Karl Josef Pratobevera Freiherr von Wiesborn, Dr. jur., Dr. jur. h.c.

17.2.1769 – 6.12.1853
geb. in Bielitz, Schlesien | Bielsko-Biała, Polen gest. in Wien, Österreich

(Carl Joseph von Pratobevera-Wiesborn)

Vater von Adolf Freiherr von Pratobevera-Wiesborn

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrentafel-Fakultät 1892/93 Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät

Funktionen

Rektor 1823/24

Karl Joseph Pratobevera, Sohn des wohlhabenden Kaufmannes Carl Anton Pratobevera und dessen Ehefrau Franziska (geb. Urbani), absolvierte die Elementarschule in seiner Heimatstadt Bielitz und von 1776 bis 1782 das Gymnasium in Teschen (Cieszyn, Tschechien). Bereits als Kind lernte er von polnischen Flüchtlingen die polnische Sprache. Zur praktischen Ausbildung zum Kaufmann 1782 nach Wien gesandt, besuchte er hier die kaufmännische Realschule St. Anna und hörte zudem Vorlesungen an der Universität Wien über Logik und Metaphysik bei Joseph Ernst Mayer und Mathematik bei Georg Ignaz von Metzburg. Nach Abschluss seiner Lehrzeit kehrte er 1784 nach Bielitz zurück und arbeitete zunächst im Betrieb des Vaters mit, konnte diesen jedoch bald überzeugen, eine juristische Laufbahn einschlagen zu dürfen. 

Ab 1786 studierte Pratobevera Rechtswissenschaften an Universität Wien, unter anderem bei Matthias Dannenmayer und Josef von Sonnenfels. 1792 wurde er an der Universität Wien mit der Dissertation „Die Rechte des Staates über Kirchen und geistliche Güter“ zum Doktor der Rechte promoviert und in die Juridische Fakultät aufgenommen. Im Herbst 1793 legte er die Advokatursprüfung ab und eröffnete eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien.

Nach der Besitznahme Westgaliziens durch Österreich im Jahr 1795 erhielt Karl Joseph Pratobevera – nicht zuletzt aufgrund seiner polnischen Sprachkenntnisse – 1796 die Stelle eines Appellationsrats am neueingerichteten westgalizischen Appellationsgericht in Krakau. Pratobevera war dort für den Aufbau der Justizverwaltung Galiziens mitzuständig, fungierte als Beisitzer verschiedener Gesetzgebungskommissionen und übernahm bald auch die Stelle eines Kanzleireferenten des Appellationsgerichtes. Daneben hielt er unentgeltliche Kollegien über die neuen österreichischen Gesetze an der Universität Krakau und fungierte ebendort als Direktor der juridischen Studien (1805/06) sowie als Rektor.

1806 kehrte Karl Joseph Pratobevera nach Wien zurück, als er zum Hofrat für galizische Angelegenheiten bei der Obersten Justizstelle in Wien berufen wurde. 1807 zum Mitglied der Hofkommission in Gesetzessachen ernannt, arbeitete Pratobevera neben Franz von Zeiller führend an der Endrevision des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches mit, verfasste dessen Kundmachungspatent sowie 1808 eine Instruktion für die galizischen Kriminalgerichte und nahm die seit 1796 unterbrochene Sammlung der Justizgesetze wieder auf. 
Seine Tätigkeit für die Gesetzgebungs-Hofkommission unterbrach Pratobevera 1814, als er als Referent für Gesetzespflege und Gesetzgebung in den Staatsrat berufen wurde. In dieser Stellung war er u. a. an der Bearbeitung der Statuten der „privilegirten oesterreichischen National-Bank“ beteiligt.

Neben seinen vielfältigen Tätigkeiten im Bereich der Gesetzgebung trat Pratobevera auch als Autor juristischer Fachbeiträge sowie als Herausgeber der ersten modernen juristischen Fachzeitschrift Österreichs, den „Materialien für Gesetzkunde und Rechtspflege“ (8 Bände, 1814–1824), hervor.

Ende 1818 legte er seine Position im Staatsrat zurück und avancierte zum Vizepräsidenten des niederösterreichischen k. k. Appellationsgerichts – eine Funktion, die er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1841 ausübte. Zeitgleich trat auch wieder der Hofkommission in Justizgesetzsachen bei, der er bis 1838 angehören sollte. In dieser Funktion war er an zentralen Gesetzgebungsarbeiten – u. a. ab 1828 die Revision des Strafgesetzbuchs – beteiligt.
Im Studienjahr 1823/24 fungierte Karl Joseph Pratobevera zudem als Rektor der Universität Wien.

Pratobevera wurde für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet und geehrt. Seiner Erhebung in den Ritterstand mit dem Prädikat „von Wiesborn“ im Jahr 1829 folgte 1838 anlässlich seines Ausscheidens aus der Hofkommission die Verleihung des Kommandeurkreuzes des Leopold-Ordens sowie die Ernennung zum Freiherren. Die Universität Prag verlieh ihm 1848 anlässlich ihres 500. Gründungsjubiläums das Ehrendoktorat (Dr. jur. h. c.).
Karl Joseph Pratobevera Freiherr von Wiesborn starb im Alter von 84 in Wien und wurde auf dem Friedhof Maria Enzersdorf nahe Wien bestattet.
Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien nahm seinen Namen 1892/93 in deren Ehrentafel im Universitätshauptgebäude auf.

Werke (Auswahl)

Die Rechte des Staates über Kirchen und geistliche Güter (Dissertation), 1792.
(Hg.), Materialien für Gesetzkunde und Rechtspflege in den Oesterreichischen Erbstaaten (Staaten) (8 Bände), 1814–1824.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 12.01.2022 - 11:53

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