Wilhelm Kerl, Prof. Dr.

2.2.1880 – 29.5.1945
geb. in Wien gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1933/34
DekanIn Medizinische Fakultät 1934/35
DekanIn Medizinische Fakultät 1935/36
DekanIn Medizinische Fakultät 1936/37

Kerl besuchte das Schottengymnasium in Wien und inskribierte anschließend an der hiesigen Universität. 1906 promovierte er und widmete sich unter Ernst Freund dem medizinisch-chemischen Bereich, um in der Folge ein Jahr an der Klinik unter Edmund Neusser zu arbeiten und sich bei Julius Hochenegg einer chirurgischen Ausbildung zu unterziehen. Der Dermatologie wandte sich Kerl ab 1910 zu, als er in die Klinik​ Gustav Riehls eintrat. Fünf Jahre später, im August 1915, habilitierte er sich in dieser Disziplin bzw. für Dermatologie und Syphilidologie. Zu diesem Zeitpunkt war Kerl auch im Ersten Weltkrieg im Einsatz, wobei er aber 1916 für die Tätigkeit an der Hautklinik entlassen wurde. Hier war Kerl – noch bis 1922 an der Klinik Riehl – sowohl für die administrative wie auch den Großteil der ärztlichen Leitung verantwortlich.

Anschließend leitete er von 1921 – im gleichen Jahr erhielt er den Titel eines ao. Prof. verliehen – bis 1926 das Ambulatorium für Haut- und Geschlechtskranke am Kaiserin-Elisabeth-Spital, bevor ihn 1926 der Ruf als Vorstand der Universitätshautklinik nach Innsbruck ereilte. Kerl sollte aber bereits im Jahr darauf wieder nach Wien zurückkehren und Ernst Finger als Leiter der Klinik für Geschlechts- und Hautkrankheiten in Wien folgen, wobei er diesen Posten bis 1938 innehatte. Vor dem "Anschluss" war er – ebenso wie Leopold Arzt – auch Präsident der Österreichischen Dermatologischen Gesellschaft gewesen, wie Kerl generell als Anhänger des autoritären Ständestaates zu charakterisieren ist. Ausdruck davon war auch sein vierjähriges Dekanat in den Studienjahren 1933/34 bis 1936/37. In diesem Zusammenhang ist aber darauf hinzuweisen, dass sich auch Anknüpfungspunkte zum Deutschnationalismus bzw. Antisemitismus in Kerls Biographie finden: So war er 1923 Mitglied des "Vereins deutscher Ärzte in Österreich", der auch den sog. Arier-Paragraphen exekutierte.

Nach dem "Anschluss" zog Kerl freilich keinen Nutzen daraus, und wurde ebenso wie Egon Ranzi und Leopold Arzt verhaftet. Acht Wochen musste er im Gefängnis in der Roßauer Lände verbringen. Nach dem Entzug der Lehrbefugnis im April 1938 folgte Ende Mai seine Versetzung in den zeitlichen Ruhestand. Von Bedeutung ist in Zusammenhang mit seiner Maßregelung auch, dass seine Frau gemäß der NS-Rassendoktrin als "Jüdin" galt, er die venia also auch ohne politische "Bedenken" verloren hätte. Der nächste Rückschlag folgte im März 1939 mit der Aberkennung seines Ruhegenusses, wobei Kerl im Februar des Folgejahres immerhin die Hälfte der ihm zustehenden Pension zugesprochen bekam ‑ und nun rückwirkend für die Monate April bis Juni 1939 die volle, ab Juli die halbe Pension erhielt. Da er von einer Tätigkeit an der Universität Wien bzw. wissenschaftlicher Arbeit ausgeschlossen war, führte er in weiterer Folge – laut Reichsärzteregister ab Juli 1939 – eine Privatpraxis als Hautarzt.

Seine Rehabilitierung nach Kriegsende war indes nur von kurzer Dauer, da er Ende Mai 1945 nach plötzlichem Herzversagen verstarb. In den Wochen nach der Befreiung fungierte er als – wiedereingesetzter – Vorstand der Klinik für Geschlechts- und Hautkrankheiten, als Prodekan der Medizinischen Fakultät wie auch als amtsführender Stadtrat für Volksgesundheit der Gemeinde Wien.

Kerl setzte sich in seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit nahezu sämtlichen Haut- und Geschlechtskrankheiten auseinander. Besondere Bedeutung erlangten seine Studien zur experimentellen Kaninchensyphilis wie auch Therapiestudien bei Geschlechtskrankheiten, v. a. der Syphilis. Wesentliche Verdienste erwarb sich Kerl, der bis zu seinem Tod über 100 Arbeiten veröffentlichte, aber auch um die Dermatologie wie etwa der Tuberkulose der Haut und der Radiumtherapie. Als eines seiner bedeutendsten Werke gilt die Monographie über die Melanosis Riehl.

In der Ersten Republik war Kerl Mitglied der Gesellschaft der Ärzte Wien, der Wiener dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen dermatologischen Gesellschaft gewesen.

Archiv der Universität Wien, Medizinische Fakultät, Personalakt 256. |
Bundesarchiv Berlin, Reichsärzteregister. |
Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Bundeskanzleramt, Bestand „Berufsbeamtenverordnung“ (BBV). |
Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Bestand Unterricht, Personalakt.

Andreas Huber

Zuletzt aktualisiert am 16.02.2018 - 01:26

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