Nikolaus Hofreiter, Prof. Dr.

8.5.1904 – 23.1.1990
geb. in Linz-Urfahr gest. in Wien

Funktionen

Rektor Philosophische Fakultät 1965/66
DekanIn Philosophische Fakultät 1963/64

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrenzeichen Ehrenz. gold. 1974/75

Nikolaus Hofreiter absolvierte gemeinsam mit Karl Fellinger das Realgymnasium in Linz und nahm nach seiner Matura 1923 in Wien ein Studium der Mathematik und Darstellende Geometrie an der Universität und an der Technischen Hochschule auf. Zu seinen Lehrern zählten u.a. Wilhelm Wirtinger und Hans Hahn, seine Dissertation über „Eine neue Reduktionstheorie für definite quaternäre quadratische Formen“ wurde von Philipp Furtwängler betreut. Er promovierte am 28. Juni 1927 zum Dr. phil., legte ein Jahr später auch die Lehramtsprüfung ab und absolvierte das Probejahr als Lehrer an einem Gymnasium in Wien. 1929 wurde Hofreiter Assistent seines Doktorvaters Furtwängler am Institut für Mathematik der Universität Wien. 1933 wurde er an der Universität Wien für Mathematik habilitiert (Habilitationsschrift: „Über einen Approximationssatz von Minkowski“) und hielt fortan als Privatdozent Vorlesungen über Spezialgebiete der Zahlentheorie.
1937 erhielt Hofreiter seinen ersten Lehrauftrag für Analytische Geometrie und hielt zusätzlich ab Anfang 1938 Lehrveranstaltungen an der Technischen Hochschule in Graz. An der Universität Wien wurde er mit 14. August 1939 zum außerordentlichen Professor für Mathematik ernannt. Im selben Jahr heiratete er die Mathematikerin Margarete Dostalik.

Nationalsozialismus

Nikolaus Hofreiter war seit Juni 1938 Anwärter der NSDAP und wurde 1941 Parteimitglied (Nr. 8.115.751), daneben gehörte er auch der NS-Volkswohlfahrt sowie dem nationalsozialistischen Reichslehrerbund an.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Hofreiter zum Dienst in der Lutwaffe eingezogen und war in den Folgejahren gemeinsam mit anderen Mathematikern an verschiedenen Luftforschungsanstalten, zuletzt an der Luftfahrtforschungsanstalt Hermann Göring in Braunschweig, u.a. an der Konstruktion neuer Waffen beteiligt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Gröbner, mit dem er auch 1944-46 an der Technischen Hochschule in Braunschweig lehrte, erarbeitete Nikolaus Hofreiter die Integraltafeln (Teil I: Unbestimmte Integrale, Teil II: Bestimmte Integrale), die schließlich 1944/1950 publiziert wurden.

Entnazifizierung und Nachkriegszeit

Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Hofreiter ab September 1945 bis April 1946 bei der Royal Air Force in Braunschweig eingesetzt. Obwohl das Dekanat im Mai 1945 im Zuge der „Entnazifizierung“ Hofreiters Enthaltung von der Lehrtätigkeit verfügt hatte, konnte er bereits nach seiner Rückkehr nach Wien 1946 seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien wiederaufnehmen. Im November 1948 stimmte das Ministerkomitee seiner dauernden Weiterverwendung an der Universität Wien zu und 1949 erfolgte die Wiederernennung zum ao. Professor der Mathematik.
Am 16. Februar 1954 wurde Nikolaus Hofreiter  zum Ordinarius für Mathematik und Vorstand des Instituts für Mathematik ernannt. Er wurde für das Studienjahr 1963/64 zum Dekan der Philosophischen Fakultät und für das Studienjahr 1965/66 zum Rektor der Universität Wien ernannt. 
Auch nach seiner Emeritierung 1974 hielt er weiterhin Lehrveranstaltungen über Darstellende Geometrie und Informatik (Programmieren). Zu seinen Schülern zählten auch die späteren Mathematikprofessoren Edmund Hlawka und Leopold Schmetterer.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte sich Hofreiter vor allem mit Zahlentheorie (Geometrie der Zahlen und diophantische Approximationen). Ab 1946 wandte er sich zunehmend der numerischen Mathematik, der linearen Optimierung sowie den neuen Methoden der Computerwissenschaft zu. Er fungierte auch über mehrere Jahre als Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift „Monatshefte für Mathematik“.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Nikolaus Hofreiter vielfach gewürdigt und erhielt u.a. 1965 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, 1967 das Komturkreuz des Gregoriusordens, 1968 den Ehrenring der Stadt Linz, 1969 die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold und 1978 das Große silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. 1970 wurde er zudem korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie 1974 Ehrenmitglied der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft und Ehrensenator der Universität Linz.
Die Universität Wien verlieh ihm 1966 – nach seiner Amtszeit als Rektor – das Rektorserinnerungszeichen. 1974 erhielt er außerdem das Goldene Ehrenzeichen der Universität Wien.

> Wikipedia

Katharina Kniefacz
  • Nikolaus Hofreiter, Rektor 1965/66

    Das Bild ist Teil der Rektorengalerie.

    BestandgeberIn: Archiv der Universität Wien UrheberIn: Maler Sergius Pauser Signatur: 105.P 119
    1967

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