Johannes Fluck, Mag. art., Dr. theol.

–1436
geb. in Pfullendorf

(latinisiert: lohannes Fluk bzw. Flukk de Phullendorf)

 

Funktionen

DekanIn Artistenfakultät 1398/99
Rektor 1409
DekanIn Artistenfakultät 1409/10
Rektor 1413/14
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1416
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1417
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1417/18
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1418
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1418/19

Der aus der schwäbischen Reichsstadt Pfullendorf stammende Johannes Fluck wurde im Sommersemester 1389 an der Universität Wien immatrikuliert. 1392 erlangte er das Magisterium der artes  und las zwischen 1392 und 1394 sowie von 1397 bis 1399 an der Artistenfakultät. In den Wintersemestern 1398/99 und 1409/10 wurde er zum Dekan gewählt, außerdem fungierte er mehrfach als consiliarius (Berater des Dekans).  Während seiner ersten Amtszeit als Dekan beschloss die Artistenfakultät eine Änderung der Umschrift des mittleren Fakultätssiegels: Die bisherige Bezeichnung Secretum Sapientiae wurde um die Angabe studii Wiennensis erweitert, womit präzisiert wurde, dass es sich um das Siegel der Wiener Artistenfakultät handelte.

Um 1400 begann Fluck mit dem Studium der Theologie. 1405 ist er als cursor biblicus, 1409 als sententiarius belegt, d.h. er hielt als Teil der Bakkalarsausbildung Vorlesungen über die Bibel (in seinem Fall über das Deuteronomium) sowie über die Sentenzen des Petrus Lombardus. 1412 erlangte er das Lizenziat, 1413 das Doktorat der Theologie. In Folge war er Lehrer an der Theologischen Fakultät, der er im Sommersemester 1416 sowie von April 1417 bis April 1419 als Dekan vorstand. 1422 gehörte er einer Fakultätsdelegation an, die beim Herzog und seinem Kanzler wegen der von Albrecht V. geplanten Entlassung eines in den Fakultätsakten nicht namentlich genannten Theologen intervenierte.

Seit 1411 war Fluck Domherr in Wien; zwischen 1423 und 1434 ist er als Pfarrer von Perchtoldsdorf nachweisbar. Wahrscheinlich war er auch Benefiziat einer Altarpfründe beim Himmelpfortkloster: 1433 fand eine Sitzung der Theologischen Fakultät in seinem Haus beim Kloster statt. Die Benefiziaten hatten dort eigene Wohnungen. 1431 nahm Fluck am Konzil von Basel teil. Johannes Fluck starb 1436 an der Pest. Der genaue Todestag ist nicht bekannt, möglicherweise am 26. Juni. In seinem Testament vom 15. Mai 1431 hatte Fluck seiner Heimatstadt über 300 Gulden zur Einrichtung einer Messstiftung sowie verschiedene Messgeräte vermacht. Die Einrichtung der Seelgerätstiftung erfolgte 1458,  im Seelbuch der Pfarre findet sich für den 26. Juni der Eintrag für Fluck und seine Familie.

Von Fluck sind in erster Linie Predigten erhalten, die in mehreren Handschriften in Wien, Kremsmünster, Admont, Eichstätt und Freiburg im Breisgau überliefert sind. Diese Predigten stammen vor allem aus dem Universitätskontext – Fluck war mehrfach von der Fakultät mit der Haltung von Predigten zu verschiedenen kirchlichen Festen betraut worden. Seine Wertschätzung als Prediger durch seine Zeitgenossen wird unter anderem daran ersichtlich, dass der anonyme Redaktor der Predigten des Nikolaus von Dinkelsbühl auch einige Predigten Flucks zur Ergänzung heranzog. Weiters beteiligte sich Fluck 1413 an der Kontroverse mit der Universität Prag über die dort gelehrten Häresien, die durch eine Beschwerde seines Fakultätskollegen Johannes Siwart an den Bischof von Zagreb ausgelöst worden war. Der Brief ist in einer theologischen Sammelhandschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek (Cod. 4299) überliefert. In der Universitätsbibliothek Basel findet sich in Codex  F VI 62 die Überarbeitung einer Logikvorlesung Flucks. Neben diesen lateinischen Werken ist ein deutschsprachiger Traktat Über die fünf Wunden Christi in Cod. 306 des Schottenstiftes erhalten – möglicherweise die Übersetzung eines ursprünglich lateinischen Textes.

 

>>> Weblog Archivalia

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 16.01.2021 - 10:55