Johannes Aigel von Korneuburg, Mag. art., Dr. med.

–14.6.1436
geb. in Korneuburg

(latinisiert: Iohannes Aygel Newnburga forensi, Johannes de Kornåwnburga)

Funktionen

Rektor 1412/13
DekanIn Medizinische Fakultät 1413
DekanIn Medizinische Fakultät 1413/14
DekanIn Medizinische Fakultät 1416
DekanIn Medizinische Fakultät 1417
Vize-DekanIn Medizinische Fakultät 1418
DekanIn Medizinische Fakultät 1419
DekanIn Medizinische Fakultät 1420/21
DekanIn Medizinische Fakultät 1422/23
Vize-DekanIn Medizinische Fakultät 1424/25
DekanIn Medizinische Fakultät 1425
DekanIn Medizinische Fakultät 1425/26
DekanIn Medizinische Fakultät 1427
DekanIn Medizinische Fakultät 1430/31
DekanIn Medizinische Fakultät 1434

Der aus der niederösterreichischen Stadt Korneuburg stammende Mediziner Johannes Aygel wurde im Wintersemester 1404/05 als Johannes de Kornåwnburga in die Matrikel der Universität Wien eingetragen. 1405 wurde er zum Bakkalar, 1408 zum Lizenziaten und Magister der artes promoviert. Wohl unmittelbar nach seiner Graduierung begann Aygel mit dem Medizinstudium: 1409 ersuchte er die Artistenfakultät um Dispensierung von der nach der Graduierung vorgeschriebenen Lehrtätigkeit und begründete dies damit, an einer anderen Universität Medizin studieren zu wollen. 1410 wurde er in Padua zum Doktor der Medizin promoviert; dort war er vermutlich Schüler von Galeazzo di Santa Sofia, der bis 1405/06 in Wien gelehrt hatte. 1412 wurde er in Wien in die Medizinische Fakultät inkorporiert, nachdem diese sein erstes Ansuchen um Aufnahme 1411 abgelehnt hatte.

Schon bald nach seiner Aufnahme wurde er im Wintersemester 1412/13 zum Rektor der Universität gewählt. In der Folge war Aygel ein äußerst aktives Mitglied der Fakultät: Zwischen 1413 und 1434 bekleidete er insgesamt zwölfmal das Amt des Dekans, im Sommersemester 1427 übernahm er die Amtsgeschäfte anstelle des gewählten Heinrich Stoll – unter der Bedingung, dass Stoll das Dekanat im Wintersemester 1427/28 übernehmen werde. Zweimal – im Sommersemester 1418 und im Wintersemester 1424/25 – fungierte er während der Abwesenheit des Dekans als Vizedekan.

Die Belange, mit denen er sich befasste, waren vielfältig: 1416 vertrat er die Medizinische Fakultät als Deputierter auf dem Konzil von Konstanz. Während seines Dekanats im Sommersemester 1417 erwirkte er die Unterstützung Herzog Albrechts V. für den schon längere Zeit andauernden Streit mit der Juridischen Fakultät: Die Frage, welcher Fakultät bei öffentlichen Zeremonien wie Prozessionen der Vorrang gebührte, wurde zugunsten der Mediziner entschieden. Aufgrund dieser guten Beziehungen Aygels zum Herzogshof ist zu vermuten, dass er neben seiner Tätigkeit an der Universität als Arzt am Hof wirkte, auch wenn es dafür keine gesicherten Belege gibt.

Im Wintersemester 1421/22 war Aygel landesfürstlicher Superintendent. In dieser Funktion übermittelte er der Universität das Angebot des herzoglichen Hubmeisters auf Überlassung der Steine der zerstörten Synagoge. Die Hochschule verwendete die Steine zum Bau der Nova Structura. Auch innerhalb der Fakultät wurde Aygel mehrfach mit Bauagenden betraut, beispielsweise erstellte er 1422 eine Kostenaufstellung für die Errichtung eines Kanals. 1424 inspizierte er gemeinsam mit dem damaligen Dekan Johannes von Baumgarten das Fakultätshaus auf Baumängel.

Weiters war er mehrfach mit der Wahrung von Fakultätsprivilegien betraut: 1422 übersetzte er eine von der Fakultät erstellte Beschwerdeschrift zur Vorlage beim herzoglichen Kanzler ins Deutsche. Die Beschwerde richtete sich gegen einen getauften Juden, der ohne Bewilligung der Fakultät als Arzt praktizierte. 1429 gehörte Aygel der Deputation an, die den Passauer Bischof Leonhard von Laiming um die Bestätigung eines Privilegs seines Vorgängers ersuchte: Georg von Hohenlohe hatte 1406 verfügt, dass innerhalb der Diözese nur jene Ärzte praktizieren dürfen, die der Wiener Medizinischen Fakultät angehören und Zuwiderhandelnden die Exkommunikation angedroht. 1433 wirkte Aygel an der Verbesserung der Fakultätsstatuten mit. 

Über die Lehrtätigkeit Aygels ist wenig überliefert, knapp vor seinem Tod am 14. Juni 1436 wurde er aufgrund des Ansuchens mehrerer Studenten von der Fakultät mit der Abhaltung einer Sektion betraut. Wie sein Testament verrät, war Aygel sehr wohlhabend: Seiner Tochter konnte er 400 Pfund Pfennige vermachen.

Johannes Aygel verfasste 1428 den Pesttraktat Regimen tempore pestilentiae, der in zwei Sammelhandschriften in Melk überliefert ist (Cod. 778, Cod.  958). Ein Großteil der darin empfohlenen Maßnahmen geht nicht auf bekannte Autoritäten zurück, sondern dürften auf eigene Erfahrungen mit pestartigen Krankheiten beruhen: Unter anderem empfiehlt er zur Vorbeugung die Einschränkung von Kontakten zu anderen Personen, wobei vor allem öffentliche Bäder zu meiden seien – präventive Schritte, die bis in die Gegenwart zur Unterbrechung von Infektionsketten angewendet werden.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 27.11.2020 - 15:43