Dietrich Rudolfi von Hammelburg, Mag. art., Dr. theol.

14.Jhdt – 1428
geb. in Hammelburg

(latinisiert: Theodricus Rudolf bzw. Theodoricus Rudolffi de Hammelburg)

 

Funktionen

DekanIn Artistenfakultät 1408
DekanIn Artistenfakultät 1412/13
Rektor 1413
Rektor 1417/18
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1420/21
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1421
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1421/22
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1422
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1422/23

Der aus dem fränkischen Hammelburg stammende Dietrich Rudolfi (Rudolfi ist nicht der Familienname, sondern der Vatersname) wurde im Wintersemester 1394/95 an der Universität Wien immatrikuliert und 1398/99 zum Bakkalarsexamen zugelassen. 1402 trat er zur Lizenziatenprüfung an, ab 1403 wird er als Magister artium genannt. Bis 1423 hielt er Vorlesungen an der Artistenfakultät, mehrfach fungierte er als Prüfer (examinator) der angehenden Bakkalare. Im Wintersemester 1407/08 wurde er zum Berater (consiliarius) des Dekans gewählt, zwei Jahre später (1408/09) zum Thesaurar (receptor). Zweimal – im Sommersemester 1408 und im Wintersemester 1412/13 – stand er der Fakultät als Dekan vor.

Darüber hinaus war Dietrich Deputierter in verschiedenen Kommissionen, beispielsweise gehörte er 1409 einer Delegation an, die nach einer Auseinandersetzung zwischen Universitätsangehörigen und Bäckern beim Herzog vorsprach. Im selben Jahr verhandelte er mit der Stadt Wien wegen der Frage von Steuerleistungen durch die Mitglieder der Hochschule. 1411 begleitete er Johannes Berwart nach Rom, wo dieser dem neugewählten Papst Johannes XXIII.  den Rotulus mit den Pfründenansuchen der Universitätsangehörigen zur Bestätigung übergab. 1418 wurde Dietrich erneut mit der Überbringung des Rotulus – diesmal an Martin V. – betraut.

Schon bald nach Erlangung des Magisteriums – vermutlich um 1405 – begann Dietrich mit dem Studium der Theologie. 1409/10 las er in Vorbereitung auf das Bakkalaureat als cursor biblicus über das Buch Levitikus, in den Jahren 1410 und 1411 als sententiarius über Petrus Lombardus. 1420 wurde er zum Lizenziaten sowie zum Doktor der Theologie promoviert. Neben seiner Lehrtätigkeit war er von April 1420 bis Mai 1423 Dekan der Theologischen Fakultät. 1424 vermittelte er gemeinsam mit Nikolaus von Dinkelsbühl und dem damaligen Dekan Bartholomäus von Ebrach in einem Streit zwischen Peter von Pulkau (mit dem Dietrich offenbar enger befreundet war) und Petrus Reicher von Pirawarth.

Neben seiner Tätigkeit in den Fakultäten bekleidete Dietrich im Sommersemester 1413 sowie im Wintersemester 1417/18 das Rektorsamt. Während seiner ersten Amtszeit ersuchte der Offizial des Bischofs von Olmütz die Universität um Unterstützung im Kampf gegen die Lehren Wycliffs; Dietrich von Hammelburg übergab ihm die Unterstützungserklärungen der Fakultäten zur Präsentation in Rom. Während seines zweiten Rektorats ließ er die Aufzeichnungen der Rektoren, die Acta Universitatis, auf fehlerhafte Einträge überprüfen.

Daneben befasste sich Dietrich auch mit studentischen Belangen. 1414 gehörte er der Kommission zur Überprüfung der Bursenstatuten an. 1423 war er gemeinsam mit Thomas Ebendorfer und Peter von Pulkau an der Errichtung der Rosenburse beteiligt.

Als Theologe kam Dietrich nicht umhin, sich mit den wesentlichen theologischen Fragen seiner Zeit – dem Kampf der Kirche gegen abweichende Lehrmeinungen sowie das Schisma – zu befassen. 1414 gehörte er einer von der Artistenfakultät nach Passau entsandten Delegation an, die mit dem Bischof über die Vorbereitungen für das geplante Konzil in Konstanz beraten sollte. Auf dem Konzil war er 1415 als Deputierter der Artistenfakultät an der Ausarbeitung einer Klage der Universität gegen den Passauer Dompropst beteiligt.

