Johann Franz Edler von Hieber, Dr. phil., Dr. med.

15.12.1764 – 10.10.1843
geb. in Schladming gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1812/13
DekanIn Medizinische Fakultät 1813/14
DekanIn Medizinische Fakultät 1814/15
DekanIn Philosophische Fakultät 1815/16
DekanIn Philosophische Fakultät 1826/27
Rektor 1841/42

Johann Franz Hieber studierte ab 1785 Medizin an der Universität Wien und wurde am 13. Oktober 1789 zum Doktor der Arzneykunde (Medizin) promoviert. Später nahm er zudem ein Studium an der Philosophischen Fakultät auf. Auf seinen Antrag hin erließ die Regierung ihm die noch offenen strengen Prüfungen für das philosophische Doktorat, sodass er am 1. Dezember 1808 auch zum Doktor der Philosophie promoviert wurde.

An der Universität Wien fungierte Hieber in den Studienjahren 1808/09, 1816/17, 1817/18 und 1820/21 als Prokurator der Österreichischen Nation. In dieser Funktion war er gemeinsam mit dem jeweiligen Prokurator der Sächsischen Nation für die Vorbereitungen des Restaurationsfestes zuständig. Diese Feier fand seit 1757 alljährlich in Erinnerung an die Reformen Maria Theresias statt, die die Universität Wien aus dem Einfluss des Jesuitenordens in den staatlichen Verantwortungsbereich überführt hatten. 1822/23 war er Prokurator der Sächsischen Nation und 1824/25 der Rheinischen Nation.

Johann Franz Hieber wurde für die Studienjahre 1812/13, 1813/14 und 1814/15 zum Dekan der Medizinischen Fakultät gewählt. In dieser Funktion hielt er am 19. November 1814 im großen Hörsaal der Universität Wien bei einer universitären Gedenkfeier eine Trauerrede für den im März 1814 verstorbenen Mediziner Josef Quarin. In den Studienjahren 1815/16 und 1826/27 fungierte er als Dekan der Philosophischen Fakultät. Am 14. November 1841 wurde er zum Rektor der Universität Wien für das Studienjahr 1841/42 gewählt.

Daneben fungierte Hieber, der niemals Teil des Lehrkörpers der Universität war, seit 1812 als Prüfungskommissär der medizinischen und philosophischen Studien sowie seit 1816 als Notar der Medizinischen Fakultät. Ebenso übte Hieber ab 1803 das Amt des Superintendenten mehrerer universitärer Stipendiatsstiftungen (Goldbergische, Philippinische, Guggemosische, Stupanische, Zwirschlagische, Herzische, Steinstrasserische Stiftung). Hieber übernahm 1812 zudem die Leitung des Witweninstitutes der Medizinischen Fakultät, 1815 des chirurgischen Witweninstitutes und 1821 des Vereines zur Unterstützung dürftiger Studierender. Nach dem Tod des Fakultätsseniors der Philosophischen Fakultät, Franz von Höck, wurde Hieber 1835 zu dessen Nachfolger ernannt.

Neben seiner vielseitigen universitären Tätigkeit war Johann Franz Hieber ab 1811 Mitglied der ärztlichen Kommission zur Prüfung der Preisschriften über die Surrogate der indischen Arzneimittel und ab 1814 „Kommissär der in Siebenbürgen ausgebrochenen Pest“. In den 1810er-Jahren betätigte er sich auch als Impfarzt im Zuge der neu eingeführten Schutzpockenimpfungen. Hieber, der 1817 zum k.k. Hofarzt ernannt wurde, war ab 1815 Arzt am k.k. Stadtkonvikt am Universitätsplatz aus und war konsultierender Arztes bei der k. k. ersten Arcieren-Leibgarde.

Für seine Verdienste wurde Hieber vielfach geehrt: 1819 erhob der Kaiser ihn mit dem Prädikat „Edler von“ in den erblichen Adelsstand. Er war Ehrenmitglied der k. k. Gesellschaft der Ärzte in Wien. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums seiner medizinischen Promotion wurde der Jubilar am 13. Oktober 1839 im Rahmen einer Feier von zahlreichen Fachkollegen gewürdigt und ein für ihn verfasstes Gedicht des Lyrikers Ignaz Franz Castelli präsentiert.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 30.05.2021 - 20:26

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