Konrad Lorenz, Prof. Dr.

7.11.1903 – 27.2.1989
geb. in Wien gest. in Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal "Nobelpreis und Uni Wien" 2005/06 Philosophische Fakultät

Nach dem Studium der Medizin an der Universität Wien und in New York promovierte er 1928 zum Dr. med. und wurde Assistent am II. Anatomischen Institut der Universität Wien unter der Leitung von Ferdinand Hochstetter. Daneben absolvierte er das Studium der Zoologie und promovierte 1933 zum Dr. phil. 1937 wurde Konrad Lorenz habilitiert und er lehrte von 1937 bis 1940 als Privatdozent für Zoologie mit besonderer Berücksichtigung der vergleichenden Anatomie und Tierpsychologie an der Universität Wien. Da dies die erste akademische Lehrbefugnis ihrer Art in Österreich war, gilt Lorenz auch als Begründer der vergleichenden Verhaltensforschung, die sich als eigenständiges Fachgebiet etablierte.

Die jahrelange Be­obachtung von Fischen und Vögeln (Graugänse) führte ihn 1937 zur heute noch gültigen Definition einer In­stinkthandiung als unveränderter, er­erbter Bewegungsfolge. Lorenz sah die In­stinkthandlungen als arterhaltend an. Deshalb alarmierte ihn die Beobach­tung des Verfalls dieser Handlungen bei Haustieren. Unter dem Einfluss des Sozialdarwinismus diagnostizierte Lorenz auch beim "zivilisierten" Menschen eine "Verhaustierung". Großstadtleben und Industrialisierung führten angeblich durch Schädigung des Erb­gutes zur Degeneration.

Involvierung in den Nationalsozialismus

Konrad Lorenz, der bereits vor dem "Anschluss" mit stammesgeschichtlichen und rassenkundlichen Arbeiten hervortrat, stellte im Juni 1938 einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP und wurde auch Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP. Ab 1939 biederte er sich in zunehmendem Maße den nationalsozialistischen Machthabern an und unterstützte die nationalso­zialistische Rassenpolitik.  Er forderte die Ausmerzung "Minderwertiger" und propagierte die Orientierung am überzeitlichen Schönheitsideal der griechischen Kunst. Nach dem Krieg beharrte Lorenz auf seinem Kulturpessimismus.

1940 wurde er als o. Prof. für Psychologie an die Philosophische Fakultät der Universität Königsberg berufen, folgte jedoch bereits 1941 der Einberufung zum Dienst in der Wehrmacht. Ab 1942 wurde er als Heerespsychiater und Neurologe in einem Lazarett in Posen/Polen eingesetzt, wo er u.a. an einer rassenkundlichen ("erbbiologischen") Untersuchung der Einwohner von Posen mitwirkte. 1944 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit

1948 kehrte Konrad Lorenz nach Österreich zurück. Er gründete 1949 in Altenberg in Niederösterreich das "Institut für vergleichende Verhaltensforschung" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1951-1957 leitete er eine "Forschungsstelle für Vergleichende Verhaltensforschung" der Max-Planck-Gesellschaft in Buldern/Westfalen. 1953 folgte die Ernennung von Konrad Lorenz zum Honorarprofessor für Zoologie an der Universität Münster, 1957 an der Universität München. Er wurde zunächst stellvertretender Direktor, ab 1961 Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Seewiesen/Bayern (bis 1973).

Er schuf die Grundlagen der evolutionä­ren Erkenntnistheorie (1973), enga­gierte sich in der Umweltbewegung und warnte bis zuletzt vor einer ökologischen Katastrophe. 1973 erhielten Konrad Lorenz, Karl von Frisch (D) und Nikolaas Tinbergen (NL) den "Nobelpreis für Physiologie oder Medizin" für ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern. 1974 wurde Lorenz Honorarprofessor für vergleichende Verhaltensforschung an der Universität Wien.

Die 1973 gegründete Konrad-Lorenz-Forschungsstelle für Ethologie untersteht seit 1990 der Universität Wien (Department für Verhaltensbiologie).

Im Hauptgebäude der Universität Wien wird Konrad Lorenz seit 2006 im Rahmen der Installation "Nobelpreis und Universität Wien - ein Gruppenbild mit Fragezeichen" geehrt.

Die Universität Salzburg widerrief am 15. Dezember 2015 die Ehrendoktorwürde, die Konrad Lorenz 1983 verliehen wurde. Als Gründe werden u.a. angeführt seine Selbstdarstellung als überzeugter Nationalsozialist: "meine ganze wissenschaftliche Lebensarbeit, in der stammesgeschichtliche, rassenkundliche und sozialpsychologische Fragen im Vordergrund stehen, im Dienste nationalsozialistischen Denkens steht" (1938) und die Positionen, die er auch in wissenschaftlichen Publikationen vertrat durch die Hervorhebung der „Ausmerzung“ bzw. „Auslese“ als wesentlicher Maßnahme für das Überleben der Menschheit und ihrer Verbindung mit dem Rassismus und der „nordischen Bewegung“ als Grundlage des Staates wesentliche Elemente der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus verbreitete. Diese Tatsachen und dass sie im Verfahren der Verleihung verschwiegen wurden ließen Konrad Lorenz der Universität Salzburg unwürdig erscheinen, als ihr Ehrendoktor geführt zu werden. (Link zum Senatsbeschluß Universität Salzburg, Dezember 2015)

Werke:

Über den Begriff der Instinkthand­lung, Folia biotheoretica, Ser., 2 (1937), 17-50.
Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung, Zeitschrift für Tierpsychologie 5 (1943), 235-409.
Er redete mit dem Vieh, den Vö­geln und den Fischen, Wien 1949.
Das so­ genannte Böse, Wien 1963.
Die Rückseite des Spiegels, München 1973.
Die acht Tod­sünden der zivilisierten Menschheit, Mün­chen 1973.
Der Abbau des Menschlichen, München 1983.

Sonia Horn, Katharina Kniefacz
Ja