1418 wurde Dietrich auf Wunsch Herzog Albrechts V., der auch die Finanzierung übernahm, gemeinsam mit Bartholomäus von Ebrach, Johannes Schallermann und Peter Deckinger zur Salzburger Provinzialsynode entsandt. Im Rahmen der Synode wurden er sowie Lambert von Geldern, Johannes Syndrami, Michael Falco und Christian von Königgrätz mit der Abfassung eines libellus für den Erzbischof betraut. Dieses wohl nicht ausgeführte Werk befasste sich möglicherweise mit der Sakramentenspendung. Dass Dietrich die Universität auch auf der im folgenden Jahr abgehaltenen Synode in Passau vertrat, ist wahrscheinlich, aber nicht belegt.

1426 reiste Dietrich als Gesandter Albrechts V. nach Rom, wo er vor dem Papst die Position des Herzogs im Passauer Bistumsstreit verteidigte. Von dieser Reise brachte er eine Abschrift der theologischen Statuten der Universität Bologna nach Wien, die er der Theologischen Fakultät übergab.

Dietrich von Hammelburg war nicht nur intensiv mit kirchenpolitischen Fragen befasst, sondern hatte auch diverse kirchliche Pfründen inne. 1416 wurde er als Kanoniker in Wien installiert. Seit 1423 als Domherr in Passau nachweisbar, war er 1427 und 1428 als Offizial in Wien tätig. 1422 wurde er Kaplan des Herzogs Ernst von Innerösterreich. Im selben Jahr wird er als Pfarrer von Traunkirchen genannt. Dietrich war der Pfarre offenbar sehr verbunden, da er 1425 er auf eigene Kosten eine Abschrift der moraltheologischen Abhandlung Summa de casibus conscientiae des Bartholomäus de Sancto Concordia (nach dem Exemplar im Collegium ducale) erstellen ließ, die er der Pfarre übergab. Dietrich Rudolfi von Hammelburg starb im Jahr 1428, vermutlich am 28. September. Die in der Literatur teilweise aufgestellte Behauptung, er sei noch 1431 Passauer Generalvikar gewesen, ist nicht zu halten.

Dietrich konnte als wesentlicher Schreiber der Codices 4682, 4898 und 4095 der Österreichischen Nationalbibliothek identifiziert werden, die Codices enthalten die Kommentare seines Lehrers Michael Suchenschatz zum Lukas-Evangelium. An eigenen Schriften sind vor allem die in Cod. 3489 enthaltenen Schriftstücke zum Passauer Bistumsstreit zu nennen. Diese aus dem Besitz Dietrichs stammende Handschrift enthält neben den Abschriften wichtiger Dokumente auch eigene Texte wie die in Rom vor dem Papst gehaltenen Reden. Weiters findet sich in Cod. 4680 ein Bericht vom 25. Mai 1426 über den Ablauf der Mission in Rom. Die von Gerda (Mraz-)Koller aufgestellte Vermutung, dass der Bericht an den Rektor gerichtet war, scheint angesichts der Anrede Reverende pater, die auf einen ordinierten Priester hinweist, zweifelhaft: Zumindest kann es sich bei dem Adressaten nicht um den Rektor des Sommersemesters 1426 handeln, da dieser – der Dekretist Konrad Lutz von Hallstadt – kein Priester war. Möglicherweise war er an seinen Vorgänger Petrus Reicher von Pirawarth gerichtet. Eine weitere Option ist, dass der Brief an den ursprünglichen Besitzer der Handschrift – Thomas Ebendorfer – gerichtet war. Der zum überwiegenden Teil von Ebendorfer selbst geschriebene Codex, den er testamentarisch der Rosenburse vermacht hatte, enthält Traktate, Reden und Predigten. Es ist möglich, dass Ebendorfer den an ihn gerichteten Brief für weitere Aufzeichnungen nutzte (auf demselben Blatt befinden sich auch Teile eines Konzepts für eine Predigt zum Allerheiligenfest 1431) und der Brief auf diese Weise seinen Weg in die Handschrift fand.

 

>>> Edit Anna Lukacs, Bibelkommentare aus der Frühzeit der Wiener Universität (1384-ca. 1430) – Teil 2 (ou Petit manifeste pour l’édition des premiers écrits théologiques de l’Université de Vienne), publiziert auf: Iter Austriacum am 9. Juli 2016.

 

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 16.01.2021 - 11:00