Constantin Alexander Economo Freiherr von San Serff, Prof. Dr.

21.8.1876 – 21.10.1931
geb. in Brăila gest. in Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1966 Medizinische Fakultät

Als Sohn einer angesehenen und vermögenden griechischen Familie wurde Constantin Economo am 21.08.1876 in Brăila/Rumänien geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt übersiedelte die Familie nach Triest, wo Economo seine Kindheit und Jugend verbrachte und am Deutschen Gymnasium die Reifeprüfung ablegte.

Auf Wunsch des Vaters besuchte er danach zunächst die Technische Hochschule in Wien. Zwei Jahre später entschied er sich jedoch zum Studium der Medizin an der Universität Wien, wo er durch morphologische und experimentelle Studien zur Hirnanatomie unter den Histologen Viktor Ritter von Ebner-Rofenstein und Josef Schaffer sowie dem Physiologen Sigmund Exner-Erwarten und dem Neurologen Heinrich Obersteiner den Grundstein für seine spätere Spezialisierung legte.

1899 wurde in den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften seine erste wissenschaftliche Arbeit „Über die Entwicklung der Vogelhypophyse“ veröffentlicht. Im Jahr 1901 wurde Economo zum Doktor der Medizin promoviert und arbeitete im Anschluss für die Dauer eines Jahres als Hospitant unter Hermann Nothnagel an der I. Medizinischen Universitätsklinik.

Von 1904 bis 1906 führte ihn eine zweijährige Studienreise nach Paris, Nancy, Straßburg, München, Berlin und Triest. Während dieser Reise vertiefte Economo seine Studien und Kenntnisse zu Neurologie, Histologie, Psychiatrie und Hypnose. Nach seiner Rückkehr trat er eine Assistenzstelle unter Julius Wagner-Jauregg an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien an. Economo habilitierte sich 1913 für Psychiatrie und Neurologie, 1920 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt.

Neben der Wissenschaft galt seine zweite Leidenschaft der Luftfahrt. Ab 1910 war er Präsident des Österreichischen Aero-Clubs und erhielt 1912 als erster Österreicher ein internationales Pilotenzeugnis. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete er sich als Freiwilliger und war zunächst an der russischen Front, später als Pilot im Einsatz.

Die Entdeckung der Encephalitis lethargica

Gegen Ende des Jahres 1916 kehrte Economo nach Wien zurück, wo er als Militärarzt vor allem Patienten mit Kopfverletzungen behandelte und erstmals ein bis dahin unbekanntes Krankheitsbild mit rätselhafter Symptomatik beschrieb. Er nannte die Krankheit Encephalitis lethargica.

Diese Gehirnentzündung, deren entzündlichen und infektiösen Charakter Economo nachweisen konnte, verursachte unter anderem eine Lähmung der Augen und Gliedmaßen, Bewusstseinsstörungen und starke Schläfrigkeit. Dies führte oft dazu, dass erkrankte Menschen sogar im Stehen oder während des Essens einschliefen, wodurch die Krankheit im nicht-wissenschaftlichen Sprachgebrauch als „Europäische Schlafkrankheit“ bekannt wurde.

In der Wiener klinischen Wochenschrift vom 10. Mai 1917 schilderte Constantin Economo den Fall einer jungen Patientin:

26-jähriges Mädchen: Von der Polizei auf die psychiatrische Klinik gebracht. Seit zwei Tagen verwirrt, schlafe, wo sie gehe und stehe, ein. Auf der Klinik geht Patientin mit geschlossenen Augen wie eine Schlafwandelnde, lebhaft delirierend und allerlei buntes Zeug redend, im Zimmer herum. Am Abend plötzlich Lungenödem und Exitus.

Die meisten Patienten verstarben innerhalb weniger Wochen. Es gab auch Genesungen, jedoch behielten diejenigen, die die Krankheit überlebten, häufig schwere chronische, parkinsonähnliche Symptome zurück. 

Da sich die Fälle von Patienten, die an der Encephalitis lethargica litten, binnen kürzester Zeit dramatisch häuften, spekulierte Economo, dass es sich um eine Epidemie handeln könnte. Zwischen 1916 und 1927, dem Höhepunkt der Epidemie, erkrankten Schätzungen zufolge mindestens 500.000 Menschen weltweit daran. Spätere Einzelfälle wurden bis Ende der 1940er Jahre dokumentiert. Die Ursache der Krankheit ist bis heute ungeklärt.

Zytoarchitektonische Forschungen

Einen Meilenstein in der neuroanatomischen Forschung setzte Economo in der Fortführung und Weiterentwicklung der auf Theodor Meynert und Korbinian Brodmann basierenden Zytoarchitektonik. Gemeinsam mit Georg Koskinas veröffentlichte er im Jahr 1925 das bahnbrechende Werk Die Zytoarchitektonik der Großhirnrinde des erwachsenen Menschen, welches in zwei Bänden publiziert wurde. Der Bilderatlas mit 112 großformatigen Abbildungen des Cortex cerebri sollte als Basis für künftige Hirnforschungen dienen. Zuletzt wurde der Atlas im Jahr 2008 neu aufgelegt.

Constantin Economo blieb, trotz mehrfacher Angebote aus dem Ausland (u.a. aus Zürich), bis zu seinem Tod an der Psychiatrischen Klinik in Wien tätig. 1928 wurde er Vorstand des Psychiatrischen Vereins, lehnte jedoch die Nachfolge Wagner-Jaureggs ab, um sich ganz seinen Forschungen widmen zu können. Er publizierte insgesamt etwa 150 Artikel und Bücher. 1931 begründete er mit Unterstützung von Otto Pötzl, dem Nachfolger Wagner-Jaureggs, ein eigenes Hirnforschungsinstitut als eigenständige Abteilung der Psychiatrischen Klinik. Economo wurde Vorstand dieser Abteilung und widmete sich der Erforschung der Zell – und Faserarchitektonik des Gehirns.

Völlig unerwartet verstarb Constantin Economo an den Folgen eines Herzinfarktes am 31.10.1931 in Wien.

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Manuela Bauer

Zuletzt aktualisiert am 02.04.2020 - 21:36