Leopold Hasner von Artha, o. Prof. Dr. iur.

15.3.1818 – 5.6.1891
geb. in Prag gest. in Bad Ischl

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1899 Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät

Funktionen

Rektor 1867

Leopold Hasner, Sohn des Juristen und später in den Adels- bzw. Ritterstand erhobenen Kammerprokurators Leopold Hasner (von Artha) und dessen Ehefrau Johanna, geb. Fiedler, besuchte die Normalschule sowie ab 1827 das Altstädter Gymnasium in Prag. Ab 1834 absolvierte er die philosophischen Jahrgänge an der Universität Prag und nahm anschließend ebendort das Studium der Rechtswissenschaften auf. Den Studienschwerpunkt legte er auf Rechtsphilosophie, insbesondere die Lehre Friedrich Hegels. Nach einem kurzen Praktikum an der Kammerprokuratur in Prag wechselte Hasner 1840 an die Universität Wien und wurde hier 1842 zum Dr. jur. promoviert. Noch im selben Jahr trat er als Konzeptspraktikant in die Hofkammerprokuratur in Wien ein, wo er 1847 zum Adjunkten befördert wurde. Nach erfolglosen Bewerbungen um eine Professur für Natur- und Strafrecht in Olmütz bzw. Graz legte er die Advokatenprüfung ab. Im April 1848 begann er „Geschichte der Nationalökonomie“ an der Universität Wien zu lehren.

Die Ereignisse der Revolution 1848 veranlassten den liberal und zentralistisch gesinnten, aber kaisertreuen Leopold von Hasner Ende Mai 1848 Wien zu verlassen. Auf Initiative des damaligen Prager Statthalters Leo Thun von Hohenstein war er von 1848 bis 1849 als Redakteur der „Prager Zeitung“ tätig, für die er die Leitartikel verfasste.
1849 berief Unterrichtsminister Thun-Hohenstein Leopold von Hasner auf die eigens für ihn geschaffene außerordentliche Professur für Rechtsphilosophie an der Universität Prag, wo er zwei Jahre später zum Ordinarius für Politische Wissenschaften aufstieg. Während den 14 Jahren seiner Lehrtätigkeit an der Universität Prag fungierte Hasner in den Studienjahren 1853/54 und 1857/58 als Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät sowie ab 1854 als Präses der rechtshistorischen Prüfungskommission.

In seinen wissenschaftlichen Aufsätzen, die in verschiedenen Fachzeitschriften erschienen, befasste sich Leopold Hasner vor allem mit rechtshistorischen und -philosophischen Fragen, aber auch mit kunstkritischen Themen. Mit den Monografien „Filosofie des Rechts und seiner Geschichte in Grundlinien“ (1851) und „System der politischen Oekonomie“, von dem 1860 jedoch nur der erste Teil erschien, erwarb er sich den Ruf eines der wichtigsten Vertreter der Hegelʼschen Philosophie in Österreich. Einen wesentlichen Einfluss auf seinen Staatsbegriff hatte später auch die Verwaltungslehre von Lorenz von Stein.

1861 begann Hasners politische Karriere, als er in den Böhmischen Landtag gewählt und noch im selben Jahr als Abgeordneter in den Reichsrat entsandt wurde. Er schloss sich der Liberalen Partei an und fungierte zudem ab 1861 als Vizepräsident sowie als Obmann des Finanz- und Bankausschusses des Abgeordnetenhauses. 1863 bis 1864 stand der zum Sektionschef ernannte Hasner dem Abgeordnetenhaus als Präsident vor. 1863 übernahm Hasner außerdem die Präsidentschaft des neu eingerichteten und nur kurz existierenden Unterrichtsrats im Staatsministerium. In dieser Funktion publizierte er die Schrift „Unterricht und Unterrichtswesen in Österreich“ (1863) und trat als einer der Festredner bei der am 1. August 1865 stattfindenden Feier zum 500. Jubiläum der Universität Wien auf.

Wenige Wochen später legte Leopold Hasner von Artha sein Amt als Präsident des Unterrichtsrates nieder und nahm seine Lehrtätigkeit wieder auf. Unter gleichzeitiger Verleihung des Hofratstitels wurde er zum ordentlichen Professor der Politischen Ökonomie an der Universität Wien ernannt.
An der Universität Wien wurde er zum Rektor für das Studienjahr 1867/68 gewählt. Während seines Rektorates bildete sich unter Leitung Hasners ein Universitäts-Baucomité, das im Oktober 1867 Julius Glasers Vorschlag beschloss, den ehemaligen Militärparadeplatz am Ring als Bauplatz für das neue Universitätshauptgebäude zu beantragen. Bereits kurze Zeit später übernahm Leopold Hasner von Artha am 30. Dezember 1867 die Leitung des Ministeriums für Kultus und Unterricht. Als sein Nachfolger im Amt des Rektors wurde Leopold von Neumann gewählt.

