Karl Bühler, Prof. Dr.

27.5.1879 – 24.10.1963
geb. in Meckesheim gest. in Los Angeles

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Tor der Erinnerung Bühler-Tor 1998/99

Karl Bühler wurde an der Universität Freiburg im Breisgau zum Doktor der Medizin promoviert (1903) und betrieb psychologisch-philosophische Parallelstudien, die er in Straßburg fortsetzte. 1904 erwarb er dort auch das Doktorat der Philosophie. In den folgenden Jahren wirkte er als Assistent und Dozent an den Universitäten Würzburg und Bonn, war von 1913 bis 1918 Dozent in München und erhielt 1918 einen Psychologie-Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Dresden. Im Zuge der Neubesetzung aller drei philosophischen Lehrkanzeln an der Universität Wien wurde Karl Bühler 1921 eine Professur angeboten, die er ein Jahr später annahm. Seine Professorenstelle wurde als "Ordinariat der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Psychologie und experimenteller Pädagogik" spezifiziert. In Zusammenarbeit mit seiner Frau Charlotte Bühler wirkte er am Aufbau des neugegründeten Psychologischen Instituts und einer weltweit anerkannten Psychologenschule mit. Durch seine Forschungen - im Bereich Sprache und Kreativität - trug Bühler neben Sigmund Freud entscheidend zur Entwicklung der Psychologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei. Er betätigte sich auch im Bereich der Lehrerbildung an der Pädagogischen Akademie der Stadt Wien und wirkte - gemeinsam mit seiner Frau Charlotte - bahnbrechend für die Etablierung der empirischen Sozialforschung. Er schrieb wegweisende wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Gestalt- und Kinderpsychologie sowie der Sprachtheorie; zu den wichtigsten zählen "Die geistige Entwicklung des Kindes" (1918), "Die Krise der Psychologie" (1927), "Ausdruckstheorie" (1933), "Sprachtheorie" (1934), "Die Zukunft der Psychologie und die Schule" (1936). Unter seinen Schülern und Mitarbeitern befanden sich unter anderem Paul LazarsfeldMarie Jahoda und Karl Popper. Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 wurde Karl Bühler von der Gestapo verhaftet und mehr als sechs Wochen in "Schutzhaft" gehalten. Ihm und seiner Frau blieb nur der Weg in die Emigration. 1940 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde Professor für Psychologie am St. Scholastica College in Duluth, Minnesota und lehrte daneben auch am College of St. Thomas, St. Paul, Minnesota. 1945 wechselte er als Assistant Clinical Professor of Psychiatry an die Medical School der University of Southern California, Los Angeles und wurde anschließend für zwei Jahre Consulting Psychologist am Cedars of Lebanon Hospital in Los Angeles. Obwohl es Karl Bühler in den USA gelang, Professorenstellen zu erhalten, konnte er die geistige Trennung von seiner früheren Wirkungsstätte nie verkraften.

Er wurde 1998 durch die Benennung eines der "Tore der Erinnerung" am Campus der Universität Wien nach ihm und seiner Frau geehrt (Bühler-Tor, Spitalgasse nächst Alserstraße).

Thomas Maisel

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