Die Universität Wien im Austrofaschismus

1933–11.3.1938

Das austrofaschistische Regime griff nach der Ausschaltung des Parlaments und dem Verbot der Oppositionsparteien (KPÖ, NSDAP, SPÖ) 1933/34 auch massiv in die Organisation der österreichischen Universitäten ein: politisch unerwünschte Lehrende und Studierende wurden diszipliniert und entlassen, die Lehrpläne neu ausgerichtet, ideologische Pflichtvorlesungen samt paramilitärischen Übungen und Hochschullagern eingeführt und zur Sicherstellung der „Ordnung“ die Staatspolizei in den Universitätsgebäuden stationiert. Den Universitätsalltag in dieser Zeit prägten bis 1938 auch weiterhin die Angriffe deutschnationaler und nationalsozialistischer Studierender gegenüber politischen GegnerInnen mit.

Weiterlesen

Bereits 1933 erließ die Bundesregierung eine Reihe von Gesetzen, die die österreichische Bildungspolitik nach austrofaschistischen Grundsätzen umgestalten sollten und politisch unerwünschte – nationalsozialistische, liberale oder sozialistische – Lehrende aus den Hochschulen zu entfernen. Akademische Funktionäre sollten von nun an ausschließlich Mitglieder der Vaterländischen Front werden können. Die vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) dominierte Deutsche Studentenschaft wurde 1933 aufgelöst, der NSDStB sowie alle sozialistischen und kommunistischen Studierendengruppen verboten.

Das am 1. Mai 1934 in Rom ratifizierte Konkordat des austrofaschistischen Staates mit der katholischen Kirche markierte den Einfluss der Konfessionalisierung, den die Kirche nun auch auf die Hochschulen ausüben sollte.

Mittels des Hochschulermächtigungsgesetzes und des Hochschulerziehungsgesetzes wurde der staatliche Eingriff in die Erziehungs- und Verwaltungsaufgaben der Hochschulen 1935 geregelt. Die Studentenvertretungen wurden durch vom Unterrichtsminister berufene Sachwalter ersetzt und die Einbindung der Lehrenden und Studierenden in die vaterländische Ideologie gesetzlich festgeschrieben. Zur weltanschualichen Schulung der Studierenden wurden Pflichtvorlesungen zu den „ideellen und geschichtlichen Grundlagen des österreichischen Staates“ und zur „weltanschaulichen und staatsbürgerlichen Erziehung“ und verpflichtende vormilitärische Hochschullager eingeführt. Die Anzahl der Studierenden der Universität Wien sank von ihrem Höchststand der Zwischenkriegszeit im Wintersemester 1932/33 – 12.870 Studierende – während des Austrofaschismus kontinuierlich um insgesamt 25 Prozent auf 9.180 Studierende im Wintersemester 1937/38.

Auch auf der symbolischen nahm das austrofaschistische Regime – direkt und indirekt – auf die Universität Wien Einfluss: Der Abschnitt der Ringstraße, an dem das Hauptgebäude der Universität Wien liegt, wurde vom „Ring-des-12.-November“ – zur Erinnerung die Ausrufung der Republik – 1934 in „Dr.-Karl-Lueger-Ring“ umbenannt, gewidmet dem antisemitischen Gründer der Christlichsozialen Partei und langjährigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als prestigereiche Gebäudeerweitung wurde 1936 im Hauptgebäude der Universität Wien das Auditorium Maximum eröffnet, das nun ausreichend Platz bot, um die neuen verpflichtenden Vorlesungen und Prüfungen für alle Studierende durchführen zu können. Zur Eröffnung wurde der Wiener Erzbischof eingeladen, um den Hörsaal zu weihen. Über der Rednertribüne thronten als staatspolitische Symbole ein großes Kruzifix und das neue, der Doppeladler mit den zwei Heiligenscheinen.