Franz de Paula Wirer von Rettenbach, Dr. med.

2.4.1771 – 30.3.1844
geb. in Korneuburg gest. in Wien

Funktionen

Rektor 1836/37

Franz de Paula Augustin Wirer, Sohn eines Wundarztes in Korneuburg, studierte ab 1787 Medizin in Wien, wo Maximilian Stoll zu seinen Lehrern zählte. Bereits während seines Studiums war er als Militärarzt in einem Feldspital in Siebenbürgen tätig und leitete ab 1789 ein Militärlazarett in der Walachei. 1791 wurde er beauftragt, die österreichischen Kriegsgefangenen des Türkenkrieges aus Konstantinopel abzuholen, und wurde als Arzt in der Behandlung von Pestkranken eingesetzt. Als Bataillonsarzt diente er später bis 1798 im niederländischen Revolutionskrieg sowie während des französischen Kriegs.

Nach seiner Rückkehr nach Wien setzte Franz Wirer als Stipendiat der Karomannischen Stiftung seine Studien an der k. k. Josephs-Akademie (Josephinum) fort und promovierte erlangte zum Doktor der Chirurgie sowie 1800 zum Doktor der Arzneikunde (Medizin). Aufgrund seines ausgezeichneten Rufes als praktischer Arzt wurde er zum Hofarzt am Wiener Hof sowie zum k. k. Leibarzt mehrerer Mitglieder des Kaiserhofes, darunter Kaiser Franz I. sowie dessen Brüder Erzherzog Rudolph, Erzherzog Rainer Joseph und Erzherzog Joseph Anton Johann, berufen.

Wirer erwarb sich besondere Verdienste um den Aufschwung des Kurbadeortes Ischl (Bad Ischl): 1821 bereiste er mit Medizinerkollegen den Ort, wo Sole als Abfallprodukt der örtlichen Saline anfiel. Über die Heilerfolge von Solebädern bei Hauterkrankungen und Rheumatismus hatte bereits der Ischler Arzt Josef Götz publiziert. Mithilfe seines Renommees gelang Wirer ein rascher systematischer Aufbau des Kurortes. Er initiierte die Schaffung einer gastronomischen Infrastruktur und schickte 1822 die ersten 40 Kurgäste nach Ischl. 1823 gründeten Wirer und Götz gemeinsam die erste österreichische Solebadeanstalt. Aufgrund der rasch steigenden Anzahl an Kurgästen, besonders aus der Wiener Gesellschaft, kamen in der Folge zahlreiche weitere Einrichtungen zu Kurzwecken hinzu, darunter das Wirerspital (1828), ein Dampfbad, ein Schlammbad, eine Badeanstalt in der Ischl, Einrichtungen für Körpergymnastik sowie der Kurpark und öffentliche Gärten. Wirer, der sich auch als humanitärer Wohltäter einen Namen machte, regte auch die Schaffung einer Kleinkinderbewahranstalt sowie eines Fremdenspitals und einer Spinnschule in Ischl an.

Franz Wirer war auch als Lehrender an der Universität Wien aktiv. 1825 wurde er zum Nations-Prokurator der Österreichischen Nation und im Studienjahr 1836/37 zum Rektor der Universität gewählt.

Während seine Publikationen, die sich vorrangig mit der Heilkraft des Solebades Ischl befassten, keine herausragende wissenschaftliche Rolle spielten, war Wirer auch in Wien als vielseitiger Organisator aktiv. Er war 1837/38 Gründungsmitglied und in der Folge wichtiger Förderer der Gesellschaft der Ärzte in Wien, der er zunächst als Vizepräsident und schließlich von 1841 bis zu seinem Tode als Präsident vorstand. Er initiierte die Einrichtung eines Laboratoriums im Allgemeinen Krankenhaus, eines Komitees zur wissenschaftlichen und praktischen Untersuchung des Elektrizität, des Galvanismus und Magnetismus sowie eine Stiftung zur Unterstützung arbeitsunfähig gewordener Ärzte.

Für seine Verdienste wurde Franz Wirer vielfach geehrt: Neben der leitenden Position in der Wiener Gesellschaft der Ärzte gehörte er auch den medizinischen Vereinen in Berlin, Halle, Zürich, Brüssel, Breslau, Leipzig u. a. an. 1838 wurde er in den Adelsstand erhoben (Ritter von Rettenbach) und mit dem kaiserlichen Leopold-Orden ausgezeichnet. In Ischl wurde im Beisein Wirers 1839 eine gußeiserne Büste des Förderers des Kurortes feierlich enthüllt. 1843 gab die Gesellschaft der Ärzte in Wien eine bronzene Medaille zu Ehren Wirers aus.
Nach Franz Wirer Ritter von Rettenbach, der in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet ist, wurde 1911 die Wirerstraße in Wien-Favoriten (10. Bezirk) benannt, ebenso wie die Wirerstraße und die Wirerquellgasse in Bad Ischl.

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Werke (Auswahl)

Ischl und seine Soolenbäder, 1826.
Beyträge zur Badechronik von Ischl, 1836.
Rede bei der feierlichen Aufstellung des allerhöchsten Bildes seiner K.K. apost. Majestät Ferdinand's I. im großen Saale der Wiener K.K. Universität den 14. Juni 1837, 1837.
Ischl und seine Heilanstalten. Ein Handbuch für Aerzte und Laien, welche diesen Kurort und seine Umgebungen in heilkräftiger oder pittoresker Beziehung zu kennen oder zu besuchen wünschen, 1842.
Ueber Vaccination, Revaccination und den wahren Werth beider. Vortrag, 1842.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 10.02.2021 - 18:33

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