Marie Jahoda, Dr. Dr. h.c.

26.1.1907 – 28.4.2001
geb. in Wien gest. in Keymer

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrendoktorat Dr.phil. h.c. 1998/99 Grund- und Integrativwissenschaftliche Fakultät
Tor der Erinnerung 1998/99 Geisteswissenschaftliche Fakultät
Denkmal Arkadenhof 2015/16 Fakultät für Sozialwissenschaften

Marie Jahoda wuchs in einer bürgerlichen Wiener Familie auf, in der man sich den Gedanken der Aufklärung und humanistischen Bildungsidealen verpflichtet fühlte. Ihr politisches Engagement begann schon während der Schulzeit, als sie der „Vereinigung sozialistischer Mittelschüler“ beitrat, zu deren Obfrau sie später auch gewählt wurde. 1920 begann sie an der Universität Wien das Studium der Psychologie und besuchte Lehrveranstaltungen an der Pädagogischen Akademie der Stadt Wien. Sie heiratete den Soziologen Paul Lazarsfeld und konzentrierte sich während ihres Studiums auf die Vorträge und Seminare des Forscherehepaares Karl Bühler und Charlotte Bühler, als deren Assistent Paul Lazarsfeld fungierte. Mit der Gründung des Vereins „Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle“ (Präsident: Karl Bühler) wurde der jungen empirischen Sozialforschung eine institutionelle Plattform geschaffen, an welcher Paul Lazarsfeld als wissenschaftlicher Leiter (gemeinsam mit Hans Zeisel) und Marie Jahoda als Mitarbeiter tätig waren. Die bedeutendste Studie des neugegründeten Vereins war die von Radio Wien (RAVAG) in Auftrag gegebene erste Höreruntersuchung (1931). Marie Jahoda promovierte 1932 und erarbeitete im folgenden Jahr gemeinsam mit ihrem Ehemann und Hans Zeisel ihre heute bekannteste Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“, welche die Auswirkungen der Massenarbeitslosigkeit für den einzelnen und seine Gemeinschaft dokumentierte. Sowohl die neuartige sozial psychologische Untersuchungsmethode als auch das brisante Thema der Arbeitslosigkeit machten das Forscherteam international bekannt. Nachdem Paul Lazarsfeld aus politischen Gründen von einem USA-Aufenthalt nicht mehr zurückkehrte, übernahm Marie Jahoda die Leitung der „Wirtschaftspsychologischen Forschungsstelle“, arbeitete aber auch als Hilfslehrerin in mehreren Volks- und Hauptschulen (1933/34).

Wegen ihres politischen Engagements in der Illegalität wurde sie 1936 verhaftet und die Forschungsstelle geschlossen. Nach neun Monaten Haft musste sie Österreich verlassen und emigrierte nach England, wo sie auch weiterhin in der Sozialforschung tätig sein konnte. Von 1945 bis 1958 lebte sie in den USA, wo sie unter anderem auch an der New Yorker Universität Sozialpsychologie unterrichtete. Zu ihren Forschungsthemen dieser Zeit zählen Untersuchungen über die Entstehungsgründe von Antisemitismus und Rassismus; die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Arbeitsprozess bildete dennoch weiterhin den Schwerpunkt von Marie Jahodas Forschungen. 1958 kehrte sie nach England zurück und lehrte bis zu ihrer Emeritierung 1973 an der Brunel University sowie an der University of Sussex.

Sie wurde 1998 durch die Benennung eines der „Tore der Erinnerung“ am Campus der Universität Wien geehrt (Jahoda-Tor, Durchgang von Hof 1 zu Hof 2) und durch die Verleihung des Ehrendoktorates, 2016 wurde für sie ein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien errichtet (Künstlerin: Catrin Bolt).

Thomas Maisel
Ja