Othenio Abel, o. Univ.-Prof. Dr.

20.6.1875 – 4.7.1946
geb. in Wien, Österreich gest. in Mondsee, Österreich

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
EhrensenatorIn sen.h.c. 1940/41 (aufgehoben 1945)

Othenio Abel wurde am 17. Jänner 1941 zum Ehrensenator der Universität Wien ernannt "als Anerkennung dafür, daß er als Begründer der Paläobiologie für die lebensgeschichtliche Forschung und Lehre neue Wege gewiesen und als akademischer Lehrer, als Dekan und als Rektor den deutschen Charakter der Universität und die völkischen Interessen der Studenten unter den schwierigsten Verhältnissen stets mannhaft und unerschrocken verteidigt hat." (Wortlaut Diplom).

Die Ehrung wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Sitzung das Akademischen Senats vom 19. Mai 1945 aus rein formalen Gründen umgehend aufgehoben, da die Würdigung "Ehrensenator" im Nationsozialismus neu eingeführt worden war und „die österreichischen Bestimmungen die Ernennung von Ehrensenatoren nicht vorgesehen haben“. Das zuständige Staatsamt stimmte zu. Der Beschluss wurde nie veröffentlicht, Othenio Abel darüber explizit nicht informiert und auch das Ehrendiplom wurde von ihm nicht, wie sonst üblich, zurückgefordert.

Raumbenennung Seminarraum Othenio Abel 1995 (aufgehoben 2013) Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie

Als das "Geozentrum" im Universitätszentrum Althanstraße bezogen wurde, wurde u.a. auch in den 1990er Jahren - der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt - ein Hörsaal im Institut für Paläobotanik nach dem Disziplinengründer "Seminarraum Othenio Abel" benannt aufgrund seiner wichtige Rolle bei der Etablierung des Saches - sein nationalsozialistisches Engagement wurde ausgeblendet bzw. stand der Ehrung  damals zumindest nicht im Wege. Der Raum wurde vor Ort und auf allen Orientierungstafeln des Arelas, woei in den Vorlesungsverzeichnissen ausgewiesen. Erst auf dei erstaunte Facebook-Anfrage, warum im 21. Jahrhundert ein führender illegaler Nationalsozialist der 1930er Jahre an der Universität Wien geehrt wurde, führte zur raschen Entfernung dieser ehrenden Bezeichnnug, die auf Instituts- bzw. Fakultätsebene getroffen wurde, ohne Senat oder Rektorat einzubinden.

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1927/28
Rektor Philosophische Fakultät 1932/33

Othenio Abel war der Sohn eines Gartenarchitekten und Privatdozenten an der Hochschule für Bodenkultur. Er begann ein rechtswissenschaftliches Studium an der Universität Wien, wechselte jedoch schon bald zu naturwissenschaftlichen Fächern (Geologie, Botanik). Nach der Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1899 war er hauptberuflich an der K.k. Geologischen Reichsanstalt tätig. Er erhielt 1904 einen Lehrauftrag an der Universität Wien und 1907 ein Extraordinariat für Paläontologie.

Gemeinsam mit Louis Dollo begründete Abel die Disziplin Paläobiologie, indem sie Lebensweise und Umwelt der fossilen Organismen rekonstruierten. Abel konnte außerdem wichtige Fortschritte bei deren Etablierung als selbständige Wissenschaft an der Universität Wien erreichen (o. Prof. 1917, Gründung des Paläobiologischen Instituts 1924) und war 1920-24 Präsident der Paläontologischen Gesellschaft. Abel wurde auch als Erforscher der Bärenhöhle bei Mixnitz in der Steiermark bekannt und gab im Rahmen seiner publizistischen Tätigkeit die Werke "Wien, sein Boden und seine Geschichte" (1924) sowie "Grundzüge der Paläobiologie der Wirbeltiere" heraus. Er begründete die Zeitschrift "Paläobiologica" (insg. 280 Publikationen, darunter 20 Monografien). Abel wirkte als Volksbildner und Organisator der Wiener Universitätsreisen. Für seine wissenschaftliche Tätigkeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, Ehrendoktorate (Kapstadt, Athen) und Mitgliedschaften bei Akademien.

Othenio Abel war ein bekennender Antisemit und ein zentraler Vorkämpfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien. In inoffiziellen Netzwerken ("Bärenhöhle" und Deutscher Klub) wie auch in offiziellen Funktionen - 1927/28 als Dekan der Philosophischen Fakultät sowie 1932/33 Rektor - gestaltete er das antisemitische Klima an der Universität Wien in den 1920er- und 1930er-Jahren entscheidend mit, das sich sowohl in der Verhinderung jüdischer, linker oder liberaler WissenschafterInnen zeigte, aber auch in der offenen Unterstützung gewalttätiger Ausschreitungen deutschnationaler Studierender gegen jüdische und linke Studierende.

Während des Austrofaschismus wurde Othenio Abel als überzeugter Nationalsozialist entlassen (Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand), im Nationalsozialismus dafür geehrt: Am 17. Jänner 1941 wurde Othenio Abel gemeinsam mit fünf weiteren ehemaligen Professoren der Universität – Wenzel Gleispach, Karl Gottfried Hugelmann, Max Layer, Fritz Machatschek und Hans Uebersberger zum Ehrensenator der Universität Wien ernannt. Die Ehrungsform des „Ehrensenators“ war infolge des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich durch die Übernahme der deutschen Hochschulgesetze eingeführt worden und wurde während des Nationalsozialismus an insgesamt sieben Personen verliehen. Als Begründung der Ehrung wurde am Diplom angegeben:

"als Anerkennung dafür, daß er als Begründer der Paläobiologie für die lebensgeschichtliche Forschung und Lehre neue Wege gewiesen und als akademischer Lehrer, als Dekan und als Rektor den deutschen Charakter der Universität und die völkischen Interessen der Studenten unter den schwierigsten Verhältnissen stets mannhaft und unerschrocken verteidigt hat."

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss der Senat der Universität Wien in seiner Sitzung vom 19. Mai 1945 diese Ernennungen nicht aus inhaltlichen, sondern aus rein formalen aufzuheben, da „die österreichischen Bestimmungen die Ernennung von Ehrensenatoren nicht vorgesehen haben“. Das Unterrichtsamt wurde verständigt und stimmte dem Antrag zu, die Träger der aufgehobenen Ehrensenatorentitel wurden jedoch nicht benachrichtigt.

Dem Wunsch des Instituts 1973/74, ihm eine eine Büste im Arkadenhof zu errichten, wurde nicht entsprochen. Der seit 1985 von der Akademie der Wissenschaften verliehene Othenio-Abel-Preis ist seit 2012 nicht mehr nach ihm benannt und auch ein nach ihm benannter Hörsaal im Geozentrum der Universität Wien (UZA II) wurde umbenannt.

Archiv der Universität Wien, Rektorat GZ 1132 ex 1937/38, GZ 902 ex 1938/39, GZ 464 ex 1944/45

Katharina Kniefacz, Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 27.04.2022 - 22:04

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