Julius Wagner-Jauregg, Prof. Dr.

7.3.1857 – 27.9.1940
geb. in Wels gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1895/96

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrendoktorat Dr.iur. h.c. 1936/37 Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
Ehrendoktorat Dr.phil. h.c. 1936/37 Philosophische Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1950/51 Medizinische Fakultät
Denkmal "Nobelpreis und Uni Wien" 2006 Medizinische Fakultät

Julius Wagner von Jauregg stammte aus einer Beamtenfamilie, die 1883 geadelt wurde. Er besuchte das Gymnasium am Schottenstift in Wien als Vorzugsschüler. Auch im Studium bestand er seine Prüfungen glänzend und wurde daher noch als Student wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Allgemeine und experimentelle Pathologie bei Salomon Stricker (bis 1882). Während dieser Zeit veröffentlichte Wagner von Jauregg bereits zwei wissenschaftliche Arbeiten. 1880 promovierte er und erhielt eine Anstellung als Assistent an Strickers Institut, das für seine tierexperimentelle Orientierung bekannt war.

1883 wurde ihm ein Posten an der nahezu unbekannten psychiatrischen Klinik von Max von Leidesdorf (1818-1889) angeboten. Wagner von Jauregg hatte sich mit diesem Fach vorher noch nie beschäftigt. 1885 konnte er sich jedoch bereits für Neurologie, der das Fach Psychiatrie zugeordnet war, habilitieren und lehrte als Privatdozent für Nervenpathologie. Aufgrund einer Erkrankung seines Chefs übernahm er kurz darauf auch die Supplierung der Klinik. Nach Leidesdorfs Tod leitete diese Richard Krafft-Ebing. Wagner von Jauregg übernahm wiederum dessen Neuropsychiatrische Klinik in Graz (1889 bis 1893). Während dieser Zeit beschäftigte sich Wagner von Jauregg besonders mit dem endemischem. Kretinismus, der im Steirischen Bergland stark verbreitet war. Er regte die Beimengung kleinster Mengen Jod und die Jodierung des Trinkwassers an, womit gute Erfolge bei der Behandlung des Kropfes erzielt werden konnten.

1893 wurde er als außerordentlicher Professor für Psychiatrie und Neuropathologie an die 2. Psychiatrische Klinik in Wien berufen, nachdem Krafft-Ebing zur 1. Psychiatrischen Klinik gewechselt hatte. Daneben fungierte er als Direktor der Niederösterreichischen Landesheil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke. Während des Ersten Weltkriegs war er auch für die Behandlung von Kriegsneurosen zuständig und setzte sich auch für die Verwendung elektrischer Zwangstherapien ein.

Julius Wagner-Jauregg beschäftigte sich in seiner Arbeit mit den Möglichkeiten der Fiebertherapie zur Behandlung von bis dahin unheilbaren Geisteskrankheiten. An der Psychiatrischen Klinik entwickelte Wagner von Jauregg um 1917 die Methode der Heilung der progressiven Paralyse (der Spätform der Lues) durch Fieber, das durch Malariaerreger hervorgerufen wurde (Malariatherapie). 1927 wurde ihm für diese Entdeckung der therapeutischen Bedeutung der Malariaimpfung der Nobelpreis für Medizin verliehen. Diese Therapie wurde bis zum Aufkommen der Antibiotika praktiziert.

Das dritte Interessengebiet Wagner-Jaureggs war die Kriminologie, wobei er als Gerichtsgutachter Berühmtheit erlangte. In diesem Zusammenhang machte er sich um die juristische Definition der Unzurechnungsfähigkeit und die Irrengesetzgebung verdient.

Der Wagner-Jauregg-Weg in Wien 14 wurde 1981 nach ihm benannt, ebenso die Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz.
Im Hauptgebäude der Universität Wien wird Julius Wagner-Jauregg seit 2006 im Rahmen der Installation "Nobelpreis und Universität Wien - ein Gruppenbild mit Fragezeichen" geehrt.

Involvierung in den Nationalsozialismus

Julius Wagner Jauregg war vor dem "Anschluss" Mitglied der Großdeutschen Volkspartei und trat u.a. durch eugenische und rassenhygienische Ideen sowie antifeministische Aussagen hervor. Sein am 21. April 1940 gestellter Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP wurde aber aufgrund der jüdischen Herkunft seiner ersten Ehefrau zurückgestellt. Seine Rolle während des Nationalsozialismus wurde seit 2005 kontroversell diskutiert.

Werke:

Untersuchungen über den Kretinismus, Wien 1893.
Zur Reform des Irrenwesens, Wien 1901.
Fieber und Infektionstherapie, Wien u.a. 1936.
Schönbauer, L u. Jantsch, M. (Hg.), Lebenserinnerungen, Wien 1950.

Sonia Horn, Katharina Kniefacz
Ja