Regional - Global

Internationalität gilt heute als Kennzeichen einer modernen Forschungsuniversität. Die Universität Wien versteht sich als internationale Universität mit weltweiten Kooperationen und Programmen für Incoming und Outgoing Mobility ihres Lehrkörpers. In groß angelegten Mobilitätsprogrammen wird der Austausch von Studierenden innerhalb des europäischen Universitätsnetzes gefördert.

Auch im Mittelalter war die Universität Wien ein Knotenpunkt der zentraleuropäischen Studenten- und Gelehrtenmobilität. Die Peregrinatio academica bildete einen integrativen Bestandteil des Hochschulwesens. Die Krise der Universitäten im 16. Jahrhundert und die Umgestaltung der Alma Mater Rudolphina zu einer habsburgischen Landesuniversität veränderten jedoch vieles. Der Einzugsbereich verengte sich weitgehend auf die habsburgischen Herrschaftsgebiete. Zeitweise war es den Untertanen aus konfessionellen und merkantilistischen Gründen sogar verboten, im Ausland zu studieren.

Zwar wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts konfessionelle Schranken abgebaut, aber auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchte der Staat durch Verbote, Auslandskontakte zu beschränken. Die Abschottung nahm erst durch die Universitätsreformen nach 1848 ein Ende. Dennoch konnte von echter Internationalität in einem Zeitalter steigender nationaler Konflikte noch keine Rede sein. Im 20. Jahrhundert schuf der Abbau von Grenzen im Rahmen der europäischen Integration neue Voraussetzungen, welche die offensive Internationalisierung der Universität ermöglichten (Bologna-Prozess).

Thomas Maisel