Paulus de Sorbait, Dr. phil., Prof. Dr. med.

25.1.1624 – 29.4.1691
geb. in Montbliart bei Mons, Hennegau gest. in Wien

kaiserl. Leibarzt

Funktionen

Rektor 1668/69
DekanIn Medizinische Fakultät 1666
DekanIn Medizinische Fakultät 1669
DekanIn Medizinische Fakultät 1678

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Tor der Erinnerung 1998/99

Der spätere Pestarzt studierte in Köln, Paderborn, Wien und schließlich in Padua, wo er 1652 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Anschließend kehrte er nach Wien zurück, wurde zunächst ordinierender Arzt am Bürgerspital und Mitglied der Wiener Medizinischen Fakultät. Im Jahre 1656 erlangt er die Professur der Medizinischen Theorie, ab 1666 wurde er als Professor der Anatomie bzw. der Medizinischen Praxis (1668) geführt. Dreimal wählte man ihn zum Dekan der Medizinischen Fakultät (1666, 1669, 1678) und im Jahre 1668 zum Rector magnificus. Zudem wurde er in diesem Jahr auch zum Leibarzt der Witwe Kaiser Ferdinands III. (1637- 1657), Eleonore Gonzaga (1630-1686), bestellt. Als Professor der Theorie sorgte er für den Anatomie- und Botanikunterricht. Er gründete zum Teil aus privaten Mitteln die erste medizinische Fachbibliothek der Universität und ließ auf eigene Kosten das Goldberg-Stiftungshaus in Wien (Johannesgasse 13) für Studenten renovieren und darinnen eine Kapelle errichten. Im Jahre 1678 erkannte er frühzeitig die Vorboten der epidemischen Ausbreitung der Pest und wurde im darauffolgenden Jahr im Hinblick auf sein unermüdliches Wirken und seine Verdienste um das Wohl der Bevölkerung zum Generalinquisitor in Pestangelegenheiten ernannt. 1682 legte Sorbait seine Professur nieder. Während der Türkenbelagerung 1683 erwarb sich der beliebte Arzt neuerlich große Verdienste als Kommandant der Akademischen Legion bei der Verteidigung Wiens. Neben medizinischen Werken wie der Revision der Wiener Pestordnung und des „Consilium medicurn“ (1679) hat Sorbait auch Werke zu Geschichte und Organisation der Universität Wien verfaßt, hervorzuheben ist sein „Modus Promovendi Doctores in Archilycaeo Viennensi“ (1667) und seine Universitätschronik: „Catalogus Rectorum et Illustrium Virorum Archigymnasii Viennensis“ (1670) . Der Gelehrte wurde im Dom zu St. Stephan begraben. Im rechten Seitenschiff (Südwand) befindet sich sein Epitaph.

Er wurde 1998 durch die Benennung eines der „Tore der Erinnerung“ am Campus der Universität Wien geehrt (Sorbait-Tor, Durchgang von Hof 5 zum Institut für Hirnforschung).

Kurt Mühlberger
Ja