Richard Böhmker, KR

9.12.1870 – 5.7.1954
geb. in Altona gest. in Wien

Kommerzialrat, Konservator des Bundesdenkmalamtes, prähistorische Ausgrabungen und Forschungen

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrenmedaille Ehrenmedaille gold 1923

Im November 1922 brachten Prof. Oswald Redlich, Prof. Rudolf Much und Prof. Oswald Menghin den Vorschlag vor, Richard Böhmker eine Auszeichnung der Universität Wien zu verleihen:

"Die Unterzeichneten möchten den hohen akademischen Senat auf eine Persönlichkeit aufmerksam machen, die schon seit Jahren in der wissenschaftlichen Welt Wiens eine unauffällige, aber desto dankenswertere Rolle spielt und auch um die Universität Wien sich verdient gemacht hat. Dies ist Kommerzialrat Richard Böhmker, der, am 9. XII.1870 in Altona geboren, nach Vollendung der Mittelschulstudien 1888 in die preußische Armee eintrat, in der er zum Leutnant avancierte. Im Jahre 1894 wurde er krankheitshalber superarbitriert. Er wandte sich dann dem Kaufmannsstande zu, in dem er sich Ansehen und ein bescheidenes Vermögen erwarb. Im Kriege stand er bis zu seiner Enthebung an der russischen Front und wurde Oberleutnant. Im Jahre 1921 erhielt er den Titel eines Kommerzialrates.
​Als kaufmännischer Direktor der Firma J. Rütgers nach Angern im Marchfelde verschlagen, begann sich Böhmker 1910 mit dem bekannten und wichtigen Schanzwerk im Stillfried zu beschäftigen, das schon lange eine regelmäßige Betreuung erforderte. Er gründete hier ein Lokalmuseum und einen Museumsverein, trug aber sie materiellen Kosten dieser Schöpfungen zum größten Teile aus eigener Tasche. Im Jahre 1917 veröffentlichte er einen ausgezeichneten geologisch-archäologischen Führer durch Stillfried. Für diese Wirksamkeit wurde Böhmker zuerst zum Korrespondenten, dann zum Konservator des Bundesdenkmalamtes ernannt. Im Jahre 1916 übersiedelte Böhmker nach Wien und entfaltete hier eine außerordentlich ersprießliche Tätigkeit in mehreren wissenschaftlichen Vereinen, so im Verein für Landeskunde von Niederösterreich, in der Wiener Anthropologischen und in der Wiener Präshistorischen Gesellschaft. Zu deren Ausschüsse und Vorstände berufen, befaßte er sich vor allem damit, unter Ausnützung seiner Beziehungen zur Finanzwelt den darniederliegenden Finanzen dieser Gesellschaften aufzuhelfen. Auch er selbst hatte stets eine freigiebige Hand, wenn es galt, Defizite zu decken, von den in 50 Millionen gehenden zinslosen Darlehen zur raschen Bezahlung drängender Rechnungen ganz abgesehen.
​Auch für die Universität selbst hat sich Böhmker nicht unbeträchtliche Verdiente erworben. Er brachte vor einigen Jahren die bekannte prähistorische Sammlung Windischgrätz an sich, um deren Abgang ins Ausland zu verhindern. Es warmöglich, diese Sammlung für das Prähistorische Institut der Universität zu gewinnen, indem Böhmker in entgegenkommender Weise einen sehr mäßigen Preis (3500000 K) verlangte, der ungefähr 1/3 des wahren Wertes der Sammlung ausmachte. Von diesem Kaufschilling hat Böhmker nachträglich dem Prähistorischen Institute der Universität noch 500000 Kronen gewidmet.
​In Anbetracht dieser Leistungen erlauben sich die Unterzeichneten, Herrn Richard Böhmker zu einer Auszeichnung durch den hohen akademischen Senat vorzuschlagen."

Rektor Karl Diener legte den Vorschlag umgehend den Mitgliedern der für die Verleihung des Ehrenzeichens zuständigen Kommission (Prof. Gustav Riehl, Prof. Ernst Schwind, Prof. Konstantin Hohenlohe, Prof. Richard Wettstein, Prof. Anton Eiselsberg und Prof. Wenzel Gleispach) vor. Nach deren Zustimmung in einer Sitzung am 12. Jänner 1923 wurde der Antrag auf Verleihung der goldenen Ehrenmedaille in der folgenden Senatssitzung vorgelegt und angenommen. Die Verleihung der goldenen Ehrenmedaille der Universität Wien erfolgte schließlich laut Senatsbeschluss vom 16. Jänner 1923. Die Ehrenmedaille samt Diplom wurde am 17. Februar 1923 im Rektorat der Universität Wien an Richard Böhmker überreicht.

> https://ufgsammlung.univie.ac.at/biographien/boehmker/

Archiv der Universität Wien, R 34.4: Ehrenbuch 1921-1959; Akademischer Senat, Gz. 708 ex 1919/20.
Katharina Kniefacz

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