August Emil Vogl Ritter von Fernheim, Prof. Dr.

3.8.1833 – 25.7.1909
geb. in Mährisch Weißkirchen (Hranice na Moravě, Tschechische Republik) gest. in Bozen

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Denkmal UZA-Pharmazentrum

In der Aula des Pharmazie-Zentrums am UZA II erinnert ein historisches Porträt-Wandrelief an August Emil Vogl.

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1876/77
DekanIn Medizinische Fakultät 1881/82
DekanIn Medizinische Fakultät 1882/83
DekanIn Medizinische Fakultät 1884/85
Rektor Medizinische Fakultät 1887/88
DekanIn Medizinische Fakultät 1889/90
DekanIn Medizinische Fakultät 1893/94

August Emil Vogl, Sohn eines Apothekers, besuchte die Gymnasien in Olmütz sowie Kremsier und begann 1854 ein Studium an der medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie (Josephinum) in Wien. Nach seinem Kriegsdienst als provisorischer Oberarzt in Mantua 1859 (Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg) promovierte er 1860 zum Doktor der gesamten Heilkunde und wurde zeitgleich zum Oberarzt ernannt. Anschließend wurde Vogl Assistent für Naturgeschichte bei seinem Lehrer Constantin von Ettingshausen am Josephinum. 1864 wurde er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien für das Fach Pharmakognosie habilitiert. 1866 zum k. k. Regimentsarzt befördert, war er anschließend an mehreren Spitälern als Arzt tätig. Ab 1867 betätigte sich Vogl als Bibliothekar am Josephinum und wurde ebendort 1869 Adjunkt am chemischen Laboratorium unter Franz Schneider. 1870 wurde er als außerordentlicher Professor für Botanik und Zoologie an das deutsche polytechnische Institut in Prag berufen, wo er 1873 zum Ordinarius ernannt wurde. Hier lehrte er auch Mikroskopie und allgemeine Warenkunde.

1874 folgte August Emil Vogl einem Ruf auf die ordentliche Professur für Pharmakologie und Pharmakognosie an der Universität Wien. Als Nachfolger von Professor Karl Damian von Schroff übernahm er hier bis zu seiner Emeritierung 1904 auch die Leitung des Instituts und des Laboratoriums für Pharmakologie und Pharmakognosie. Vogl fungierte zudem sechsmal als Dekan der Medizinischen Fakultät (1876/77, 1881/82, 1882/83, 1884/85, 1889/90 und 1893/94) und wurde für das Studienjahr 1887/88 zum Rektor der Universität Wien gewählt. Daneben war er Stipendienreferent der Medizinischen Fakultät sowie Kurator der Mandelli-Bretschneider’schen Universitätsstiftung.

August Emil Vogl gilt heute als Begründer der modernen Pharmakognosie, die er zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Grunddisziplin der Pharmazie entwickelte. Neben der bisher üblichen botanisch-anatomischen Sicht auf Arzneipflanzen forcierte er auch histologische, mikrochemische sowie entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen von Drogen und ihrer Stammpflanzen. Unter seiner Ägide entwickelte sich das Mikroskop zu einem zentralen Hilfsmittel der Pharmakognosie und 1889 wurden mikroskopische Übungen für Pharmaziestudenten eingeführt. Zu Vogls Hauptwerken zählen sein dreibändiger „Commentar zur österreichischen Pharmacopoe (1869), ein „Lehrbuch der Arzneimittlellehre“ (1886) sowie „Pharmakognosie. Ein Lehr- und Handbuch für Studierende, Apotheker, Drogisten, Sanitätsbeamte und Aerzte“ (1892). Mit beispielhafter Präzision führte er anatomische Analysen von etwa 50.000 Drogen durch, einige davon publiziert in der 1889 veröffentlichten „Pharmacopoea Austriaca VII“.
Vogl lieferte auch richtungsweisende Beiträge im Bereich der Nahrungsmittelkunde. Er zählt zu den Begründern der mikroskopischen und mikrochemischen Untersuchung von Nahrungs- und Genussmitteln und lieferte mit seinem Buch „Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genussmittel mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Untersuchung auf ihre Echtheit, ihre Verunreinigungen und Verfälschungen“ (1899) eines der ersten Standardwerke der Ernährungswissenschaft. Seit 1886 gab er auch Kurse für Lebensmittelkunde.

Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit war Vogl ab 1879 Mitglied des Obersten Sanitätsrats (1897 Präsident). Zudem gehörte er ab 1897 dem ständigen Beirat des Ministerium des Innern für Lebensmittelangelegenheiten sowie ab 1899 dem Patent-Gerichtshof an und war somit in die Organisation der staatlichen Lebensmitteluntersuchungsanstalten involviert.

Für seine Verdienste wurde August Emil Vogl vielfach geehrt: Er war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften in Österreich, Deutschland, Frankreich, England, Belgien, der Schweiz und Amerika, darunter der Gesellschaft der Ärzte in Wien (1875, 1905 Ehrenmitglied), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1885) sowie der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien (korrespondierendes Mitglied 1885). Er erhielt 1885 das Ritterkreuz des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse, 1894 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens sowie die Flückinger-Medaille, 1895 die goldene Hanbury-Medaille der Pharmaceutical Society of Great Britain und 1897 das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens. 1888 wurde er zum Hofrat ernannt und 1898 in den erblichen Ritterstand (Ritter von Fernheim) erhoben.
Seine Schüler überreichten August Emil Vogl Ritter von Fernheim 1899 anlässlich einer Feier seiner 25-jährigen Lehrtätigkeit sowie 1903 anlässlich seines 70. Geburtstages je eine Widmungskassette mit Fotoalben seines Schülerkreises. Sie befinden sich heute in der Sammlung der Fachbereichsbibliothek Pharmazie und Ernährungswissenschaften. Anlässlich seiner Emeritierung 1904 gaben die Österreichische pharmazeutische Gesellschaft in Wien und der Allgemeine österreichische Apotheker-Verein eine Huldigungsschrift für ihn heraus (pdf).

Nach seinem Tod 1909 wurde Vogl in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof bestattet.
Im Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte in Wien ist heute ein Raum nach ihm benannt. In der Aula des Pharmazie-Zentrums am UZA II erinnert ein Porträt-Wandrelief an August Emil Vogl.

Österreichisches Biographisches Lexikon
> Wien Geschichte Wiki
​> Fachbereichsbibliothek Pharmazie und Ernährungswissenschaften: Widmungskassette für August Emil Vogl

Werke (Auswahl)

Die Chinarinden des Wiener Großhandels und der Wiener Sammlungen, 1867.
Commentar zur österreichischen Pharmacopoe (3 Bände), 1869.
Nahrungs- und Genussmittel aus dem Pflanzenreiche, 1872.
Die gegenwärtig am häufigsten vorkommenden Verfälschungen und Verunreinigungen des Mehles und deren Nachweisung, 1880.
​Hg. mit Wenzel Bernatzik: Lehrbuch der Arzneimittlellehre, 1886.
Anatomischer Atlas zur Pharmakognosie, 1887.
Garcia de Orta und seine Bedeutung für die Pharmakognosie (Inaugurationsrede), 1887.
Pharmakognosie. Ein Lehr- und Handbuch für Studierende, Apotheker, Drogisten, Sanitätsbeamte und Aerzte, 1892.
Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genußmittel mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Untersuchung auf ihre Echtheit, ihre Verunreinigungen und Verfälschungen, 1899.  

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 01.03.2020 - 20:06

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