Johannes Seld de Wienna, Mag. art., Dr. decr.

15.Jhdt
geb. in Wien

(Iohannes (Joannes) Seld de Wienna (Wyenna))

 

Funktionen

Rektor 1422
DekanIn Juridische Fakultät 1425
Rektor 1428
DekanIn Juridische Fakultät 1429
DekanIn Juridische Fakultät 1437
DekanIn Juridische Fakultät 1439/40

Über den Juristen Johannes Seld, der zweimal zum Rektor der Universität Wien und viermal zum Dekan der Juridischen Fakultät gewählt wurde, ist nicht allzu viel bekannt. Erschwerend kommt hinzu, dass um 1400 zwei Studenten dieses Namens in Wien immatrikuliert wurden: Im Wintersemester 1400/01 wurde Johannes Seld de Wyenna, im Sommersemester 1401 Johannes Seld de Lewbsa in die Matrikel eingetragen. In der Literatur wurden die beiden teilweise zu einer Person zusammengefasst, neuere Forschungen gehen aber davon aus, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelte. Der spätere Rektor und Dekan stammte aus einer Wiener Ratsbürgerfamilie, Johannes Seld aus Loibes aus einer dortigen Weinbauernfamilie.

In den Akten der Artistenfakultät wird in den Jahren nach 1400 kein Johannes Seld erwähnt. Der Wiener Johannes Seld muss den artistischen Studiengang absolviert haben, da dies die Voraussetzung für weitere Studien war. Im Wintersemester 1406/07 wird Johannes Seld an der Juridischen Fakultät immatrikuliert. Im Wintersemester 1419/20 wird seine Promotion zum Lizenziaten, zwei Semester später die Promotion zum Doktor des Kirchenrechts vermerkt. Während die Einträge als Student und als Lizenziat keine Herkunftsangabe enthalten, wird Seld 1420 als dom. Johannes Seld de Wienna bezeichnet.

Zwei Jahre später wurde Seld im Sommersemester 1422 erstmals zum Rektor gewählt; eine zweite Amtsperiode bekleidete er im Sommersemester 1428. Viermal  – in den Sommersemestern 1425, 1429 und 1437 sowie im Wintersemester 1439/40 – fungierte er als Dekan der Juridischen Fakultät. Weiters wurde er 1429 und 1433 zum landesfürstlichen Superintendenten bestellt.

Johannes Seld vertrat die Universität 1425 bei einem von Albrecht V. einberufenen Treffen in Krems, bei der über die strittige Nachbesetzung des Passauer Bischofsstuhls beraten wurde. 1429 war er Mitglied einer von Thomas Ebendorfer geleiteten Abordnung, die eine Gesandtschaft der Universität Paris in Wien empfingen und über deren Vorschläge zur Bekämpfung der Hussiten berieten. Diese Delegation, der auch Erasmus Rieder von Landshut, Narziß Herz von Berchting und Nikolaus von Graz angehörten, nahm vermutlich auch an der Versammlung in Preßburg/Bratislava teil: Je vier Vertreter der Universitäten Paris und Wien verhandelten gemeinsam mit König Sigismund und den österreichischen und bayrischen Herzögen Albrecht und Wilhelm mit Abgesandten der Hussiten; von Seiten der Universität Wien ist nur Ebendorfer belegt. 1439 vermittelte Seld namens der Universität in einem Jurisdiktionsstreit mit dem Bischof von Passau.

Die Hinzuziehung Selds zu Passauer Agenden kam nicht von ungefähr, da er seit seiner Studienzeit Beziehungen zum Bistum Passau hatte: 1413 schrieb und beglaubigte er als Passauer Kleriker eine Urkunde, mit der ein Kommissär des Domkapitels einen Rechtsstreit zwischen Reinprecht von Wallsee und dem Kloster Altenburg schlichtete. 1432 war Seld auf dem Konzil von Basel Sekretär Bischof Leonhards von Passau. Im folgenden Jahr untersuchte er als bischöflicher Kommissär die Wahl Christian Eibensteiners zum Abt von Melk. Für 1434 und 1441 ist er als Passauer Generalvikar bezeugt. In dieser Funktion residierte er wohl im Passauer Hof; wie durch die Bestätigung einer Altarpfründe 1438 belegt ist, besaß er auch ein Haus am heutigen Hohen Markt, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Stadtgerichts befand.

Letztmalig wird Johannes Seld, Doktor des Kirchenrechts und Domherr von Passau, 1443 anlässlich von Verhandlungen vor dem Bischof wegen des Tausches von Pfarrpfründen genannt. Sein Todesdatum ist nicht bekannt.

Sein Namensvetter Johannes Seld, der im Sommersemester 1401 immatrikuliert wurde, stammte aus Loibes im Waldviertel und wurde angeblich am 28. Oktober 1383 geboren. Außer seiner Immatrikulation gibt es in den Universitätsquellen keine weiteren Erwähnungen. In den 1430er Jahren ist er als Pfarrer von Schleißheim in Oberösterreich, 1440 als Pfarrer von Krems belegt. 1440/41 übergab er dem Stift Kremsmünster rund dreißig Handschriften als finanzielle Sicherstellung für einen jährlichen Gedenktag. Eine dieser Handschriften, ein Fragment von DonatusArs minor, wurde vermutlich von Seld mit deutschen Glossen versehen. Die darin enthaltenen Ratschläge über die rechte Art des Unterrichts weisen darauf hin, dass er selbst als Lehrer tätig war. Auch von Johannes Seld aus Loibes ist kein Todesdatum bekannt.

>>> Wikipedia (Johannes Seld de Leubs)

>>> Waldviertel-WIki (Johannes Seld de Leubs)

 

UAW, PH 7, Liber Secundus Actorum Facultatis Artium (1416-1447), fol. 94r, 95r, 115r, 138v.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 09.07.2021 - 12:09