Joseph Pletz, Dr. theol. h. c.

3.1.1788 – 30.3.1840
geb. in Wien gest. in Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrendoktorat Dr. theol. h.c. 1832 Katholisch-Theologische Fakultät

Funktionen

Rektor 1834/35

Joseph (Josef) Pletz, Sohn des Buchhalters Andreas Pletz und dessen Ehefrau Cäcilia, besuchte die deutsche Schule und anschließend die Normalschule St. Anna in Wien, wo die Katecheten Anton Hye und Augustin Gruber zu seinen Lehrern zählten. 1801 wechselte an das Gymnasium St. Anna. Nach dem Tod seines Vaters 1805 musste Pletz bereits als Gymnasiast durch Nachhilfeunterricht seinen Lebensunterhalt mitverdienen. Mithilfe eines Stipendiums aus dem Wiener Universitätsfonds absolvierte er ab 1806 die philosophischen Jahrgänge an der Universität Wien, wo er u. a. Lehrveranstaltungen von Jakob Frint, Remigius Samuel Döttler und Martin Johann Wikosch besuchte. Joseph Pletz trat 1808 in das erzbischöfliche Alumnat ein und nahm das Studium der Theologie an der Universität Wien auf. Hier hörte er u. a. Vorlesungen von Vinzenz Darnaut, Leopold Ackermann, Altmann Arigler, Thomas Dolliner, Augustin Braig, Theobald Fritz, Andreas Reichenberger und Vinzenz Eduard Milde. Am 30. August 1812 wurde er zum Priester geweiht.

Kurz nach der Priesterweihe erfolgte am 28. Oktober 1812 Pletzʼ Ernennung zum Studienpräfekten des Wiener erzbischöflichen Priesterseminars und damit verbunden zum Adjunkten der theologischen Studien an der Universität Wien. Im Folgejahr übernahm er als Direktor und erzbischöflicher Zeremoniär die Leitung des Priesterseminars. An der Universität Wien supplierte Pletz im Studienjahr 1814/1815 das Fach Dogmatik anstelle seines ehemaligen Lehrers Braig. 1816 folgte seine Ernennung zum wirklichen Hofkaplan und Studiendirektor des von Frint neugegründeten höheren Priesterbildungsinstituts zum heiligen Augustin („Frinteaneum“ bzw. „Augustineum“). Gemeinsam mit Hofkaplan Johann Michael Leonhard und Hofkaplan Michael Johann Wagner leitete er somit die wissenschaftliche Bildung der Studenten an diesem Institut. Zudem unterrichtete er Bibelstudium mit orientalischen Sprachen und Dogmatik.

1823 wurde Joseph Pletz als Professor der Dogmatik an die Theologische Fakultät der Universität Wien berufen. Pletz, der 1827 zum Domherren an der Metropolitankirche St. Stephan sowie Konsistorialrat und 1830 zum Domdechant ernannt wurde, fungierte zudem ab 1828 als Ordinariatsexaminator in Dogmatik und Paraphrase der Heiligen Schrift bei Pfarrkonkursprüfungen. Im Wiener Domkapitel machte er sich um die Verbesserung der Verwaltung der Einkünfte verdient.

1829 übernahm Pletz zunächst provisorisch die Leitung des Referats für philosophische Studienangelegenheiten bei der Studienhofkommission, wobei er durch Joseph Büchinger (1829–1832), später durch Vincenz Seback (1832–1834) und Thomas Christ (1834) unterstützt wurde. Nach dem Tod Andreas Wenzels 1831 wurde er außerdem zum provisorischen Direktor der theologischen Studien ernannt, wodurch er die oberste Leitung der philosophischen und theologischen Studien im gesamten Habsburgerreich innehatte. 1832 erfolgte seine offizielle Ernennung zum Direktor und Referenten der theologischen Studien bei der Studienhofkommission sowie zum Regierungsrat.
Im selben Jahr verlieh ihm die Universität Wien das Ehrendoktorat (Dr. theol. h.c.). Am 16. November 1834 zum Rektor der Universität Wien für das Studienjahr 1834/35 gewählt.

