Johannes Berwardi von Villingen, Mag. art., Bacc. theol.

14.Jhdt – 1411
geb. in Villingen gest. in Scarperia

(latinisiert: Iohannes Berwart (de Vilingen))

Funktionen

DekanIn Artistenfakultät 1393
DekanIn Artistenfakultät 1397/98
DekanIn Artistenfakultät 1401
Rektor 1401/02
Rektor 1403

Der aus Villingen in Süddeutschland stammende Johannes Berwardi (bzw. Berwart) wurde im Wintersemester 1385/86 in Wien immatrikuliert. Um 1389 erlangte er das Magisterium der artes und hielt von 1390 bis 1398 Vorlesungen an der Artistenfakultät. Möglicherweise war die Tatsache, dass sich Johannes in Wien zu etablieren begann, ausschlaggebend dafür, dass zwei seiner Verwandten – sein Bruder Bernhard und Jakob Berwardi – ebenfalls Wien als Studienort wählten. Beide wurden im Wintersemester 1389/90 immatrikuliert. Sowohl Bernhard als auch Jakob Berwardi waren als Lehrer und Dekane an der Artistenfakultät tätig und wurden 1409 bzw. 1424 zu Kanonikern des Wiener Domstifts ernannt.

Neben seiner Lehrtätigkeit an der Artistenfakultät studierte Johannes Berwardi Theologie und wurde um 1401 zum Bakkalar promoviert. 1400 scheint er als cursor, 1403 als sententiarius auf, d.h. er hielt Vorlesungen über verschiedene Bücher der Bibel sowie über die Sentenzen des Petrus Lombardus. 1403 wurde ihm wegen seiner Vorlesungstätigkeit ein aufschiebender Dispens vom Empfang der Priesterweihe erteilt. Die Weihe hat er wohl zwischen 1405 – dem Ende der Vorlesung – und 1411 erhalten, da er in diesem Jahr als Priester genannt wird. 1404 wurde er in Wien als Kanoniker installiert.

Berwardi wurde dreimal zum Dekan der Artistenfakultät gewählt und bekleidete zweimal das Amt des Rektors. Während seines ersten Rektorats im Wintersemester 1401/02 beschloss die Universitätsversammlung auf Ansuchen der Juridischen Fakultät die verpflichtende Eintragung der Rechtsstudenten in die Fakultätsmatrikel. Dies führte zur Anlage des ältesten heute noch erhaltenen Bandes der Matrikel der Juridischen Fakultät.

1408 erhielt die Universität Wien – ebenso wie andere Hochschulen – ein Schreiben der bereits in Pisa versammelten Kardinäle mit der Bitte um Unterstützung für das geplante Konzil zur Beendigung des Schismas. Der Kommission, die das Schreiben begutachtete und Vorschläge zur weiteren Vorgangsweise machte, gehörte auch Berwardi an. Die Universität sagte ihre Unterstützung für das Konzil zu, bezüglich der Obödienz für Gregor XII. verhielt sie sich abwartend.  Berwardi wurde außerdem als Gesandter zu Herzog Ernst geschickt, um diesen zu einer ähnlichen Antwort an das Kardinalskollegium zu veranlassen.

Im Jänner 1411 wurde Berwardi erneut mit einer Gesandtschaft betraut und zur Überbringung des Rotulus mit den Pfründenanträgen der Universitätsangehörigen nach Rom gesandt. Auf der Rückreise wurde er nahe Florenz in Scarperia ermordet. Das genaue Datum ist nicht bekannt, am 15. November 1411 beschloss die Artistenfakultät die Abhaltung von Exequien zu seinem Andenken.

Von Berwardi ist ein Sentenzenkommentar erhalten, der in Klosterneuburg in einer Abschrift von 1414 überliefert ist.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 17.07.2020 - 14:42