Heinrich Peham Ritter von Bojernberg, Prof. Dr.

3.5.1871 – 21.7.1930
geb. in Wien gest. in Hinterstoder

Funktionen

Rektor Medizinische Fakultät 1927/28

Heinrich Peham, Sohn eines Beamten, maturierte am Wiener Schottengymnasium und nahm anschließend ein Studium der Medizin an der Universität Wien auf. Bereits während seines Studiums war er als Demonstrator am Institut für gerichtliche Medizin unter Leitung von Eduard von Hofmann und am Institut für experimentelle Pathologie von Richard Paltauf tätig. 1895 wurde er zum Doktor der Medizin promoviert. Nach der Vertiefung seines Wissens im Bereich der internen Medizin (Leopold Schrötter von Kristelli) und als Operationszögling an der Chirurgie (Eduard Albert) begann er 1898 seine Fachausbildung an der II. Universitäts-Frauenklinik bei Rudolf Chrobak, wo er 1900 zum Assistenten ernannt wurde.

1904 erfolgte an der Universität Wien Pehams Habilitation im Fach Geburtshilfe und Gynäkologie. 1907/08 supplierte er die Lehrkanzel seines Lehrers Chrobak, bis dessen Nachfolger Alfons von Rosthorn seine Professur antrat. Heinrich Peham erhielt im Dezember 1908 den Titel eines außerordentlichen Professors und übernahm 1909 die Leitung der gynäkologischen Abteilung der Wiener Allgemeinen Poliklinik. 1920 folgte er schließlich Friedrich Schauta als ordentlicher Professor für Geburtshilfe an der Universität Wien nach. Bis zu seinem Tod 1930 stand er auch der I. Universitäts-Frauenklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus vor.

In seinen wissenschaftlichen Forschungen befasste sich Heinrich Peham vor allem mit Geschwülsten des Uterus und der Ovarien, mit der Serumtherapie bei Puerperalfieber, mit der Extrauteringravidität sowie der Strahlentherapie des Uteruskrebses. Er galt als hervorragender Diagnostiker und Operateur. In seiner Lehre legte er besonderen Wert auf die Ausbildung von Allgemeinmedizinern in der richtigen Beurteilung und Behandlung des Geburtsvorganges und eventuellen Komplikationen. Er trat dafür ein, die natürliche Entbindung möglichst wenig zu beeinträchtigen. Als gynäkologischer Operateur förderte Peham u.a. den Ausbau der Technik der radikalen vaginalen Gebärmutterexstirpation.

Gegen Ende der Monarchie galt Heinrich Peham als beliebtester Geburtshelfer des Hochadels und des Kaiserhauses. Er erhielt den Titel Hofrat und wurde noch 1918 in den Adelsstand erhoben (Beiname: Ritter von Bojernberg). Wegen seiner fortwährend engen Verbindung zur Familie Habsburg hatte Peham den Ruf eines Monarchisten.
Aufgrund seiner Leistungen und seines ausgezeichneten Rufes hatte Heinrich Peham zahlreiche ehrenvolle Funktionen inne: Mehrmals wurde er zum Vorsitzenden der Gesellschaft der Ärzte in Wien sowie der Wiener Gynäkologischen Gesellschaft gewählt. Er gehörte dem Obersten Sanitätsrat der Stadt Wien an und war auch als Gerichtssachverständiger tätig. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (1923–1925) organisierte er deren Tagung 1925 in Wien.
Die Universität Wien wählte ihn außerdem im Juni 1927 einstimmig zu ihrem Rektor für das folgende Studienjahr 1927/28. Bereits wenige Tage später gab Peham in einem Interview mit der Neuen Freien Presse bekannt, dass ihn seine Wahl „eigentlich überrascht“ habe, die Einstimmigkeit des Beschlusses sei jedoch ein „Zeichen größten Vertrauens“:

„Wahrscheinlich ist die Mehrzahl der Universitätsmitglieder der Meinung, in dem Rektor eine Persönlichkeit gefunden zu haben, die völlig objektiv über den Parteien steht und weder nach der einen, noch nach der andern Seite in das extreme Lager graviert.“
(Neue Freie Presse, 23.6.1927)

Peham nahm damit Bezug auf die wiederholten gewalttätigen Angriffe nationalsozialistischer bzw. deutschnationaler Studenten gegenüber jüdischen und linken KollegInnen, appellierte an das Pflichtbewusstsein der Studierenden und betonte: „Studenten sind in erster Linie zum Lernen da“. Seine Absicht, im Rektorsamt als als „vorurteilsloser Schiedsrichter“ objektiv und ausgleichend wirken zu wollen, unterstrich er in einem weiteren Zeitungsinterview, in dem er auch ankündigte, jegliche politische Propagandatätigkeit, Vorträge oder Kundgebungen aller Studentenverbindungen innerhalb der Universität zu verbieten. Wenn die Studierenden es vermieden, die Universität „als Herd politischer Auseinandersetzungen zu entweihen“, sei ein polizeiliches Einschreiten in der Universität gänzlich unnötig (Wiener Allgemeine Zeitung, 12.10.1927).
Auch in der Rede im Rahmen seiner Inauguration im November 1927 – übrigens die erste, die in den neueingeführten Talaren durchgeführt wurde – insistierte Peham darauf, dass Lehren und Lernen, Wissenschaft und Forschung frei von jeder parteipolitischen Beeinflussung sein müssen.
Dennoch ließ er als Rektor Anfang März 1928 „Kammerwahlen“ in die Deutsche Studentenschaft durchführen, die jüdische Studierende ausschloss, aber dennoch als einzige studentische Vertretung anerkannt wurde. Der Verband Sozialistischer Studenten boykottierte daher die Wahlen.

Heinrich Peham verstarb 1930 in Hinterstoder, Oberösterreich, und wurde am Döblinger Friedhof in Wien bestattet.
1955 beschloss der Gemeinderat der Stadt Wien, eine Gasse in Wien 22 (Süßenbrunn) in Pehamgasse umzubenennen.

Österreichisches Biographisches Lexikon
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Werke (Auswahl)

Über Fütterungen mit Ovarialsubstanz zum Zwecke der Beeinflussung der Geschlechtsbildung (in: Monatsschrift für Geburtshülfe und Gynäkologie 25), 1906.
Das enge Becken; eine Studie über den Geburtsverlauf und die Indikationen zu operativen Eingriffen, 1908.
Geburtshilfe einst und jetzt (Inaugurationsrede, gehalten am 9. November 1927) 1927.
mit H. Katz: Die instrumentuelle Perforation des graviden Uterus und ihre Verhütung, 1926.
mit Isidor Alfred Amreich: Gynäkologische Operationslehre, 1930/1934.
Die Ätiologie, Symptomatologie, Diagnostik und operative Behandlung der Uterusmyome (in: J. Veit, Handbuch der Gynäkologie 6/2, 3. Aufl.), 1931.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 06.07.2019 - 17:02

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