Richard Balthasar Wasicky, Prof. Dr.

6.2.1884 – 9.8.1970
geb. in Teschen gest. in Sao Paulo

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1924/25
DekanIn Medizinische Fakultät 1925/26
DekanIn Medizinische Fakultät 1926/27

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrendoktorat Dr.phil. h.c. 1953/54 Philosophische Fakultät

Wasicky, Sohn eines Bahnbeamten, besuchte das Albrechtsgymnasium in Teschen/Schlesien und studierte anschließend Pharmazie an der Universität Wien. Er schloss seine Studien mit dem Magistergrad ab (1906) und widmete sich in der Folge dem Medizinstudium, das er 1911 mit der Promotion zum Dr. med. beendete. Drei Jahre später erfolgte seine Habilitation für Pharmakologie, wonach er 1921 zum ao. Prof. und Vorstand des Pharmakognostischen Instituts und 1921 zum o. Prof. avancierte. Von 1924 bis 1926 war er Dekan der medizinischen Fakultät. Während seiner Tätigkeit an der Universität Wien lehnte er im Übrigen eine Berufung als Ordinarius für Pharmakologie und Pharmakognosie nach Belgrad (1921) sowie als Ordinarius für Pharmakognosie nach Lemberg ab.

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich – das Unterrichtsministerium beurlaubte ihn per 22. April – emigrierte er noch 1938 in die Schweiz und von hier aus weiter nach Paris, wobei dieser Entschluss laut "Vertriebene Pharmazie" "nicht wegen etwaiger jüdischer Herkunft" erfolgte. Laut Mühlberger wurde er allerdings aus "rassischen" Gründen zwangspensioniert. Laut Auskunft von Prof. Dr. Frank Leimkugel floh Richard Wasicky wohl wegen der Herkunft seiner Frau Marianne (geb. Joachimovits) - ihr Bruder, der Dozent Robert Joachimovits wurde ebenfalls von der Universität Wien vertrieben. In Paris gründete er die Exilorganisation "L'Association pour la liberation d L'Autriche", welche die politischen Verhältnisse in Österreich zu beeinflussen suchte. Als diese Bemühungen scheiterten, versuchte er im Rahmen der "Aktion Wasicky" ein "Office Autrichien" zu gründen, das allerdings nicht zustande kam. Gleichwohl erschien unter seiner Federführung die Zeitschrift "Freies Österreich – La libre Autriche", dessen erste Ausgabe im Mai 1940 veröffentlicht wurde und in dem u. a. auch Julius Deutsch und Franz Werfel publizierten.

1941 nahm er eine Berufung an die Universität Sao Paulo an, wo er nun als Institutsvorstand und Professor für experimentelle Pharmakognosie an der Fakultät für Odontologie und Pharmazie tätig war und zugleich das Pharmakognostische Institut leitete. Während des Krieges musste er sich allerdings mit der pharmakologischen Prüfung von Insektiziden und Mollusziden auseinandersetzen. Eine Rückkehr nach Wien kam nach Kriegsende nicht zustande, wiewohl Wasicky selbst seine Bereitschaft signalisiert hatte. Ab 1954 fungierte er als Professor und Direktor des Instituts für Biochemie an der Universität Rio Grande do Sul in Santa Maria. Im gleichen Jahr – Wasicky vollendete sein 70. Lebensjahr – verlieh ihm die Universität Wien das Ehrendoktorat der Philosophie, das er selbst zu den "in allen Kulturkreisen unseres Planeten […] eine der hoechsten akademischen Ehrungen" wertete.

Wasicky widmete sich in seinen Forschungen v. a. den Insektiziden, Rodentiziden, brasilianischen Heil- und Giftpflanzen wie auch der biologischen Prüfung von Heilmitteln. Als sein wichtigstes Werk gilt das "Lehrbuch der Physiopharmakognosie" (2 Bände, 1929-32).

Wasicky war Träger des Ehrendoktorats der Sorbonne (1937), der Gold Hanbury Medal for original research in the natural history and chemistry of drugs (1937), des Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst, Ehrenmitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und Offizier de la Legion d’honeur wie auch Offizier de la Sante publique (1949). Vor dem "Anschluss" war er zudem Vorsitzender des staatlichen Arzneipflanzenkomitees und ordentliches Mitglied des Obersten Sanitätsrates gewesen.

Archiv der Universität Wien, Medizinische Fakultät, Personalakt 542 und Personalakt 3669. | Archiv der Universität Wien, Rektoratsakten GZ 677-1937/38. | Österreichisches Staatsarchiv/Allgemeines Verwaltungsarchiv, Bestand Unterricht, Personalakt Wasicky.
Andreas Huber

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