Martin Taggel von Waldsee, Mag. art., Dr. med.

14.Jhdt – 1399

(latinisiert: Martinus de Walsee)

Funktionen

Rektor 1396/97

Über Martin Taggel von Waldsee, meist als Martin von Wallsee bezeichnet, der im Wintersemester 1396/97 als Rektor fungierte, gibt es nur wenige gesicherte Informationen. Bereits seine Herkunft ist unklar: Möglicherweise stammte er aus dem heutigen Bad Waldsee (Baden-Württemberg). Dafür spricht seine Nennung in einem Supplikenregister Papst Clemens VII., in dem er als Kleriker der Diözese Konstanz bezeichnet wird. Allerdings gibt es außer der Namensgleichheit keinen Beleg dafür, dass dieser Konstanzer Kleriker mit dem Wiener Universitätsangehörigen identisch war. Darüber hinaus wird er in den Wiener Universitätsquellen vielfach als Angehöriger der Österreichischen Nation bezeichnet, was für seine Herkunft aus dem niederösterreichischen Wallsee (heute Wallsee-Sindelburg) spricht.

Im Sommersemester 1385 wurde er als Martinus de Balse in die Matrikel eingetragen und muss bald danach das Bakkalaureat erhalten haben, da er in einer 1386/87 erstellten Liste der Bakkalare aufscheint. 1388 wurde er als Kandidat für das Lizenziat präsentiert, im folgenden Jahr wird er erstmals als Magister genannt. Zwischen 1391 und 1395 hielt er Vorlesungen an der Artistenfakultät und war mehrfach als Prüfer bei Bakkalarsexamen tätig, 1392 fungierte er als Consiliarius, als Berater des Dekans. 1391 gehörte er zu den Personen, die das am 11. Juli erstellte Testament Heinrich von Langensteins bezeugten. Im Dezember 1394 verzeichnen die Akten der Artistenfakultät, dass sich Magister Martin von Wallsee gegenüber dem Dekan ungehorsam gezeigt habe – leider wird darüber nichts Genaueres berichtet. Vier Jahre später sollte Martin die Leitung der Disputation de quodlibet übernehmen, konnte aber einen Dispens von dieser zeitaufwendigen Verpflichtung erlangen.

Neben seiner Tätigkeit an der Artistenfakultät studierte Martin von Wallsee Medizin: 1395 wird er als Lizenziat, 1396 als Doktor der Medizin genannt. Als Rektor des Wintersemesters 1396/97 bezeichnet er sich als Professor der artes und der Medizin. Zu seiner medizinischen Lehrtätigkeit ist nichts bekannt, da die Akten der Medizinischen Fakultät erst mit dem Sommersemester 1399 einsetzen, während Martin von Wallsee bereits vor dem 6. April dieses Jahres verstorben ist: In den Akten der Artistenfakultät wird eine Ausgabe über ½ Pfund Wiener Pfennige für Kerzen anlässlich seines Begräbnisses verzeichnet.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 27.05.2020 - 12:05