Joseph Pletz veröffentlichte zahlreiche Predigten und theologische Schriften dogmatischen, hermeneutischen und historischen Inhalts. 1828 begründete er mit Unterstützung seiner Lehrer Frint und Ackermann das Nachfolgeorgan von Frints „Theologischer Zeitschrift“, die „Neue theologische Zeitschrift“, die er bis zu seinem Tod 1840 herausgab. Zudem erwarb sich Pletz, der sich für verschiedene karitative Zwecke engagierte, große Verdienste als Mitbegründer der Leopoldinen-Stiftung (1829).

Als Nachfolger des zum Bischof von St. Pölten ernannten Michael Johann Wagner avancierte Joseph Pletz 1836 zum Hof- und Burgpfarrer sowie zum infulierten Abt von Pagrany (Ungarn), blieb jedoch gleichzeitig Direktor der theologischen Studien und Beisitzer sowie Referent der Studienhofkommission. Ab 1837 Beichtvater von Kaiser Ferdinand I. und Erzherzog Franz Karl, wirkte er auch als Religionslehrer des späteren Kaiser Franz Joseph sowie von dessen Brüdern Maximilian und Karl Ludwig. 1838 wohnte er in Begleitung des Hofkaplans Ignaz Feigerle der Krönung Ferdinands I zum König von Lombardo-Venetien in Mailand bei.

Nach seinem Tod wurde Pletz 1840 vom Wiener Weihbischof Anton Aloys Buchmayer in der Hofburgkapelle eingesegnet. Zwei weitere Einsegnungen in der Pfarrkirche St. Michael sowie auf dem Hernalser Friedhof folgten.

Österreichisches Biographisches Lexikon
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Werke (Auswahl)

Christkatholischer Unterricht über das heilige Sacrament der Firmung, 1819.
Erklärung aller in dem vorgeschriebenen Evangelien-Buche vorkommenden Episteln. Zum Gebrauche für Katecheten, Lehrer und jeden katholischen Christen (3 Bände: Band 1 | Band 2), 1822 (Neuauflage 1838, 1846).
Echter Bürgersinn, die liebliche Frucht der Religion Jesu Christi: Eine Predigt, gehalten am Restaurations-Feste des Bürgerspitals zu St. Marx, am siebenten Sonntage nach Pfingsten, 1824.
Der hohe Werth des Jubiläums-Ablasses und seine Bedingungen: Fünf Predigten, vorgetragen in der Kirche der W.W.E.E. Klosterfrauen der heil. Ursula zu Wien, 1826.
Betrachtungen über einige Wahrheiten des Christenthums, vorgelegt in Predigten: auch zur häuslichen Erbauung für katholische Leser (2 Bände: Band 2), 1820/1826.
Zum Schlusse des heiligen Jubeljahres: drey Predigten, vorgetragen in der Kirche der W.W.E.E. Klosterfrauen der heiligen Ursula zu Wien, 1826.
Predigten, welche während der zweyten Säcular-Feyer der Barnabiten-Congregation am 15. und 22. Oktober 1826 gehalten worden sind, 1826.
Der Trost des Christen im unblutigen Opfer des neuen Bundes: Eine Predigt, vorgetragen am Feste Maria Geburt, als der Hochwürdige Weltpriester Herr Aloys Schlör in der Pfarrkirche zu Altlerchenfeld seine erste heilige Messe feyerte, 1828.
Über den pflichtmässigen Beytritt katholischer Christen zu der, im Kaiserthume Österreich, für die Ausbreitung der Nordamerikanischen Missionen, errichteten Leopoldinen-Stiftung, 1829.
Rede, bey Gelegenheit der feyerlichen Grundsteinlegung in der neuerbauten Pfarrkirche zu Döbling den 30. August 1829, 1829.
Rede, bey der hohen Consecration der Pfarrkirche zu Döbling: gesprochen den 4. October 1829, 1829.
Einige Worte über Kleinkinder-Bewahranstalten. Gesprochen bey Gelegenheit der feyerlichen Eröffnung einer solchen Anstalt in der Gemeinde Hernals, 1829.
Die Ehe nach dem Willen unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi: ein Braut- und Gattengeschenk, 1832.
Stand der kroatisch-krainerischen Franziskaner-Ordensprovinz des H. Kreuzes, 1839.
Historischer Ehrentempel der Gesellschaft Jesu, 1841.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 20.08.2021 - 09:44

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