maßregelungen – auch ein "Wien-Verbot" (ab 1939), sowie ein "Schreibverbot" und "Bücherverbot" (ab 1942) verhängt; nichtsdestotrotz konnte er die Bibliotheksleitung des im ehemaligen Stift eröffneten "Historischen Forschungsinstituts des Reichsgaues Oberdonau" übernehmen. In diesem betreute Hollnsteiner die Handschriften- und Archivbestände aus den Stiften des Landes.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges in St. Florian wurde Hollnsteiner im Oktober 1945 verhaftet und in das amerikanische Internierungslager Salzburg-Glasenbach gebracht. Das für ehemalige Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher vorgesehene Lager konnte er – ohne verurteilt worden zu sein – erst im April 1947 wieder verlassen.

Zu einer Rückkehr an die Universität Wien sollte es nicht mehr kommen: Während sich die verantwortlichen Instanzen mit einer Reaktivierung als Universitätsprofessor einverstanden zeigten und diese 1948 auch zustande kam, blieb ihm ein katholisch-theologischer Lehrstuhl – aufgrund seiner Heirat bzw. dem Ordensaustritt – verwehrt. Im Alter von 53 Jahren trat Hollnsteiner somit in den Ruhestand, und gründete im gleichen Jahr den Pilgram-Verlag, in dem unmittelbar nach der Gründung sein Buch "Das Abendland – Aufstieg, Krise, Zukunft" erschien. Bereits zwei Jahre später, mit der Verlegung des Verlages nach Salzburg, schied er jedoch als leitender Gesellschafter wieder aus. In weiterer Folge hielt er Kurse zur Kultur- und Geistesgeschichte – ab 1951 an der Volkshochschule Linz, ab 1953 auch an der Kunstschule der Stadt Linz. Ab 1950 war er zudem Vorsitzender der Sektion Oberösterreich der Österreichischen Liga für die Vereinten Nationen, und erhielt 1955 den Preis im Aufsatzwettbewerb der Vereinten Nationen. Anschließend war er Gast des US-State Department. Ab 1955 trat Hollnsteiner auch als Theaterkritiker hervor.

Mit seinen in den 1920er Jahren erschienenen quellenorientierten Werken fügte er sich nahtlos in die Tradition der "St. Florianer Historikerschule" ein. Besondere Bedeutung erlangten seine Arbeiten zum Konstanzer Konzil und seine Kirchengeschichte des 13. bis 15. Jahrhunderts.

Er erhielt den Ehrenring der Stadt Linz und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (beide 1965). Von 1958 bis 1960 war er Vorsitzender der Gesellschaft für den Volkskundeatlas Österreichs.

Archiv der Universität Wien, Katholisch-Theologische Fakultät, Personalakt 7 (Hollnsteiner). |
Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Bundeskanzleramt, Bestand „Berufsbeamtenverordnung“ (BBV). |
Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Bestand Unterricht, Personalakt Hollnsteiner. |
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Gauakt Hollnsteiner.

Andreas Huber

Druckversion