Josef Freiherr von Quarin, Dr. art. lib., Dr. phil., Dr. med.

19.11.1733 – 19.3.1814
geb. in Wien gest. in Wien

(latinisiert: Josephus de Quarin)

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1889 Medizinische Fakultät

Funktionen

Rektor 1788/89
Rektor 1789/90
Rektor 1796/97
Rektor 1797/98
Rektor 1800/01
Rektor 1805/06

Josef Quarin, Sohn des Arztes Peter Quarin, studierte zunächst an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und promovierte hier im Alter von 15 Jahren zum Dr. phil. Anschließend absolvierte er ein Studium der Medizin (Arzneikunde) an der Universität Freiburg im Breisgau, wo er 1751 mit einer Arbeit über Insekten zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Als er im Folgejahr nach Wien zurückkehrte, musste er erneut Prüfungen ablegen und seine Dissertation verteidigen, um hier als Arzt praktizieren zu können.

Neben seiner ärztlichen Praxis hielt Josef Quarin auf Anregung des Studiendirektors Gerard van Swieten ab 1754 Vorlesungen über Anatomie, später auch über Arzneimittellehre. Als Primararzt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder unterrichtete er auch klinische Praxis mit anatomischen Demonstrationen.

Kaiserin Maria Theresia ernannte Josef Quarin 1758 zum k. k. Rath, später auch zum Regierungs- und Sanitätsrat sowie zum Referenten für das Sanitätswesen bei der niederösterreichischen Landesstelle. 1777 wurde er zur ärztlichen Betreuung des erkrankten Erzherzogs Ferdinand nach Mailand geschickt und nach dessen Genesung zu dessen Leibarzt, wenig später auch zum kaiserlichen Leibarzt ernannt. Kaiser Joseph II. bestellte Quarin 1784 zum ersten Oberdirektor des neueröffneten Allgemeinen Krankenhauses (AKH), das er bis zu seinem Rücktritt 1791 wesentlich ausbauen konnte. Unter anderem schuf er 1788 das vom AKH räumlich getrennte Findelhaus (Alser Straße 23).
Kurz vor seinem Tod erhob Joseph II. Quarin 1790 in den Freiherrenstand. Auch Kaiser Leopold II., der ihm den Leopold-Orden (1790) sowie den Hofratstitel verlieh, und Kaiser Franz ernannten ihn zum Leibarzt.

Obwohl Quarin nur kurz als Professor an der Universität Wien lehrte, gehörte er als in Wien praktizierender Arzt dem Doktorenkollegium der Medizinischen Fakultät an. Aufgrund seiner Verdienste wurde er sechsmal – in den Studienjahren 1788/89, 1789/90, 1796/97, 1797/98, 1800/01 sowie 1805/06 – zum Rektor der Universität Wien gewählt. Während seiner Amtszeit als Rektor rief er während der französischen Besetzung unter Napoleon die Studenten zur Landesverteidigung auf und konnte Beschädigungen verhindern. Quarin setzte sich nicht nur beim Kaiserhof für die Interessen der Studierenden und Kollegen ein, sondern unterstützte auch karitative Initiativen zu deren Gunsten.

Daneben erwarb Josef Quarin sich großes Ansehen als Verfasser medizinischer Fachpublikationen, u.a. über Insekten, die Heilmethoden des Fiebers und der Entzündungen sowie sein Hauptwerk, „Animadversiones practicae in diversos morbus“ (1786) über die häufigsten Krankheiten.

Josef Quarin wurde für seine Verdienste vielfach geehrt. Neben den Auszeichnungen durch den Kaiserhof wurde er auch von den medizinischen Gesellschaften in Kopenhagen, London, Madrid, Venedig und Padua zu deren Mitglied gewählt.
Die Universität Wien ehrte Quarin mit einer Büste aus Marmor – gestaltet von dem Bildhauer Johann Martin Fischer –, die zunächst 1802 im Sitzungssaal der Medizinischen Fakultät, nach Errichtung des Universitätshauptgebäudes im Arkadenhof aufgestellt wurde.
Die Stadt Wien benannte 1906 den Quarinplatz (1962 aufgelassen), 1911 die Quaringasse sowie 1924 die dort befindliche städtische Wohnhausanlage Quarinhof in Wien-Favoriten nach ihm.

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Werke

Tentamina de Cicuta, 1761.
Methodus medendarum febrium, 1772.
Methodus medendi inflammationibus, 1774.
De curandis febribus et inflammationibus commentatio, 1781.
Betrachtungen über die Hospitäler Wiens, 1784.
Animadversiones practicae in diversos morbos (2 Bände), 1786 (4. Auflage 1808).
Neues Quarinisches Dispensatorium, zum Gebrauche der Spitäler und anderer milden Anstalten für arme Kranke; nebst der beigef. Taxe für die Arzneimittel, 1790.

Anton Phillebois (Hg.), Taschenbuch der Wiener K.K. Universität: Für das Jahr 1806. Wien: Joseph Gerold, 1806: https://books.google.at/books?id=iiRMAAAAcAAJ

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 29.11.2020 - 19:52

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