Hasner, der bereits im Frühling 1867 zum Herrenhausmitglied auf Lebenszeit ernannt worden war, war Teil des sogenannten „Bürgerministeriums“ – die erste parlamentarische, deutsch-liberale Regierung für Cisleithaniens unter Ministerpräsident Fürst Carlos Auersperg. Als Kultus- und Unterrichtsministers trug er wesentlich zur Modernisierung und Säkularisierung des österreichischen Bildungssystems bei. Nachdem 1868 der kirchliche Einfluss auf die Schule zurückgedrängt wurde sowie die Einführung der Realschule als vollwertige Mittelschule ohne Latein Gesetzeskraft erhielt, kam besonders dem Reichsvolksschulgesetz von 1869 eine bedeutende Rolle zu: Die Unabhängigkeit des Unterrichts von Kirchen und Religionsgemeinschaften wurde nochmals untermauert, indem eine konfessionsübergreifende Gemeinschaftsschule unter staatlicher Aufsicht geschaffen wurde. Ebenso sah das Gesetz eine achtjährige Schulpflicht (6 bis 14 Jahre), die eine fünfjährige Volksschule und eine dreijährige Bürgerschule umfasste, sowie eine Professionalisierung der Lehrerausbildung vor. Da sich die Schulpflicht auch auf Mädchen erstreckte, hatte das Gesetz auch die Errichtung von Bürgerschulklassen für sie zur Folge. Erstmals hatten Mädchen, aber auch untere Schichten der Gesellschaft Anspruch auf Mittelschulbildung. Trotz vehementen Widerstandes der österreichischen Bischofkonferenz wurde dieses Gesetz durchgesetzt. Im Hochschulbereich erwirkte Minister Hasner 1869 die Gründung der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck.
Als sich die seit 1869 amtierende Regierung unter Eduard Taaffe aufgrund von Konflikten um föderalistische Interessen einiger Kronländer auflöste, wurde Leopold Hasner von Artha am 1. Februar 1870 zum Ministerpräsidenten ernannt und mit der Regierungsneubildung beauftragt. Als Vertreter des Zentralismus lehnte er föderalistische Zugeständnisse ab und eine Regierungsbildung scheiterte. Im April 1870 legte Hasner sein Amt als Ministerpräsident zurück.
Nach seinem Rücktritt wirkte er weiterhin aktiv als Mitglied des Böhmischen Landtags sowie des Herrenhauses des Reichsrats, denen er seit 1867 angehörte. Im Herrenhaus avancierte er 1870 zum Führer und Sprecher der Verfassungspartei und wirkte als Referent für kirchenpolitischen Fragen. Im selben Jahr wurde er zudem zum Delegierten der Karl-Ludwigs-Bahn ernannt.

Leopold Hasner Ritter von Artha wurde für seine Verdienste vielfach geehrt. So war er Träger des Leopold-Ordens und wurde 1889 – 20 Jahre nach dem Erlass des Volksschulgesetzes – zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt.
Die Stadt Bad Ischl, wo Hasner seinen Sommerwohnsitz hatte, am 5. Juni 1891 starb und beerdigt wurde, ehrte den „Reformator der Volksschule“ bereits 1893 mit einem Denkmal. In Bad Ischl erinnern außerdem eine Gedenktafel am Haus Brennerstraße 25, wo er über mehrere Jahre wohnte, sowie die nach ihm benannte Hasner Allee und die Leopold-Hasner-Schule an ihn. Die Stadt Wien hatte bereits 1883 die Hasnerstraße in Wien-Ottakring (16. Bezirk) nach ihm benannt, 1899 folgte die Benennung der Hasnergasse in Wien-Liesing (23. Bezirk), die jedoch 1957 in die Anton-Krieger-Gasse integriert wurde. Auch die Hasnerstraße in Linz sowie der Hasnerplatz in Graz tragen seinen Namen.
Die Universität Wien enthüllte 1899 ein Relief für Leopold Hasner (gestaltet von Kaspar von Zumbusch, finanziert durch ein Denkmalkomitee mit Josef Unger, Johann Chlumecký u.a.) im Arkadenhof der Universität Wien.

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Deutsche Biographie: NDB
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> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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> u:monuments: Denkmal Leopold Hasner von Artha

Werke (Auswahl)

Filosofie des Rechts und seiner Geschichte in Grundlinien, 1851.
System der Politischen Oekonomie I, 1860.
Unterricht und Unterrichtswesen in Österreich, einige Beobachtungen, gewidmet den beiden Hohen Häusern des Reichsrates in Wien, 1863.
Denkwürdigkeiten. Autobiographisches und Aphorismen, 1892.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 14.03.2021 - 19:11

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