Othenio Abel, o. Univ.-Prof.

20.6.1875 – 4.7.1946
born in Wien died in Mondsee

Mitbegründer der Disziplin Paläobiologe

Functions

Dean Faculty of Philosophy 1927/28
Rector Faculty of Philosophy 1932/33

Honors

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Honorary Senator sen.h.c. 1940/41 (aufgehoben 1945)

Othenio Abel war der Sohn eines Gartenarchitekten und Privatdozenten an der Hochschule für Bodenkultur. Er begann ein rechtswissenschaftliches Studium an der Universität Wien, wechselte jedoch schon bald zu naturwissenschaftlichen Fächern (Geologie, Botanik). Nach der Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1899 war er hauptberuflich an der K.k. Geologischen Reichsanstalt tätig. Er erhielt 1904 einen Lehrauftrag an der Universität Wien und 1907 ein Extraordinariat für Paläontologie.

Gemeinsam mit Louis Dollo begründete Abel die Disziplin Paläobiologie, indem sie Lebensweise und Umwelt der fossilen Organismen rekonstruierten. Abel konnte außerdem wichtige Fortschritte bei deren Etablierung als selbständige Wissenschaft an der Universität Wien erreichen (o. Prof. 1917, Gründung des Paläobiologischen Instituts 1924) und war 1920-24 Präsident der Paläontologischen Gesellschaft. Ebel wurde auch als Erforscher der Bärenhöhle bei Mixnitz in der Steiermark bekannt und gab im Rahmen seiner publizistischen Tätigkeit die Werke "Wien, sein Boden und seine Geschichte" (1924) sowie "Grundzüge der Paläobiologie der Wirbeltiere" heraus. Er begründete die Zeitschrift "Paläobiologica" (insg. 280 Publikationen, darunter 20 Monografien). Abel wirkte als Volksbildner und Organisator der Wiener Universitätsreisen. Für seine wissenschaftliche Tätigkeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, Ehrendoktorate (Kapstadt, Athen) und Mitgliedschaften bei Akademien.

Othenio Abel war ein bekennender Antisemit und ein zentraler Vorkämpfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien. In inoffiziellen Netzwerken ("Bärenhöhle") wie auch in offiziellen Funktionen - 1927/28 als Dekan der Philosophischen Fakultät sowie 1932/33 Rektor - gestaltete er das antisemitische Klima an der Universität Wien in den 1920er und 1930er Jahren entscheidend mit, das sich sowohl in der Verhinderung jüdischer, linker oder liberaler WissenschafterInnen zeigte, aber auch in der offenen Unterstützung gewalttätiger Ausschreitungen deutschnationaler Studierender gegen jüdische und linke Studierende.

Während des Austrofaschismus wurde Othenio als überzeugter Nationalsozialist entlassen (Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand), im Nationalsozialismus dafür geehrt: Am 17. Jänner 1941 wurde Othenio Abel gemeinsam mit weiteren ehemaligen Professoren der Universität – Wenzel Gleispach, Karl Gottfried Hugelmann, Max Layer, Fritz Machatschek und Hans Uebersberger sowie dem japanischen Baron Takaharu Mitsui zum Ehrensenator der Universität Wien ernannt. Die Ehrungsform des „Ehrensenators“ war infolge des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich durch die Übernahme der deutschen Hochschulgesetze eingeführt worden und wurde während des Nationalsozialismus nur dieses eine Mal verliehen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss der Senat der Universität Wien in seiner Sitzung vom 19. Mai 1945 diese Ernennungen wieder aufzuheben, da „die österreichischen Bestimmungen die Ernennung von Ehrensenatoren nicht vorgesehen haben“. Das Unterrichtsamt wurde verständigt und stimmte dem Antrag zu, die Träger der aufgehobenen Ehrensenatorentitel wurden jedoch nicht benachrichtigt.

Der seit 1985 von der Akademie der Wissenschaften verliehene Othenio-Abel-Preis ist seit 2012 nicht mehr nach ihm benannt und auch ein nach ihm benannter Hörsaal im Geozentrum der Universität Wien wurde umbenannt.

Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat GZ 464 ex 1944/45
Katharina Kniefacz, Herbert Posch
Ja